Verleihung der Bonner Theaterpreise THESPIS und COURAGE im Schauspielhaus
Das Schauspielhaus war sehr gut gefüllt, als in einer festlichen Sonntagsmatinee am 11. Oktober die Freunde des Schauspiels Bonn (FS) und die Theatergemeinde BONN (TG) ihre Theaterpreise vergaben. Nach inzwischen guter Tradition wieder in einer gemeinsamen Veranstaltung. Elisabeth Einecke-Klövekorn, Vorsitzende beider Vereine, betonte ausdrücklich die Verbundenheit der zahlreich erschienenen Bonner Theaterschaffenden und Kulturfördervereine. Neben etlichen Gästen aus Politik und Kultur konnte sie insbesondere den Bonner Landtagsabgeordneten Dr. Christos Katzidis, den Bonner Bürgermeister Gabriel Kunze, die Bad Godesberger Bezirksbürgermeisterin Feyza Yildiz, die Kulturdezernentin Dr. Birgit Schneider-Bönninger, den Kulturausschuss-Vorsitzenden Jürgen Repschläger und natürlich den Generalintendanten Dr. Bernhard Helmich sowie den Schauspieldirektor Jens Groß begrüßen. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von den Bonner Musikern Ulrich Böhmer (Gitarre), Christian Faig (Querflöte) und Matthias Höhn (Concertina).
Dass dieser Vormittag auch eine klare Demonstration für den Erhalt der Schauspielsparte am Theater Bonn würde, war abzusehen. Vor allem aber war es eine Anerkennung der Leistungen, die die Theater für die gesamte Bonner Stadtgesellschaft erbringen. Bürgermeister Kunze, auch Kultursprecher der SPD-Fraktion im Rat der Stadt Bonn, überbrachte die Grüße und Glückwünsche der Bundesstadt Bonn und dankte den Veranstaltern für ihr großes Engagement. Außerdem gratulierte er der TG, die in diesem Jahr ihren 75. Geburtstag feiert. Ausdrücklich verwies er auf den Gemeinschaftsbeschluss von FDP, SPD und CDU am 6. Oktober im Kulturausschuss, der den Erhalt von Oper und Schauspiel an ihren bisherigen Standorten vorsieht. Auch alle anderen Redner betonten, dass das Schauspielhaus in Bad Godesberg weiter bestehen soll. Schauspieldirektor Jens Groß verwies darauf, dass die Schauspielfreunde vor fast 20 Jahren das Schauspielhaus, das damals noch „Kammerspiele“ hieß, schon einmal gerettet hätten und dankte noch mal herzlich dafür, dass der Verein schon seit acht Jahren ehrenamtlich die Kantine für die Mitarbeitenden betreibt.
Lars Figge vom Theater Bonn hatte wieder ein beeindruckendes Video mit kurzen Ausschnitten aus allen Schauspielproduktionen der Spielzeit 2025/26 zusammengestellt. Einecke-Klövekorn begründete die Entscheidung der FS-Jury für die Uraufführung der Schiller-Überschreibung »Don Karlos (A New Morning)« von Felix Krakau als bemerkenswerteste Inszenierung der Saison und hob die Leistung des gesamten Teams hervor: »Der Autor und Regisseur Felix Krakau Krakau hat Schillers extrem langes ‚Don Karlos‘-Drama geschickt gekürzt, das Personal auf sechs Figuren reduziert und den Text sprachlich in die Gegenwart transportiert. Ohne dabei dem Dichter untreu zu werden: Es ist dessen Mischung aus Familien- und Polittragödie, höfischen Intrigen, Machtspielen und scheiternden Plänen, die hier in neuen Versen auf die Bühne kommt.« Besonders hob sie die originelle Gestaltung von Bühne, Video und Lichtkonzept hervor und nannte noch einmal alle Mitglieder des Schauspiel-Ensembles, die mit szenischer Intelligenz, spielerischem Witz und visueller Dynamik die Aktualität des Klassikers bewiesen hätten. Krakau, der eigens angereist war, obwohl er am Abend noch eine Premiere in Heidelberg hatte, freute sich sehr über den mit 500 Euro dotierten Preis und bedankte sich herzlich.
Sehr glücklich zeigte sich auch das Kassenpersonal des Theater Bonn, vertreten durch Brigitta Wilhelmi, über die ebenfalls mit 500 Euro dotierte Anerkennung der Leistungen im nicht-darstellerischen Bereich. Einecke-Klövekorn lobte die Freundlichkeit, Geduld und Kompetenz der Menschen an der Theaterkasse im Schauspielhaus. »Obwohl inzwischen immer mehr Besucher:innen ihre Tickets online erwerben, brauchen wir diesen persönlichen Kontakt. Das Kassenpersonal verkauft nicht einfach ein beliebiges Produkt, sondern ist Teil der Vermittlung von Werten, die wir gerade in dieser Zeit dringend brauchen.«
Eine kurze Dia-Show präsentierte die Kandidaten für den diesjährigen COURAGE-Preis der Theatergemeinde BONN. Die mit 1.000 Euro dotierte und mit einer Kalligrafie der Bonner Künstlerin Larissa Laё verbundene Auszeichnung für herausragende neue Arbeiten der privaten und freien Bonner Theater ging an die Uraufführung »S.O.S. im Paradies – das ABBA-noch-längst-nicht-Senioren-Musical« des Bonner Autors, Komponisten und Regisseurs Stephan Ohm am Contra-Kreis-Theater. In einer sehr persönlichen Laudatio würdigte Andreas Amberg, Vorsitzender der Jungen Theatergemeinde BONN und Mitglied der TG-Jury, diese musikalische Komödie. »Die vier Bewohner der noblen Seniorenresidenz ‚El Paraiso‘ entscheiden selbstbewusst, welche Musik sie wollen. Sie protestieren gegen die Entlassung ihres musikalischen Leiters und einer ukrainischen Pflegekraft und nehmen vieles einfach selbst in die Hand. Es sind liebevoll gezeichnete Typen, die am Ende mit ABBA die Bühne rocken. Auch wenn einer nicht mehr dabei sein kann. Krankheit und Tod werden nicht verschwiegen in diesem ebenso vergnüglichen wie berührenden Stück für alle Generationen. Thank you for the music!« Fast das ganze Ensemble der Produktion nahm auf der Bühne strahlend den zum vierten Mal vergebenen Preis entgegen.
Bereits zum 19. Mal verliehen die Schauspielfreunde ihren mit 1.000 Euro dotierten und einem individuell gestalteten Glaswürfel der Bonner Künstlerin Sidika Kordes verbundenen THESPIS-Preis für herausragende darstellerische Leistungen am Schauspiel Bonn. Er ging in diesem Jahr an Sophie Basse, die seit 2013 hier fest engagiert ist. Dem Bonner Publikum vorgestellt hat sie sich damals als großartige Rosa Luxemburg bei der Saisoneröffnung mit der Uraufführung von »Karl und Rosa nach dem Roman von Alfred Döblin, inszeniert von Alice Buddeberg. Seitdem war die 1972 in Oldenburg geborene Schauspielerin hier in zahlreichen Rollen zu erleben. Laudator Dr. Konrad Lang, bis vor kurzem Mitglied im SF-Vorstand, erinnerte insbesondere an Genets absurden Klassiker »Die Zofen«, 2018 in der Werkstatt inszeniert von Claudia Bauer.
Ausschlaggebend für Basses Wahl durch die SF-Mitglieder waren in der vergangenen Saison ihre großartige Madame de La Pommeraye in Diderots »Jacques der Fatalist«, ihre robuste Kneipenherrscherin Frau Flott in »Sankt Falstaff« von Ewald Palmetshofer und zuletzt in der Werkstatt die Mutter in dem Familiendrama „Einfach das Ende der Welt“ von Jean-Luc Lagarce. Außerdem ihre türkische Ela in dem Sezen Aksu-Liederabend „Istanbul“, der seit 2021 im Schauspielhaus auf dem Spielplan steht und bereits 2022 von den FS als hervorragende Inszenierung ausgezeichnet wurde. Aus der Spielzeit 2023/24 in bester Erinnerung ist zudem Basses Ärztin Dr. Dumpler in Heinrich Bölls »Frauen vor Flusslandschaft«. In ihrer fulminanten Dankesrede hielt die temperamentvolle Schauspielerin ein flammendes Plädoyer für das Bonner Schauspiel und erzählte auch einige Anekdoten aus ihrem bewegten Theaterleben: z. B. von ihren frühen Erfahrungen am Wiener Burgtheater, wo sie noch als Studentin in einer winzigen Rolle mitwirkte bei Konstanze Lauterbachs »Mutter Courage«.
Viele jetzige und frühere Kolleg:innen, darunter mehrere THESPIS-Preisträger:innen der vergangenen Jahre waren gekommen, um Sophie Basse zu gratulieren. Beim anschließenden Empfang im Foyer gab es noch allerhand Gesprächsstoff. Es war auch ein freundschaftliches Fest der Begegnungen zwischen Kunst, Politik und Publikum.