Li-Tai-Pe - Des Kaisers Dichter

Clemens von Franckenstein (1875 – 1942)

Oper in drei Akten, op. 43
Libretto von Rudolf Lothar

Musikalische Leitung: Hermes Helfricht | Inszenierung: Adriana Altaras

 

Eine Produktion im Rahmen der Reihe Fokus ’33

2 Stunden 15 Minuten eine Pause

»Eine echte Entdeckung: Clemens von Frankensteins lyrisch-spätromantische Märchenkomödie kommt in einer musikalisch wie szenisch überzeugenden Produktion beim Publikum gut an.« – Stefan Schmöe, Online Musik Magazin

 

Mit LI-TAI-PE – DES KAISERS DICHTER schuf Clemens von Franckenstein (1875–1942) sein meistgespieltes Werk für die Opernbühne. – Mit der endgültigen Schließung der Theater in Deutschland ab 1. September 1944 endet die Aufführungsgeschichte dieser Erfolgsoper. Schon qua Abkunft den Nazis reserviert gegenüberstehend, nimmt der 1934 aus seinem Amt als Münchner Staatstheaterintendant gejagte, aber in Deutschland gebliebene Franckenstein mit einigen wenigen seiner Kollegen eine Sonderposition zwischen Exil und Mitläufertum ein – man darf in ihm einen Exponenten der inneren Emigration sehen.

Nach der Premiere im Mai 2022 steht dieses überaus erfolgreiche und populäre Werk in der Spielzeit 2023/24 wieder auf dem Spielplan der Oper Bonn.

 

Wenigen sagt der Name Clemens von Franckenstein etwas, allenfalls denken einige noch an sein Wirken als Intendant, zunächst in Wiesbaden, schließlich – nach dem Tode Anton von Speidels – ab 1912 als Leiter der Münchener Hofoper. Durch die Berufung Hans Knappertsbuschs und durch die Gestaltung eines noch heute vorbildlichen Spielplans hat der 1914 zum Generalintendanten Ernannte bis zum Revolutionsjahr 1918 und dann wieder von 1924 bis zum erzwungenen Rücktritt im Jahre 1934 der Bayerischen Staatsoper ein glanzvolles Gepräge verliehen. Die immense Bedeutung seiner kulturpolitischen Leistungen wird gekrönt durch das eigene kompositorische Schaffen, das insbesondere in der Oper LI-TAI-PE Elemente der von Wagner bestimmten Neuromantik mit einem von Debussy beeinflussten exotischen Impressionismus zu unverwechselbarer Eigensprache verschmilzt. Die bis in die vierziger Jahre des 20. Jahrhunderts vielgespielte Oper markiert einen Höhepunkt der jüngeren deutschen Musiktheatergeschichte. An den sich freilich niemand mehr erinnert!

Mit durchweg historischem Personal erzählen Franckenstein und sein Librettist Rudolf Lothar (der für Eugen d’Albert das Libretto zu TIEFLAND geschrieben hatte) die gänzlich legendäre Geschichte vom versoffenen, aber genialen Dichter, den die Intrigen zweier Schranzen am Hofe des Kaisers fast das Leben kosten – und der sich als Lohn für die erfolgreiche Liebeswerbung zugunsten des Herrschers nichts wünscht als seine Freiheit an der Seite jener Frau, die ihn rettete – seit der Uraufführung in Hamburg am 2. November 1920 entwickelte sich LI-TAI-PE zu einem beim Publikum ungeheuer beliebten Werk der Opernliteratur, das bis zur Schließung der Theater 1944 gespielt wurde – obwohl der aristokratische Komponist den Machthabern suspekt war, dem es überdies gelungen war, stets Distanz zum Regime zu wahren – FOKUS ’33 geht hier erneut der Frage nach, wie ein Renner des Repertoires so gänzlich von den Bühnen verschwinden konnte.

 

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