Tanz

Monatsspielplan

BEETHOVEN 7

Malandain Ballet Biarritz [Frankreich]

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22 Dez 20:00 H
23 Dez 19:30 H
Opernhaus

Weltpremiere / Kooperation

Choreografie Thierry Malandain
Musik Ludwig van Beethoven (Franz Liszt' Transkription von Ludwig van Beethovens 7. Sinfonie in A-Dur op. 92 & Ludwig van Beethovens 7. Sinfonie in A-Dur op. 92)
Pianistin der Transkription von Franz Liszt Magdalena Müllerperth
Kostüme und Dekor Jorge Gallardo
Licht François Menou
mit 22 Tänzerinnen und Tänzern

Choreografie zum 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven
Eine Koproduktion mit dem Theater Bonn im Rahmen von Beethoven 2020

Das Theater Bonn hat den französischen Starchoreografen Thierry Malandain um einen Beitrag zum Beethoven Jahr gebeten. Malandain, weltberühmt für seine äußerst musikalischen Arbeiten, widmet sich dem Weltbürger und Humanisten Beethoven auf eine besondere Art und Weise, indem er die 7. Sinfonie von Beethoven von verschiedenen Seiten beleuchtet. Dieser stellt er die Liszt-Transkription der Siebten für Klavier gegenüber, live gespielt von der Pianistin Magdalena Müllerperth. Die Transkription wird erstmalig vertanzt. Malandain wird zwei bemerkenswerte Merkmale von Beethoven herausarbeiten: die Fähigkeit, Tradition und Schöpfung in Einklang zu bringen und die humanistischen Ideale, die in jedem Werk zum Ausdruck kommen. Durch die Gegenüberstellung betont Malandain den besonderen Rhythmus der 7. Sinfonie. Nach einer französischen Vorpremiere im Théâtre Chaillot in Paris wird BEETHOVEN 7 in Bonn in der Eröffnungswoche des Beethoven-Jubiläumsjahres erstmalig aufgeführt.

Beethoven war ein leidenschaftlicher Anhänger der Demokratiebewegung. Doch die hoffnungsvolle Periode, die die Französische Revolution einzuleiten schien, endet für ihn – und viele andere – mit einer Enttäuschung. Als Beethoven mit der Komposition der 7. Sinfonie begann, plante Napoleon seinen Feldzug gegen Russland. Nach der 3. Sinfonie – und möglicherweise auch der Fünften – scheint die 7. Sinfonie eine weitere musikalische Auseinandersetzung Beethovens mit Napoleon und dessen Politik zu sein, dieses Mal im Kontext der europäischen Befreiungskriege von der jahrelangen napoleonischen Besatzung. Dabei gehört die 7. Sinfonie eindeutig zur lebensfrohen Sinfoniegruppe. Stellenweise wird Beethoven hier richtig übermütig. Richard Wagner hat das Werk eine „Apotheose des Tanzes“ genannt, und Carl Maria von Weber meinte gar, man solle Beethoven dafür ins Irrenhaus schicken. So ungewöhnlich war diese Musik für ihre Zeit. Der Beethoven-Forscher Hans Mersmann (1891 geboren) schrieb, die Siebte stelle den „absoluten Gipfel der Gestaltlosigkeit“ dar. Interessanterweise zeigen alle diese Urteile zwar wenig Verständnis, aber es schwingt immer ein gewisser bewundernder Unterton mit. Am treffendsten hat vielleicht Romain Rolland Beethovens Siebte beschrieben – nämlich als „Orgie des Rhythmus“.

Der Sinfonie voran stellt Malandain nun die Transkription von Franz Liszt. Liszt verstand sich schon früh nicht nur als Musiker, sondern auch als Botschafter des technischen Fortschritts und – wie Beethoven, den er zutiefst verehrte - als Humanist. 1837 erschienen seine Transkriptionen der 5., 6. und 7. Sinfonie. Bei einer Überarbeitung dieser Transkription stellte Liszt fest, dass „je näher er mit Beethoven vertraut wird, selbst unbedeutende Details nicht ohne Wert sind.“ So notierte Liszt z.B. die Namen der Orchesterinstrumente, die der Pianist nachahmen sollte.

Die Idee der „puren Musik“ veranlasste immer wieder Choreografen, sich mit Beethovens 7. Sinfonie auseinanderzusetzen, so u.a. Uwe Scholz 1991 oder Léonide Massine 1938. Thierry Malandain geht einen Schritt weiter, indem er sich der Sinfonie unter Wagners Begriff der „Apotheose des Tanzes“ und als „Kunstwerk der Zukunft“ nährt.

Schon 2003 haben sich Thierry Malandain und sein Ensemble intensiv mit Ludwig van Beethoven beschäftigt. Seine Arbeit LES CRÉATURES aus diesem Jahr zu Beethovens DIE GESCHÖPFE DES PROMETHEUS wurde für den Benois de la Danse in Moskau nominiert und in der kubanischen Hauptstadt Havanna als beste ausländische Leistung beim 19. Internationalen Ballettfestival ausgezeichnet. 2012 erfolgte die Kreation des Solos SILHOUETTE zum 3. Satz der Sonate Nr. 30, op. 109 für einen Haupttänzer der Compagnie.

Zerbrechlichkeit, Kraft und Sinnlichkeit des tanzenden Körpers - darauf richtet Thierry Malandain, der Künstlerische Leiter des Malandain Ballet Biarritz, sein Hauptaugenmerk. Egal ob er eine abstrakte, eine erzählende oder eine klassisch inspirierte Form der Choreografie wählt - Mensch und Tanz sind Körper und Seele des Malandain Ballet Biarritz. Die 22 Tänzerinnen und Tänzer des Ensembles sind alle klassisch ausgebildet, der Ausdruck ist aber durch die Arbeiten Thierry Malandains zeitgenössisch geprägt. Die Compagnie fasziniert durch ihre dynamische Kunst, ihre Grazie und technische Perfektion. In Zusammenarbeit mit ihrer Heimatstadt Biarritz und vom französischen Kultusministerium gefördert, wurde das CCN / Ballet Biarritz im Herbst 1998 unter der Leitung von Thierry Malandain gegründet. Seitdem entwickelten sich Zentrum und Compagnie zu einer der bedeutendsten kulturellen Institutionen der Region Aquitaine. Das Repertoire des Ensembles beinhaltet in erster Linie Choreographien von Thierry Malandain, der jedoch regelmäßig auch ausländische Choreografen einlädt. Die Compagnie wird BEETHOVEN 7 ab 2020 und 2021 in ihr Tourneeprogramm übernehmen. Auftritte in Biarritz, Madrid und weiteren Orten in Spanien, Frankreich und der Schweiz sind bereits verabredet.

Thierry Malandain, geb. 1959, ist einer der ganz großen choreografischen Erneuerer und Wegweiser der europäischen Bewegungskunst. Er begann seine Karriere als Tänzer an der Pariser Opéra und tanzte im Ballet du Rhin und im Ballet Théâtre Français de Nancy. Seine ersten erfolgreichen Erfahrungen als Choreograf sammelte er während seines sechsjährigen Aufenthaltes in Lothringen. 1984 gewann er den 1. Preis des Violine-Wettbewerbs mit QUATUOR op.3 nach Guillaume Lekeu. Die enge Beziehung zur Musik ist ein Wesenszeichen der Arbeiten Thierry Malandains. Seine Auswahl ist stets äußerst anspruchsvoll. Er schuf bislang über 80 Choreografien, die von Compagnien in der ganzen Welt aufgeführt werden. 2004 wurde Thierry Malandain für den Benois de la Danse im Bolschoi-Theater Moskau nominiert.

Magdalena Müllerperth, geb. 1992 in Pforzheim, ist eines der einnehmendsten Talente ihrer Generation. Mit ihrem facettenreichen Spiel überzeugte sie sowohl in großen Konzertsälen wie der Stuttgarter Liederhalle, dem Festspielhaus Baden-Baden und der Steinway Hall in New York als auch bei führenden Festivals wie dem Schleswig-Holstein Musikfestival, dem Festival Mecklenburg-Vorpommern, dem Moritzburg Festival Dresden, dem Menuhin Festival Gstaad, dem Kissinger Sommer, dem Nymphenburger Sommer München oder den Ludwigsburger Schlossfestspielen.

Magdalena Müllerperth ist Preisträgerin von mehr als 30 nationalen und internationalen Wettbewerben, unter anderem dem Kissinger Klavierolymp 2012, bei dem sie mit dem ersten Preis auch den Publikumspreis gewann, außerdem 2014 den ersten Preis bei den Nadja-Reisenberg-Awards New York.

Eine Produktion des CCN Malandain Ballet Biarritz. Koproduzenten: Chaillot Théâtre national de la Danse (Paris, Frankreich), Norddeutsche Konzertdirektion Melsine Grevesmühl GmbH (Bremerhaven, Deutschland), Theater Bonn (Bonn, Deutschland), Ballet T, Donostia Kultura – Victoria Eugenia Antzokia de Donostia San Sebastian (Pays Basque, Spanien). Partner: Teatro del Canal (Madrid, Spanien), Théâtre Olympia d’Arcachon (Arcachon, Frankreich), Théâtre de Gascogne – Scènes de Mont de Marsan (Mont de Marsan, Frankreich)

Gefördert durch BTHVN 2020 aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, des Landes Nordrhein-Westfalen, der Stadt Bonn und des Rhein-Sieg-Kreises.

www.malandainballet.com
www.magdalena.muellerperth.de

Besetzung

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