Free them all!

Mit der Neuinszenierung von Beethovens Befreiungsoper FIDELIO setzen sich das Theater Bonn und das Inszenierungsteam um Regisseur Volker Lösch für die Freilassung politischer Gefangener in der Türkei ein. 
Auch Sie können sich für die Rechte der Menschen stark machen, die zu Unrecht in der Türkei inhaftiert sind. Fälle wie die von Deniz Yücel, Peter Steudtner oder dem Kölner Journalisten und Sozialwissenschaftler Adil Demirci haben gezeigt, dass es hilft, größtmögliche Öffentlichkeit für die Lage der Inhaftierten herzustellen.

Auf dieser Seite finden Sie Informationen zu politischen Gefangenen und zu Ihren Möglichkeiten, sich für ihre Befreiung zu engagieren. Wir stellen Ihnen die Freunde und Angehörigen vor, für deren Freilassung die Zeitzeugen in FIDELIO kämpfen.

Unterstützen Sie die Gefangenen, indem Sie ihnen schreiben, oder wenden Sie sich mit Ihren Forderungen an die Bundesregierung – damit die Betroffenen nicht in Vergessenheit geraten und die Menschrechtsverletzungen ein Ende haben. Free them all!

 

Free Soydan Akay!

Soydan Akay, Autor und Friedensaktivist, ist seit 27 Jahren im Gefängnis. Als junger Mann arbeitete er in einem Buchladen und engagierte sich für die Rechte der Kurden, indem er sich an Demonstrationen beteiligte und Kulturveranstaltungen organisierte. Im Alter von 22 Jahren wurde er verhaftet, gefoltert und von einem Staatssicherheitsgericht wegen angeblichem Mord zu lebenslanger Haft verurteilt. Soydan Akay lebt seit über zweieinhalb Jahren in Isolationshaft. Ihm wurden sportliche und soziale Aktivitäten im Gefängnis verboten. Er ist schwer an Krebs erkrankt und erhält keine angemessene Behandlung. Er muss aus der Haft entlassen und im Krankenhaus behandelt werden.


 

Free Ahmet Altan!

Der Schriftsteller und Journalist Ahmet Altan wurde im Juli 2016 festgenommen und gemeinsam mit fünf Journalistenkollegen zu lebenslanger Haft unter erschwerten Bedingungen verurteilt. Laut Gericht hatte Altan versucht, die „verfassungsmäßige Ordnung zu stürzen“, weil er die Regierung während einer Fernsehsendung am Vorabend des Putschversuches am 15. Juli 2016 kritisierte. Im Juli 2019 hob das oberste Berufungsgericht die lebenslange Haftstrafe gegen Altan auf. Daraufhin wurde er am 4. November 2019 wegen Unterstützung einer Terrororganisation zu zehn Jahren und sechs Monaten verurteilt. Der 69-jähtige Altan wurde noch am gleichen Tag unter Auflagen freigelassen, jedoch nach Einspruch der Generalstaatsanwaltschaft am 12. November erneut festgenommen. So konnte Ahmet Alten, der Ehrenmitglied des Deutschen PEN-Zentrums ist, den Geschwister-Scholl-Preis 2019 für sein Buch „Ich werde die Welt nie wiedersehen. Texte aus dem Gefängnis“ nicht persönlich entgegennehmen.


 

Free Hozan Canê!

Die Sängerin und Filmemacherin Hozan Canê trat wenige Tage vor den türkischen Präsidentschaftswahlen im Juni 2018 in Edirne bei einer Wahlkampfveranstaltung der prokurdischen Oppositionspartei HDP auf. Einen Tag nach ihrem Auftritt wurde sie aus dem Tourbus heraus festgenommen. Seit dem 23. Juni 2018 ist sie im Frauen-Gefängnis in Istanbul inhaftiert. Am 14. November 2018 wurde Hozan Canê wegen angeblicher Terrorpropaganda zu sechs Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Als Beweis dienten Fotos, die Hozan Canê über Facebook und Twitter geteilt hat. Sie zeigen sie als vermeintliche Terroristin mit einer Kalaschnikow in der Hand. Entstanden sind diese Fotos bei Dreharbeiten zu ihrem Spielfilm 74th GENOCIDE SENGAL, der 2016 in Cannes Premiere hatte.

Gönül Örs, die Tochter von Hozan Canê, war im Mai 2019 nach Istanbul gereist, um ihre Mutter zu besuchen, die körperlich und seelisch angeschlagen ist. Bei der Einreise erfuhr Gönül Örs, dass wegen einer prokurdischen Protestaktion 2012 in Köln in der Türkei gegen sie ermittelt wird. Dieses Verfahren war bezüglich Gönül Örs in Deutschland am 8. November 2012 wegen Geringfügigkeit eingestellt worden. Sieben Jahre danach bekam Gönül Örs deswegen in der Türkei eine Ausreisesperre und musste sich zweimal in der Woche bei der Polizei melden. Dann wurde auch sie verhaftet. Man wirft ihr vor, dass sie die türkische Grenze illegal überschreiten wollte. Am 2. Dezember 2019 wurde Gönül Örs freigelassen und unter Hausarrest gestellt.


 

Free Selahattin Demirtaş!

Der Anwalt für Menschenrechte und ehemalige HDP-Abgeordnete wurde im November 2016 festgenommen und wegen Unterstützung einer Terrororganisation zu vier Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg hat diese Inhaftierung im November 2018 für unrechtmäßig erklärt. Auf der Basis abstruser Vorwürfe und politisch motivierter Anklageschriften fordert die Staatsanwaltschaft eine Haftstrafe von 142 Jahren für Demirtaş. Die türkische Regierung unter Staatspräsident Erdoğan versucht so, die demokratische Stimme der Opposition zu kriminalisieren. Sie versucht, den wichtigsten politischen Herausforderer von Staatspräsident Erdoğan zum Schweigen zu bringen. Selahattin Demirtaş geht es gesundheitlich sehr schlecht. Ende November wurde er in seiner Zelle ohnmächtig, nachdem er über Atemnot und stechende Brustschmerzen geklagt hatte. Erst nach sieben Tagen wurde Demirtas für eine Untersuchung in ein Krankenhaus verlegt.

Posten Sie in den sozialen Netzwerken

Setzen Sie ein Zeichen gegen die willkürliche Inhaftierung und den Versuch der Erdoğan-Regierung, die Opposition in der Türkei zu kriminalisieren! Posten Sie ein Selfie, verbunden mit dem Aufruf #freethemall, in Ihren Social Media-Kanälen.

#freesyodanakay #freeahmetaltan #freehozancanê #freedermitaş #freethemall

Schreiben Sie an die Bundesregierung

Soydan Akay, Ahmet Altan, Hozan Canê und Selahattin Demirtas sind die politischen Gefangenen, die im Zentrum der FIDELIO-Inszenierung stehen. Doch stehen sie beispielhaft für die vielen Tausenden Menschen, die in der Türkei unrechtmäßig inhaftiert sind. Wie viele es genau sind, ist selbst für Expert*innen in Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International oder Reporter ohne Grenzen schwer zu ermitteln. Viele der Inhaftierten erhalten wenig oder keine Unterstützung durch die Öffentlichkeit, da ihre Fälle nicht bekannt ist – und beinahe täglich verschwinden neue Journalist*innen, Künstler*innen, Politiker*innen und andere Kritiker*innen der Erdoğan-Regierung in den überfüllten Gefängnissen des Landes.

Sie können sich für ihre Rechte einsetzen, indem Sie einen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel senden und die Bundesregierung auffordern, sich ihrer Verantwortung in diesem Konflikt nicht länger zu entziehen.

Brief herunterladen

Unterzeichnen Sie die Petition der Initiative Frieden und Menschenrechte in der Türkei und fordern so die Bundesregierung zu einer Veränderung ihrer Türkeipolitik auf.

Weitere Informationen

Näheres über die Situation der politischen Gefangenen in der Türkei und Ihre Möglichkeiten, sich für sie einzusetzen, erfahren Sie zum Beispiel hier:

Reporter ohne Grenzen | Türkei

Amnesty International | Türkei

TÜDAY e.V. – Menschrechtsverein Türkei/Deutschland in Köln

Stimmen der Solidarität – Mahnwache Köln e.V.

P24 – Platform for Independent Journalism