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TRISTAN UND ISOLDE – GRÜSS MIR DIE WELT!

BALLET DU GRAND THÉÂTRE DE GENÈVE (Schweiz)

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31 Okt 18:00 H
01 Nov 18:00 H
Opernhaus

BALLET DU GRAND THÉÂTRE DE GENÈVE [Schweiz]
TRISTAN UND ISOLDE – GRÜSS MIR DIE WELT!
Choreografie Joëlle Bouvier
Choreografische Assistenz Rafael Pardillo und Emilio Urbina
Bühne Emilie Roy | Kostüme Sophie Hampe | Licht Renaud Lagier
Musik Richard Wagner
Künstlerische Leitung Philippe Cohen / Generaldirektor Tobias Richter
22 Tänzerinnen und Tänzer
mit Unterstützung von „Pro Helvetia“

 

Mit einer der leidenschaftlichsten und tragischsten Liebesgeschichten kommt das BALLET DU GRAND THÉÂTRE DE GENÈVE nach dem glanzvollen, barocken Doppelabend LUX/GLORY (2014) zurück auf die Bonner Opernbühne: TRISTAN UND ISOLDE, zu ausgewählter Musik von Richard Wagner. Die Choreografie ist von Joëlle Bouvier, die mit ihren Werken die Tanzszene nachhaltig geprägt und schon mehrfach Choreografien für das Genfer Ballett geschaffen hat. Und auch ihre Auffassung dieser von extremen Leidenschaften durchdrungenen, romantischen Geschichte ist von Presse und Publikum begeistert aufgenommen worden und als beste Choreografie im französischen Raum des Jahres 2016 ausgezeichnet worden.

Richard Wagners Musik gilt als nicht tanzbar. Dennoch hat die französische Tänzerin und Choreografin Joëlle Bouvier eine geniale Choreografie auf Wagners Tristan und Isolde und somit ein kleines tänzerisches Juwel geschaffen. Joëlle Bouviers Arbeit begeistert nicht nur Wagner-Fans.

In dem Musikdrama in drei Akten tritt Tristan, ausgebildet in der Kunst des Kriegers, in den Dienst von König Marke von Cornwall. Im Kampf tötet er den Fürsten Morold, den Mörder seines Vaters, und wird dabei von dessen giftigem Schwert verletzt. Morolds Tochter Isolde soll den König heiraten, entbrennt aber in Liebe zu Tristan, nachdem beide von einem vermeintlichen Sühnetrank gekostet haben, der in Wahrheit ein Liebestrank war. Im Vordergrund stehen Isoldes Worte „Salue pour moi le monde“ (Grüß mir die Welt!). Mit packender Intensität und Ausdrucksstärke gehen die 22 Tänzerinnen und Tänzer in dieser Geschichte auf, ohne dabei die tänzerische Leichtigkeit aufs Spiel zu setzen.

Die Kulisse ist ein variables, drehbares Gerüst mit Wendeltreppe. Das Licht ist meist gedämpft und hebt nur einzelne Figuren oder Gesichter hervor, teilweise in rhythmischer Abfolge, als wäre es ein Teil der Choreografie. Das beschwört Spannung und eine geheimnisvolle Atmosphäre herauf. Zwischendurch blendet Bouvier im Hintergrund einige Male Tristan ein mit wehendem roten Gewand, wie er verletzt im Boot übers Meer treibt. Er will zu Isolde, nur die kann ihn heilen, was ihr auch gelingt. Als Isolde erfährt, dass Tristan ihren Vater getötet hat, schlägt ihre Liebe in Hass um.

Madeline Wong als Isolde wirkt wie eine Rachegöttin, wenn sie ihr Schwert auf den am Boden liegenden Tristan richtet. Sie ist eine starke Isolde im Wechselbad der Gefühle, die alle tänzerischen Finessen beherrscht. Geoffrey Van Dyck, ein begnadeter, facettenreicher Ausdruckstänzer, ist Tristan. Nach dem Kampf mit einem Drachen schwerverwundet liegt er hingegossen auf einer Trage, die wie ein am Kreuz hängender Jesus anmutet. Auch Isolde neben dem am Boden liegenden Tristan sitzend, wirkt wie ein religiöses Motiv: Mutter Maria neben dem vom Kreuz heruntergenommenen Jesus. Die Intensität des Tanzes entspringt der vielfach ausgekosteten, wie Zeitlupe anmutenden Langsamkeit, die eine große erzählerische Kraft freisetzt, gespickt mit effektvollen, detailreichen Gesten und Bewegungen. Selbst die Finger „erzählen“ noch. Körper werden zur Projektionsfläche von Emotionen, Leidenschaft, Romantik, Intrige und Tod. Die Tänzer als Gruppe bestechen durch hohe Präzision und Perfektion. Poesie und Anmut stehen in krassem Gegensatz zu den dramatischen Szenen. Bildstarke Wirkung erreicht Bouvier, mit einem kräftigen roten Kleid oder himmelblau wallenden Tüchern – als Sinnbild für das Meer – zwischen dunkel gehaltenen Kostümen.

In der Choreografie steckt eine Fülle kreativer Ideen, zum Beispiel: Isolde schlingt sich ein von der Decke hängendes Seil um die Taille und dreht sich, über dem Boden schwebend, im Kreis über die Köpfe derer, die sich streiten und kämpfen, so als wäre sie der Welt enthoben. Das Laufen auf dem Seil am Boden mag vielleicht als Gratwanderung zwischen Leben und Tod gelten. Tristan kommt hinzu und schlingt sich das andere Seilende um die Hüften, vielleicht als Zeichen der untrennbaren Verbundenheit.

Wagners hochdramatische Musik unterstreicht die Szenen gewaltig und treibt diese in aufwühlender Weise auf die Spitze. Das charismatische Ensemble sticht wie ein leuchtendes Relief hervor. „Grüß mit die Welt“, so nimmt Isolde Abschied von Brangäne und wartet auf Tristan um den Trank der Versöhnung zu trinken, den Liebestrank. Mit Isoldes Verklärung, die „in des Welt-Atems wehendem All“ versinkt, löst das Genfer Ballett mit ihrer atemberaubenden Tanzsprache garantiert auch in der Bonner Oper tosenden Beifall aus.

Seit 1962 verfügt das GRAND THÉÂTRE DE GENÈVE über ein eigenes Ballettensemble, das von Beginn an die stilistische Vielfalt des Tanzes im 20. Jahrhundert erkundet und sich zu eigen gemacht hat. Diese Offenheit ermöglichte die Zusammenarbeit mit berühmten Choreografen wie George Balanchine, Mikhail Baryshnikov, Rudolf Nurejew, Jirí Kylián, Ohad Naharin, William Forsythe oder Lucinda Childs. Die zahlreichen Umschreibungen von Repertoire-Stücken von einigen der aufregendsten und bahnbrechenden Choreografen sind Teil dieses Prestiges. Bestehend aus 22 klassisch ausgebildeten Tänzern ist die Compagnie heute international eines der führenden Tanz-Ensembles. Ihre Besonderheit liegt in der von Ballettdirektor Philippe Cohen gebotenen Auswahl an Tänzern und in seiner hochkarätigen künstlerischen Vision, die die Compagnie und die Gastchoreografen in einer klar definierten Richtung führt. Das Ensemble folgt neben seinen Verpflichtungen vor Ort regelmäßig auch Einladungen innerhalb und außerhalb Europas und beschert seinem Publikum weltweit magische Momente von hoher Intensität und mitreißendem Elan. Heute werden die 22 Tänzerinnen und Tänzer von Philippe Cohen unter Generaldirektor Tobias Richter geleitet.

Tobias Richter ist Opernregisseur, war persönlicher Assistent von Götz Friedrich, Spielleiter an der Bayerischen Staatsoper, Oberspielleiter in Kassel, von 1984 bis 1992 Generalintendant am Theater Bremen, von 1996 bis 2010 Generalintendant der Deutschen Oper am Rhein, seit 2009 leitet er die Genfer Oper. 2019 tritt er als Intendant in den Ruhestand. Sicher wird er wie bisher im In- und Ausland weiter inszenieren.

Philippe Cohen ist 1953 in Marokko geboren. 1971 begann er seine Tanzausbildung im Le Centre de Danse International Rosella Hightower und setzte sein Studium bis 1974 fort. Die politische Offenheit dieser Schule ermöglichte ihm die Arbeit mit verschiedenen Persönlichkeiten wie Anton Dolin, Nora Kiss, Tatiana Grantzeva, Igor Youskevitch, Sonia Arova, John Gilpin. Er trat bei Le Ballet de Nancy unter der Leitung von Gigi Caciuleanu bei und tanzte in allen Kreationen der Compagnie, darunter mehreren von Dominique Bagouet. 1978 begleitete er Bagouet als Künstler, Professor und Assistent, vor allem in der Produktion von Les Voyageurs von «L`Opéra de Paris». Parallel dazu erforschte er verschiedene zeitgenössische Tanztechniken wie Peter Goss, Susan Buirge und Alwin Nikolais. Engagements bei Merce Cunningham und der School of American Ballet folgten. Philippe Cohen wurde 1990 Direktor für choreografische Studien für Le Conservatoire National Supérieur de Musique et de Danse de Lyon. Er entwickelte einen internationalen politischen Austausch mit Vietnam, Kambodscha, China, Süd-Korea, Honk Kong, Thailand, Weißrussland, Deutschland, England, Georgien und Kanada. Seit 2003 leitet er überaus erfolgreich das BALLET DU GRAND THÉÂTRE DE GENÈVE.

Joëlle Bouvier stammt aus Neuchâtel und lebt und arbeitet seit vielen Jahren in Frankreich. Die Tänzerin und Choreografin leitete das Centre Choréographique National du Havre von 1986 bis 1992 und das Centre National de Danse Contemporaine (CNDC) d’Angers von 1993 bis 1998. Ihre Arbeiten wurden mehrfach ausgezeichnet, TRISTAN ET ISOLDE – SALUE POUR MOI LE MONDE! als beste Choroegrafie des Jahres 2016 im französischen Raum.

Besetzung

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