4. Januar 2023

DER PROZESS

Ballett des Nationaltheaters Prag (Tschechische Republik)

Choreografie & Kostüme: Mauro Bigonzetti (nach dem Roman von Franz Kafka)
Musik: Antonio Bononcini / Dietrich Buxtehude / Henryk Górecki / Carlo Gesualdo / Tarquinio Merula / Claudio Monteverdi / Modest Petrovich Mussorgsky
Bühne & Video: Carlo Cerri

30 Tänzerinnen und Tänzer

Termine & Karten

Filip Barankiewicz, ehemals Erster Solist des Stuttgarter Balletts, leitet überaus erfolgreich seit 2017 das 80 Tänzerinnen und Tänzer große Prager Nationalballett. Mit Mauro Bigonzettis Choreografie DER PROZESS nach Franz Kafkas Roman von 1914 zeigt das Ballettensemble des Nationaltheaters Prag im Bonner Opernhaus seine Bedeutung für die Entwicklung des Tanzes in Europa und der Welt.

Kafkas unvollendet gebliebener, beklemmender Roman „Der Proceß“ zählt zu den großen literarischen Werken des 20. Jahrhunderts. Für seine Übertragung auf die Tanzbühne hat der weltberühmte Choreograf und gebürtige Römer Mauro Bigonzetti italienische Barockmusik sowie Musik des 20. Jahrhunderts gewählt, ergänzt um ein Stück von Mussorgsky. Neben zwei Sätzen aus Henryk Góreckis 3. Sinfonie („Sinfonie der Klagelieder“) erklingen Stücke von Dietrich Buxtehude, Tarquinio Merula, Antonio Bononcini, Carlo Gesualdo, Claudio Monteverdi und Modest Mussorgsky.

Im Zentrum von Bigonzettis DER PROZESS steht das Individuum, repräsentiert durch Josef K., der unbescholten in die Mühlen eines willkürlichen Apparats gerät. Durch seine Verhaftung stigmatisiert, sucht K. vergeblich nach echter Zuwendung und menschlicher Unterstützung. Mehr und mehr fühlt K. sich einer anonymen Macht ausgeliefert, bis seine Widerstandskraft schließlich aufgerieben ist und er sich in den Tod ergibt. Bigonzettis Recherche zu Kafkas Werk begann sehr früh. Schon in jungen Jahren hat ihn die Verfilmung von Orson Welles stark beeindruckt, und seitdem lässt ihn der Sog dieser Bilder nicht mehr los. Soziale Kontakte verlieren in unserer heutigen Gesellschaft zunehmend an Verbindlichkeit. Auch Kafkas Herr K. verliert seine wenigen menschlichen Bezüge nach und nach vollends. Diese Beziehungslosigkeit führt K. in eine tiefe Verunsicherung. Er bewegt sich auf dem schmalen Grat der Vereinzelung in eine Orientierungslosigkeit, die schließlich im Selbstverlust mündet. (Bigonzetti) 

Der international erfolgreiche Choreograf Mauro Bigonzetti (geb. 1960) absolvierte seine Tanzausbildung an der Römischen Oper, der er auch von 1972 bis 1983 als Tänzer angehörte. 1984 ging er nach Reggio Emilia zu Aterballetto. Zehn Jahre lang war er Mitglied des renommierten Tanzensembles, bis er sich schließlich ganz seiner Tätigkeit als Choreograf widmete. Von 1997 bis 2007 fungierte er als Künstlerischer Leiter des Aterballetto. Mit dem italienischen Spitzenensemble war Bigonzetti mehrfach bei den Highlights im Bonner Opernhaus zu Gast. Anschließend arbeitete er wieder als freischaffender Choreograf. 2016 leitete er das Corpo di Ballo del Teatro alla Scala, die Ballettkompanie der Mailänder Scala. Mauro Bigonzetti studierte seine Werke mit zahlreichen Compagnien weltweit ein, darunter das Alvin Ailey Dance Theatre, das New York City Ballet, Les Grands Ballets Canadiens, das Staatsballett Berlin, das Stuttgarter Ballett und die Gauthier Dance Company. DER PROZESS war eine Auftragsarbeit für das Ballett der Staatsoper Hannover, die dort auch 2015 uraufgeführt wurde. Die literarische Vorlage ist aber eine unbestreitbare Facette des Prager Milieus, ein Teil tschechisch-deutscher Literaturgeschichte und untrennbar mit der Stadt Prag verbunden.

www.narodni-divadlo.cz/cs/soubory/balet

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