Tanz

Monatsspielplan

6. SONATE / HERMAN SCHMERMAN / ULENSPIEGELTÄNZE

Ballett am Rhein Düsseldorf Duisburg

Opernhaus

Choreografien Martin Schläpfer, William Forsythe
Musik Sergej Prokofjew (Klaviersonate Nr. 6 A-Dur op. 82) / Thom Willems / Sergej Prokofjew (Sinfonie Nr. 7 cis-Moll op. 131)
40 Tänzerinnen und Tänzer

Seit 2009 hat Martin Schläpfer das Ballett am Rhein Düsseldorf zu einer der aufregendsten und vielseitigsten Tanzcompagnien Deutschlands geformt, die auch auf internationalen Gastspielen ihr Publikum immer wieder begeistert. 2020 wechselt der Schweizer als neuer Chef des Wiener Staatsballetts nun an die Donau – Grund genug, das Ballett am Rhein, das schon mehrfach bei den HIGHLIGHTS DES INTERNATIONALEN TANZES zu erleben war, nochmals ins Bonner Opernhaus einzuladen. Auf dem Programm stehen Martin Schläpfers neueste Werke ULENSPIEGELTÄNZE und 6. SONATE zu Musik von Sergej Prokofjew sowie William Forsythes HERMAN SCHMERMAN

„Es ist eine Musik wie ich sie noch nie vertanzt habe“, bekannte Martin Schläpfer über seine Wahl von Prokofjews 7. Sinfonie für seine 2019 uraufgeführten ULENSPIEGELTÄNZE. Fasziniert vom Untergründigen, aber auch den tänzerischen Rhythmen dieser Musik schuf er ein Ballett, in dem sich die uralte Figur des Tyll herumtreibt: „ein Schalk, der hinschaut und spottet, einer, der all die Farcen und Fakes in unserer Welt erkennt.“ Mit der 6. SONATE, die im Mai 2020 in Düsseldorf zur Uraufführung kommt, ist dagegen Schläpfers neueste Arbeit zu sehen. „Prokofjews 6. Klaviersonate kann alles sein: Musik für reinen Tanz oder für ein Tanztheater“, bekennt der Choreograf. „Ich habe für meine letzte Kreation für das Ballett am Rhein bewusst eine Komposition gewählt, die nichts abschließt, sondern einfach erneut ein Ballett entstehen lässt, eines, das eine Brücke nach Wien schlägt, wo ich – wie in Düsseldorf und Duisburg – am gleichen weiterbauen werde: der so großartigen Ballettkunst.“

Zwischen diesen beiden Werken steht HERMAN SCHMERMAN auf dem Programm – eine Choreografie, die William Forsythe 1992 für das New York City Ballet zu einer elektronischen Klanglandschaft von Thom Willems kreierte. Den lautmalerischen Titel entnahm er einem Wortspiel aus dem Film Tote tragen keine Karos und erläutert: „Ich denke, es ist ein schöner Titel, der nichts bedeutet. Das Ballett bedeutet auch nichts. Es ist ein Stück über das Tanzen, das viel Spaß machen wird.“ Und in der Tat ist es ein staunenerregender Spaß, wie Forsythe auf ebenso virtuose wie spielerische Weise in einem Pas de cinq und einem Pas de deux die Tänzerinnen und Tänzer in Kostümen von Gianni Versace aufeinandertreffen lässt.

www.ballettamrhein.de

Die Choreografen:

Der Schweizer Martin Schläpfer zählt zu den innovativsten und erfolgreichsten Choreografen und Ballettdirektoren unserer Zeit. Seinen Stil hat er in seinem inzwischen über 70 Werke umfassenden Schaffen immer mehr zu einer ebenso individuellen wie zeitgemäßen Ballettkunst verdichtet. Nach Stationen als Ballettdirektor in Bern und Mainz übernahm er 2009 das Ballett am Rhein Düsseldorf Duisburg, formierte es neu und leitet es seit 2016 zusammen mit Remus Şucheană. Kaum ein anderes deutsches Ensemble verbindet in vergleichbarer Weise ein breites historisches Repertoire mit Uraufführungen, die sich als „Ballettkunst für das 21. Jahrhundert“ verstehen. Die Fachzeitschrift tanz kürte das Ballett am Rhein gleich viermal hintereinander zwischen 2013 und 2017 zur „Besten Kompanie“ sowie Martin Schläpfer 2010 zum „Choreografen des Jahres“. Bereits 1977 hatte dieser beim Prix de Lausanne den Preis in der Kategorie „Bester Schweizer Tänzer“ gewonnen. Für den Choreografen und Ballettdirektor Schläpfer folgten seither zahlreiche Auszeichnungen, darunter der Kunstpreis des Landes Rheinland-Pfalz (2002), der Tanzpreis der Spoerli Foundation (2003), der Prix Benois de la Danse (2006) sowie 2009 und 2012 der deutsche Theaterpreis Der Faust. 2013 wurde ihm der Schweizer Tanzpreis und 2014 der Taglioni – European Ballet Award in der Kategorie „Best Director“ verliehen. Sein abendfüllendes Ballett DEEP FIELD auf eine Auftragskomposition von Adriana Hölszky war für den Prix Benois de la Danse 2015 nominiert. Im gleichen Jahr erhielt er den Musikpreis der Stadt Duisburg. 2018 wurde er mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet und von der Deutschen Bühne zum „Choreografen des Jahres“ gekürt. Seit 2017 ist Martin Schläpfer außerdem Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und Künste. Mehrere seiner Werke wurden für europäische Fernsehanstalten aufgezeichnet. In der Regie von Annette von Wangenheim entstand das Filmporträt Feuer bewahren, nicht Aschen anbeten, das auch im Kino zu sehen war und – ebenso wie Martin Schläpfers SCHWANENSEE in der Fernsehregie von Peter Schönhofer für arte / WDR / 3sat – auf DVD vorliegt.

William Forsythe wuchs in New York auf und begann seine Ausbildung in Florida. Er tanzte im Joffrey Ballet und Stuttgarter Ballett, dessen Hauschoreograf er 1976 wurde. In den folgenden Jahren schuf er eigene Choreografien für das Stuttgarter Ensemble und die Compagnien in München, Den Haag, London, Basel, Berlin, Frankfurt, Paris, New York und San Francisco. Ab 1984 leitete er als künstlerischer Direktor und später Intendant das Ballett Frankfurt, mit dem er einige der herausragendsten Werke zeitgenössischen Tanzes kreierte. Nach der Auflösung des Balletts Frankfurt 2004 gründete er die in Dresden und Frankfurt beheimatete The Forsythe Company, die er bis 2015 leitete. Viele seiner Arbeiten nehmen einen zentralen Platz im Repertoire großer Ensembles ein, darunter das Mariinsky-Ballett, New York City und San Francisco Ballet, National Ballet of Canada, Royal Ballet London oder Ballet de l’Opéra de Paris. Unter den Auszeichnungen, die Forsythe und sein Ensemble erhielten, sind der Tanz- und Performance Bessie Award (1988, 1998, 2004, 2007) sowie der Laurence Olivier Award (1992, 1999, 2009). 1999 wurde Forsythe zum Chevalier des Arts et Lettres ernannt. Darüber hinaus wurden ihm das Bundesverdienstkreuz, der Wexner Prize, Goldene Löwe, Samuel H Scripps/American Dance Festival Award for Lifetime Achievement und der Grand Prix de la SACD verliehen. Für Daniel Libeskind entwickelte er Architektur- und Performance-Installationen in Deutschland, London, New York und Paris. Seine Performance-, Installations- und Film-Arbeiten wurden u.a. auf der Whitney-Biennale in New York, Biennale di Venezia, Biennale of Sydney, im Pariser Louvre, auf der 21_21 Design Sight Tokio, von der Pinakothek der Moderne München, dem Wexner Center for the Arts Columbus, dem Museum für Moderne Kunst Frankfurt und der Hayward Gallery London gezeigt. In Zusammenarbeit mit Medien-Spezialisten und Pädagogen entwickelt Forsythe innovative Ansätze der Tanz-Dokumentation, -Forschung und -Lehre und kreierte mit der „Motion Bank“ eine Plattform zur Erstellung und Erforschung digitaler Tanzpartituren. Forsythe wird regelmäßig von Universitäten und kulturellen Einrichtungen zu Vorträgen und Workshops eingeladen. 2002 war er ein Gründungs-Mentor der Rolex Mentor and Protégé Arts Initiative. Er ist Ehrenmitglied des Laban Centre for Movement and Dance in London, Ehrendoktor der Juilliard School New York sowie Professor und Künstlerischer Berater des Choreographic Instituts der University of Southern California Glorya Kaufman School of Dance.

Besetzung

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