Tanz

Monatsspielplan

ASYLUM

Kibbutz Contemporary Dance Company [Israel]

Opernhaus

Choreografie, Bühne, Kostüme, Licht Rami Be'er
mit 16 Tänzerinnen und Tänzern

Die israelische Kibbutz Contemporary Dance Company macht regelmäßig im Bonner Opernhaus Station und begeistert mit „einem Höchstmaß an Disziplin, Tempo, Energie und Beweglichkeit“ (Bonner Rundschau). Mit ASYLUM, seiner neuesten Kreation, mischt sich der Künstlerische Leiter der Compagnie, Rami Be’er, in die Debatte um afrikanische Flüchtlinge und deren Abschiebung ein. Er thematisiert einige der weltweit brennenden Probleme: Flucht, Einwanderung und das Schicksal von Asylsuchenden. Die Choreografie ist eine Annäherung an das Thema aus einer existentiellen Perspektive, wobei Fragen aufgeworfen werden, die Konzepte im Zusammenhang mit Immigration untersuchen, wie Heimat, Identität, Zugehörigkeit, Fremdheit und Sehnsucht. Laut Be’er handelt es sich um Konzepte, die für jeden Menschen relevant sind. „Das Gefühl der Flüchtlingseigenschaft ist eine existenzielle Erfahrung und Teil unserer Suche nach Heimat und Identität."

Kibbutz Contemporary Dance Company (KCDC) und sein künstlerischer Leiter Rami Be’er sind im Kibbuz Ga’aton ganz im Norden Israels in den Bergen Galiläas nahe der libanesischen Grenze zu Hause. Gegründet wurde der Kibbuz Ga’aton 1948 von Überlebenden der Schoa, ungarischen und tschechischen Olim der kommunistischen Bewegung 1. Mai. Zu denen gehörten auch Rami Be’ers Eltern, vor allem aber eine Frau, die nicht nur diesem 1956 geborenen, offenbar sehr begabten Jungen, sondern auch vielen anderen vor und nach ihm das Tanzen beigebracht hat. Diese Frau wollte nichts als tanzen, obgleich körperlich von Auschwitz gezeichnet und deshalb lebenslänglich in ein Korsett gezwängt: Yehudit Arnon. Winzig klein, beherrschte sie auch größte Räume dank ihrer beeindruckenden Persönlichkeit. Sie war liebevoll im Umgang und den Menschen zugewandt, zugleich besaß sie jene wohldosierte Strenge, die Tänzerinnen und Tänzern die notwendige Disziplin als unerlässlich nahebringt.

Yehudit Arnon, 1926 in der Tschechoslowakei geboren, war den russischen Befreiern von Auschwitz entkommen und nach Budapest geflohen, wo sie dann Tanz unterrichtete. Dort lernte sie Yedidya Ahronfeld kennen und lieben. Das Paar heiratete, ging nach Israel und schuf sich in Ga’aton seine lebenslange Heimat. Yehudit tanzte und fand eine neue Lehrmeisterin in der gebürtigen Wienerin Gertrud Kraus, einer Ausdruckstänzerin. Diese war bereits 1935 ins damalige Palästina geflohen und bereiste als die bedeutendste Wegbereiterin des freien Tanzes in Israel auch verschiedene Kibbuzim.

Es dauerte allerdings bis 1973, bis Yehudit Arnon nach dem Jom-Kippur-Krieg ihr eigenes professionelles Ensemble gründete – die Kibbutz Contemporary Dance Company. Bereits in den späten 80er-Jahren hatten sich die Kibbuzniks einen beträchtlichen Ruf ertanzt und bereisten die Welt mit Arnons Choreografien und denen ihres Schülers Rami Be’er. Wie seine Lehrerin verfügt er über Charisma, organisatorisches Talent, Führungsqualitäten und Einfallsreichtum.

Seit 1996 leitet Rami Be’er KCDC und hat seinen Kibbuz zu einem Tanzdorf mit Trainingsräumen und eigenem Theater ausgebaut. Dort ist ein internationaler Tanzstudiengang beheimatet, finden Workshops statt und ist auch Nachwuchscompagnie, die KCDC 2 heißt, entstanden. Die Tanzcompagnien tragen als Non-Profit-Unternehmen zum Unterhalt des Kibbuz‘ bei, der sein Geld mit Fabriken für Wellpappe und medizinisches OP-Besteck sowie Avocado-Plantagen verdient. 400 Schüler werden hier täglich im Tanz unterrichtet. Die Hauptcompagnie tourt nach wie vor 2/3 des Jahres um die Welt. Die Tänzerinnen und Tänzer verkörpern allesamt die Qualitäten, die von der israelischen Tanzszene erwartet werden: geballte Energie und Temperament, getoppt von atemberaubendem artistischen Können.

Rami Be'er, der künstlerische Leiter der Kibbutz Contemporary Dance Company, wurde in einer Musikerfamilie im Kibbuz Ga'aton, Israel, geboren. Im frühen Alter begann er Cello zu spielen, später nahm er Tanzunterricht bei Yehudit Arnon. 1980 kam Rami Be'er als Tänzer und Choreograph zur KCDC und übernahm 1996 die künstlerische Leitung. Seitdem zeichnete er sowohl die Compagnie als auch sich selbst mit einer beeindruckenden Liste von Werken aus, sowie mit einigen schönen und sehr beliebten Kinderchoreografien. Einige seiner Kreationen wurden über die Grenzen Israels hinaus gefeiert, und Rami Be’er erhielt zahlreiche Preise sowohl in Israel als auch im Ausland. Er erhielt Aufträge weltweit: für Graz Opera Ballet, Batsheva Dance Company, Hungarian National Ballet, New Danish Dance Theatre, Staatsballett Berlin, Croatian National Ballet Theatre, Reykjavik National Ballet, Tanzcompagnie Oldenburg, Ballett Basel, Poznan Opera House Ballet und National Theatre Ballet Brno. Rami Be'er sieht seine Arbeiten als Gesamtwerk und „Einheit“ an, zusammengesetzt aus verschiedenen Elementen. Aus diesem Grund entwirft er parallel zur Choreografie auch Bühnenbilder sowie Lichtdesign für seine Werke selbst.

www.kcdc.co.il/en

Besetzung

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