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MAX MOOR & DIE KUNST DER GLEICHBERECHTIGUNG

18 Okt 19:00 H
Bundeskunsthalle

Im Mai 1957, vor 60 Jahren also, wird die Gleichberechtigung erstmals in Bundesrecht umgesetzt. Wenn das nicht ein Grund zu feiern ist! 60 Jahre Gleichstellung zwischen Mann und Frau, 60 Jahre Augenhöhe, 60 Jahre Selbstbestimmung. Oder vielleicht doch nicht?
Dass der Weg von der Theorie in die Praxis ein steiniger ist, steht außer Frage. Doch wie es heute um die reelle Situation in unserer Gesellschaft steht, daran scheiden sich die Geister. Einerseits suggerieren Frauen an der Spitze von Konzernen und Staaten neben den „neuen“ Familienvätern, die Elternzeit nehmen und Breirezepte auf dem Spielplatz austauschen, die Auflösung tradierter Rollenbilder. Auf der anderen Seite stehen ungleiche Gehaltszahlungen und ein fragwürdiges Frauenbild, das in den Medien von Casting-Formaten wie „Germany‘s Next Topmodel“ befördert wird. Diese Faktenlage lässt auf einen immer noch tief in unserer Gesellschaft verwurzelten Sexismus schließen, für dessen breite Akzeptanz auch ein „Grab them by the pussy“-Präsident steht.
Und doch erscheint diese Schräglage nicht als reines Problem männlichen Dominanzverhaltens. Selbst emanzipierte junge Frauen möchten sich häufig nicht als Feministinnen bezeichnen. Dem Feminismus eilt der Ruf des spaßbefreiten, verbitterten Gestus voraus. Dabei fühlen sich junge Frauen heute so selbstbestimmt und frei wie nie zuvor, meistern scheinbar mühelos den Drahtseilakt zwischen Schmink-Tutorials und Hochschulkarriere, zwischen Körperkult und freier Sexualität. Ist das nun ein Verrat an den Idealen der feministischen Vorreiterinnen? Oder ist die Möglichkeit, den eigenen Lebensentwurf fern eines festgelegten Rollenklischees – ob traditionell oder in kämpferischer Pose – zu denken, der eigentliche feministische Ansatz?



Die siebte Folge von Max Moor & die Kunst gehört ganz den Frauen: Wie sehen sie ihre Rolle in der Gesellschaft? Befinden wir uns in einem natürlichen Prozess, der die tatsächliche Augenhöhe zwischen Mann und Frau zum Ziel hat und dessen Ende nur noch nicht erreicht ist oder haben wir uns einlullen lassen von Erfolgen der Vergangenheit, die uns unmerklich und stetig zu Gefangenen des gesellschaftlichen Machtgefüges machen?

Besetzung

Max Moor - Moderation

 

Berit Völzmann (Mitglied bei Pinkstinks)
Berit Völzmann ist promovierte Juristin. Sie forscht und lehrt zu Rechtsthemen mit Gender-Bezug, insbesondere in den Medien. Völzmann erstellte im Rahmen ihrer Dissertation die Gesetzesnorm gegen sexistische Werbung (§ 7aUWG), für die sie 2015 Deutschen Juristinnenpreis erhielt und die die Organisation Pinkstinks umzusetzen fordert. Zusammen mit ihrer Partnerin lebt Berit Völzmann in der Nähe von Köln.

Pinkstinks ist eine junge Protestorganisation, die gegen Produkte, Werbe- und Medieninhalte agiert, die Kindern eine limitierende Geschlechterrolle zuweisen. Aktuell ist Pinkstinks in regelmäßigen Gesprächen mit Politiker*innen und Verbänden, um für das Problem zu sensibilisieren und Unterstützung zu generieren. Im Januar 2016 hat der SPD-Bundesvorstand ein Verbot sexistischer Werbung auf die Agenda gesetzt. Im September 2016 verkündete die SPD-Fraktion ihr Vorhaben, den Werberat für zwei Jahre unter Beobachtung zu stellen, bei Nicht-Besserung das Gesetz zu implementieren.

 

Bascha Mika
Bascha Mika ist Publizistin und Journalistin, seit 1988 bei der taz tätig, von 1999 bis 2009 als Chefredakteurin des Blattes. Seit 2007 ist sie Honorarprofessorin an der Universität der Künste Berlin und bis März 2014 Leiterin des Studiengangs Kulturjournalismus. Seit April 2014 ist Bascha Mika Chefredakteurin in der Frankfurter Rundschau. Mikas 1998 erschienene Biografie über Alice Schwarzer löste eine öffentliche Kontroverse aus, da darin ein ambivalentes Psychogramm Schwarzers gezeichnet wird. Während deren Verdienste um die Frauenbewegung ausdrücklich und mit Bewunderung gewürdigt werden, zeugen laut Mika einige andere Positionen Schwarzers von „Verachtung von Frauen“ und „Abwehr gegen das eigene Geschlecht“ und seien somit frauenfeindlich. Ihr Buch „Die Feigheit der Frauen“ löste ähnlich kontroverse Debatten aus, ein Spiegel-Redakteur bezeichnete Bascha Mika einst als „Macho im Rock“.

 

Svenja Gräfen
Svenja Gräfen, geboren 1990, ist freie Autorin und lebt in Berlin. Im April 2017 erschien ihr Debütroman „Das Rauschen in unseren Köpfen“. Seit 2010 ist sie bei zahlreichen Poetry Slams in Deutschland, Dänemark, Österreich und der Schweiz aufgetreten und erreichte 2011 den vierten Platz im Finale der Deutschsprachigen Meisterschaften. Seit 2012 leitet sie Workshops für Kreatives Schreiben und Bühnenperformance. Sie studierte Kultur- und Medienbildung mit den Schwerpunkten Theater, Literatur, Film und Digitale Medien und arbeitet unter anderem als Social Media-Redakteurin. Gemeinsam mit Pauline Füg betreibt sie das Literaturblog-Projekt inanbetracht. Als Kolumnistin schreibt sie für das Gemeinschaftsblog kleinerdrei. Seit November 2016 ist sie die Chefredakteurin des Blogs SLAM ALPHAS. 2014 war sie Drehbuchautorin, Regisseurin und Produzentin des Kurzfilms „Donnerstag“. Sie mag Feminismus, das Internet und Kommasetzung. Twitter und Instagram mag sie auch. Man findet sie außerdem bei speakerinnen.org. (von der Website svenjagraefen.de)

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