Generalintendant Helmich: „Mit mir als Intendant wird es eine Schließung des Schauspiels nicht geben“

Der Generalintendant des Theater Bonn, Dr. Bernhard Helmich, hat sich am Samstagabend vor der Premiere von Mozarts „Die Zauberflöte“ öffentlich gegen eine Schließung des Bonner Schauspiels gestellt. „Ich stehe für dieses ganze Haus“, sagte Helmich vor dem Premierenpublikum. „Mit mir als Intendant wird es eine Schließung des Schauspiels nicht geben.“ Das Publikum antwortete mit stehenden Ovationen.

Anlass ist ein Prüfauftrag aus der Haushaltsklausur des Verwaltungsvorstands der Bundesstadt Bonn am Freitag, 2. Oktober. „Statt des in der Zukunftsagenda Bonner Bühnen beschlossenen Erhalts aller Sparten soll die Aufgabe des Schauspiels geprüft werden“, heißt es in der Medieninformation, die die Stadt am Samstagmittag veröffentlicht hat. Helmich war das Ergebnis am Freitagabend kurz vor 21 Uhr telefonisch mitgeteilt worden. Die Beschäftigten des Theaters, auch die des Schauspiels, erfuhren es aus der Medieninformation.

Wenige Tage zuvor, am Montag, 28. September, hatte Helmich seinen Vertrag als Generalintendant bis zum Sommer 2030 unterschrieben, nachdem der Rat der Verlängerung zugestimmt hatte. Grundlage war der Beschluss desselben Rates vom Mai 2025, das Theater Bonn mit allen seinen Sparten zu erhalten. „Wenige Tage liegen zwischen einer Vereinbarung, die auf dem Erhalt aller Sparten gründet, und einem Auftrag, der diese Grundlage in wichtigen Teilen in Frage stellt“, sagte Helmich.

Er erinnerte an das Datum: Der 3. Oktober ist der Tag der Deutschen Einheit, und Bonn ist die Stadt, in der das Grundgesetz entstanden ist. „Ausgerechnet aus dieser Stadt kommt an diesem Tag die Nachricht, ein Schauspiel solle aufgegeben werden. In einer Zeit, in der andernorts in unserem Land Extremisten auf dem Vormarsch sind, auch weil es nicht gelungen ist, durch Kunst, Kultur und Bildung Maß und Mitte in unserer Gesellschaft zu verankern.“

Helmich zeigte Verständnis für die Haushaltslage der Stadt. „Niemand in diesem Haus lebt im Elfenbeinturm. Auch das Theater muss seinen Beitrag leisten, und es leistet ihn.“ Seit Monaten arbeite das Theater gemeinsam mit dem Beethoven Orchester Bonn und dem Beethovenfest daran, die Haushaltsvorgaben der Stadt zu erfüllen, vor allem durch eine engere Zusammenarbeit in Verwaltung, Organisation, Technik und Vertrieb. Die ersten Ergebnisse lägen vor. „Ich plädiere dafür, dass man uns diesen Weg zu Ende gehen lässt, bevor man eine Schließung prüft. Denn eine Schließung des Schauspiels würde den Haushalt auf Jahre hinaus nicht entlasten.“

Die Medieninformation der Stadt nennt neben dem Prüfauftrag weitere Beschlüsse der Klausur, darunter den Verzicht auf die kostenlose Grippeschutzimpfung für städtische Beschäftigte und die Aussetzung der Imagekampagne „Bonn macht happy“. Das Musiktheater soll danach erhalten bleiben, weil an ihm das Beethoven Orchester Bonn beteiligt ist und so die Marke Beethoven bewahrt werde. Für die Bühnen sollen zudem die notwendigen Instandsetzungsmaßnahmen am jetzigen Standort untersucht werden. Das werde, so die Stadt, „zu mehreren Bauabschnitten mit längeren Schließzeiten führen“. Zugleich kündigt die Stadt an, „um die Betriebskosten weiter zu senken, werden alternative Organisationsformen für Theater und Orchester weiter vorangetrieben“.

„Ein Schauspiel ist kein Haushaltsposten, den man einfach streicht“, sagte Helmich. „Es ist ein Ort, an dem eine Stadtgesellschaft mit sich selbst im Gespräch ist, an dem wir über uns nachdenken, miteinander streiten und uns verständigen. Solche Orte brauchen wir heute mehr denn je.“ Das Theater werde seinen Weg weitergehen, „verantwortungsvoll, sparsam und im Gespräch mit allen, die in dieser Stadt Verantwortung tragen“.

Zum Schluss leitete Helmich zur Premiere über. „Die Zauberflöte“ sei ein Stück der Aufklärung, ein Stück „über Prüfungen, die man nur gemeinsam besteht“.