Ab 16. November 2023

Wir wissen, wir könnten, und fallen synchron (UA)

nach dem Roman von Yade Yasemin Önder

90 Minuten keine Pause

Auf einer Wiese wird die namenlose Protagonistin ein Jahr nach der Katastrophe von Tschernobyl irgendwo in der westdeutschen Provinz geboren. Der Vater stirbt, als sie noch ein Kind ist, durch einen Unfall mit einer Kreissäge bei dem Versuch, eine Schaukel für die Tochter zu bauen. Er, der so übergewichtig war, dass die »Wiese sich konkav ins Erdreich bog«, lässt eine Wunde zurück, die seine Tochter ihr ganzes Leben zu schließen versuchen wird. Der Tod verursacht anhaltende Schuldgefühle und ein Vermissen von Geborgenheit. Die Wiese der Kindheit wird zu einem betonierten Parkplatz. Zurück bleiben Mutter und Tochter, deren Verhältnis sich zunehmend toxisch entwickelt. Zentrum des Konflikts ist das Gewicht der Tochter. Der Kampf mit den Kalorien und dem eigenen Körper findet täglich statt und manifestiert sich mit der Zeit in der Diagnose Bulimie.

WIR WISSEN, WIR KÖNNTEN, UND FALLEN SYNCHRON handelt vom Heranwachsen einer jungen Frau auf der Suche nach ihrer Identität. Die Krankheit Bulimie wird zu einer Metapher für ihr ganzes Leben. Die Erzählerin ist eine unzuverlässige, und alles, was geschieht, könnte so oder auch ganz anders passiert sein. Die Sprache des Romans ist schnell, rhythmisch, düster und morbide, aber immer auch wahnsinnig komisch. Aus den Miniaturen und Fragmenten, die assoziativ und nicht chronologisch angeordnet sind, entsteht das Bild einer jungen Frau, die seit ihrer Kindheit an den gesellschaftlichen Normen der Welt zerbricht und sich doch aus eigenem Antrieb immer wieder neu zusammensetzt.

 

Emel Aydoğdu ist eine alevitisch-kurdische Regisseurin und Autorin. Sie studierte u. a. Szenische Forschung und war zwei Jahre Regieassistentin am Theater Oberhausen. Bildungsaufenthalte führten sie nach Israel und Paris. 2011 wurde sie für ihren Dokumentarfilm Meine Oma, Meine Wurzel, Meine Heimat mit dem Sonderpreis der Mercator-Stiftung im Bundeskanzleramt ausgezeichnet. Mit Die Nacht kurz vor den Wäldern erhielt sie 2020 auf dem Festival Monospektakel X gemeinsam mit dem Schauspieler Burak Hoffmann den Jurypreis. Bisherige Arbeiten entstanden u. a. am Schauspielhaus Bochum, Junges Schauspielhaus Düsseldorf, Theater Osnabrück, Theater Oberhausen und Junges Staatstheater Braunschweig. In der Spielzeit 2023/24 inszeniert sie erstmals am Theater Bonn.

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Besetzung

Ausstattung  Eva Lochner
Licht  Ewa Górecki
Dramaturgie  Sarah Tzscheppan
Choreografie  Emmanuel Edoror
Regieassistenz  René Fiegen
Ausstattungsassistenz  Tanja Mürlebach
Inspizienz  Sascha Maurice Höchst
Soufflage  Kerstin Heim
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