Ab 11. September 2020

Nicht Fisch nicht Fleisch

von Franz Xaver Kroetz

90 Minuten keine Pause
Termine & Karten

Die beiden Paare Helga und Hermann und Edgar und Emmi sind Nachbarn, Freunde und die Männer Arbeitskollegen als Schriftsetzer. Sie sehen sich mit Modernisierungen in ihrem Betrieb konfrontiert – der Fotosatz wird eingeführt. Die betrieblichen Umwälzungen greifen unweigerlich in ihr Privatleben und insbesondere in ihre Ehen zu Emmi und Helga ein. Während Edgar sich bedroht fühlt und um seine Identität als Handwerker fürchtet, gibt sich der Gewerkschafter Hermann kämpferisch und will den technischen Fortschritt zugunsten der Belegschaft nutzen. Überfordert von der neuen Technologie reicht Edgar seine Kündigung ein, traut sich aber in einem falschen Stolz nicht, Emmi davon zu erzählen, die als Selbstständige erfolgreich ein Lebensmittelgeschäft führt. Helga, Hausfrau und Mutter zweier Kinder, dagegen befürchtet, dass Hermann durch seinen politischen Ehrgeiz ebenfalls eine Kündigung riskiert und das Wohl der Familie aufs Spiel setzt.

In dem modernen Volksstück von 1980 gefährden technischer und gesellschaftlicher Fortschritt das private Glück und führen zur Auflösung und Abwertung sicher geglaubter Existenzen. Der Verlust von Liebe und Freundschaft führt zu Vereinzelung – ein Prozess, der an die heutige Digitalisierung erinnert. Die Trennung von Arbeit und Freizeit ist auch heute ein schwer zu überwindendes Hindernis für eine Beziehung, sodass Edgars Credo „Betrieb is Betrieb und daheim is daheim“ sich oft nur schwer aufrechterhalten lässt.

Kroetz, in den 1970er und 80er Jahren einer der meist gespielten Dramatiker der Bundesrepublik, inszenierte NICHT FISCH NICHT FLEISCH selbst 1982 im Schauspielhaus in Bad Godesberg und spielte zudem die Rolle des Hermann. Martin Walser schrieb über die Premiere: „Ich war in Bad Godesberg in der Premiere von NICHT FISCH NICHT FLEISCH. Jeder lakonische Kroetz-Satz erzeugte ein sozusagen symmetrisches Echo im Publikum. Die zwei Paare des Stücks hängen in ihren Existenzbedingungen und zappeln so komisch wie die Figuren der früheren Beckett-Stücke. Nur dass die Bedingungen hier aus unserem konkretesten Material sind.“

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Besetzung

Helga  Lena Geyer
Bühne und Kostüme  Lara Scherpinski
Licht  Ewa Górecki
Dramaturgie  Jan Pfannenstiel
Regieassistenz  Beatrice Banca
Ausstattungsassistent  Samina Anastasia Celotti
Inspizienz  Sascha Maurice Höchst
Soufflage  Heike Mia Hülsebusch
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