Stolz und Vorurteil* (*oder so)
Isobel Mc Arthur nach Jane Austen
Deutsch von Silke Pfeiffer
Regie: Jan Neumann
Jane Austen zum Mitsingen: Fünf Dienstmädchen, fünf Schauspielerinnen, über 18 Rollen und eine Karaoke-Show voller 80er-Hits. Diese rasante Neufassung von STOLZ UND VORURTEIL verbindet große Gefühle mit scharfem Humor und erzählt von Liebe, Geld und weiblicher Selbstbestimmung.
In Isobel McArthurs Neufassung von Jane Austens Romanklassiker STOLZ UND VORURTEIL ergreifen fünf Dienstmädchen endlich das Wort und nehmen sich den Raum, in einer rasanten Karaoke-Show ihre Lieblingshits zu singen. Witzig und respektlos gegenüber dem historischen Gegenstand erzählen sie eine Geschichte über ökonomische Abhängigkeit und weibliche Selbstbestimmung. Dabei verkörpern sie nicht nur die fünf unverheirateten Töchter der Familie Bennet, sondern nahezu alle Figuren, die den Roman bevölkern. Dieser Kunstgriff eröffnet eine neue Perspektive, ermöglicht einen besonderen Blick auf Jane Austens Meisterwerk von 1813: Mrs. Bennet muss ihre fünf Töchter verheiraten. Ansonsten werden diese aufgrund des patriarchalen Erbrechts mit leeren Händen dastehen, falls ihr Ehemann Mr. Bennet sterben sollte. Als der vermögende, liebenswürdige und vor allem ledige Charles Bingley in die Nachbarschaft zieht, scheint das Glück zum Greifen nah. Auf einem Ball funkt es zwischen Jane Bennet und Mr. Bingley tatsächlich. Allerdings gerät bei dieser Gelegenheit die kluge Elizabeth mit dem arroganten Mr. Darcy aneinander. Während die Mutter alles daran setzt, ihre Mädchen unter die Haube zu bringen, sehnen sich die Schwestern nicht nur nach einem Auskommen, sondern auch nach wahrer Liebe und Selbstbestimmung.
Diese Wünsche teilen sie mit den Dienstmädchen, die das Geschehen nachspielen. Endlich dürfen sie mehr, als möglichst unauffällig den Herrschaften Tee zu servieren. Sie sprechen über die 'niederen' Arbeiten, die in dem Roman nicht beschrieben werden. Sie sind es, die dafür sorgen, dass der Haushalt läuft, die Wäsche gewaschen, die Betten gemacht, die Speisekammer gefüllt ist.
Fünf Schauspielerinnen schlüpfen in über 18 Rollen und erzählen die Geschichte mit 80er-Jahre-Hits und viel Ironie. Dieser Trick nicht nur schafft ironische Distanz zum historischen Gegenstand, sondern gibt auch denen eine Stimme, die, obwohl unverzichtbar, meist unerwähnt bleiben und macht durch seine respektlose Draufsicht einfach Laune.
Und am Ende gewinnt die Liebe. Natürlich.
Jan Neumann, Jahrgang 1975, absolvierte eine Schauspielausbildung an der Bayerischen Theaterakademie August Everding. Er arbeitet als Regisseur und Autor und inszenierte u. a. am Maxim Gorki Theater Berlin, am Schauspiel Köln und am Schauspielhaus Bochum. Seit der Spielzeit 2013/14 ist er fester Hausregisseur am Deutschen Nationaltheater Weimar. In Bonn hat er bereits UNTERLEUTEN, DER MENSCHENFEIND, KLEINER MANN – WAS NUN?, DER STURM und DIE KINDER von Lucy Kirkwood inszeniert. Die Inszenierung KOMÖDIE DER EINSAMKEIT war die erste Arbeit am Theater Bonn, bei der er auch als Autor für die Stückfassung (gemeinsam mit dem Ensemble) verantwortlich zeichnete. Mit STOLZ UND VORURTEIL* (ODER SO) stellt er sich erstmalig mit einer musikalischen Produktion vor.