Spielplan

Gesamt

NIJINSKI

GAUTHIER DANCE // DANCE COMPANY THEATERHAUS STUTTGART [Deutschland]

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02 Jul 19:30 H
Opernhaus

Künstlerische Leitung Eric Gauthier | Choreografie Marco Goecke
Musik: Frédéric Chopin, Alexander Glazunow, russische Volksmusik und russischer Punk u.a.
Mit 14 Tänzerinnen und Tänzern

Das neue abendfüllende Ballett von Marco Goecke erzählt von dem Tänzer und Choreografen Waslaw Nijinski. Das Stück berührt Stationen aus seinem Leben, handelt von den Brettern, die die Welt bedeuten und davon, wie nah Kunst und Wahnsinn beieinander liegen können.

Nijinski war einer der außergewöhnlichsten Künstler des vorigen Jahrhunderts. Als Tänzer verkörperte er Rollen, die Tanzgeschichte schrieben. Seine Partien bei den Ballets Russes unter Sergej Diaghilew, allen voran der Clown in Igor Strawinskis Petruschka, der Geist der Rose in Le Spectre de la rose und der goldene Sklave in Scheherazade, gingen in das kollektive Gedächtnis der Tanzwelt ein. Dennoch sind es vor allem seine Choreographien, mit denen er künstlerisches Neuland betrat und Maßstäbe setzte. Der Eklat, den Nijinskis Le Sacre du printemps bei dem Pariser Publikum 1913 auslöste, gilt als einer der größten Skandale der gesamten Theatergeschichte. Kaum weniger Anstoß erregte die unverhüllte Erotik in seinem Ballett L'Après-midi d'un faune nach Claude Débussy.

Verwoben mit der Karriere ist sein Weg in den Wahnsinn. Er kämpfte gegen Schizophrenie an und musste sich zunehmend aus dem öffentlichen Leben zurückziehen. Nijinski erlebte beide Weltkriege und war als Patient einer Nervenheilanstalt der Bedrohung durch das nationalsozialistische Euthanasieprogramm ausgesetzt, dem er – gemeinsam mit seiner Frau Romola – nur mit knapper Not entkam. Goeckes Ballett begleitet Nijinski durch die Etappen seines Lebens, zeigt Schlüsselszenen aus seiner Jugend, den Jahren des Triumphs und dem unaufhaltsamen Verfall. Dennoch geht das Stück weit über eine rein biographische Beschäftigung hinaus und zielt auf grundlegende Fragen. Im Mittelpunkt steht der Zauber und der Wert der Kunst – aber auch der Preis, den sie allen künstlerisch Kreativen unnachgiebig abverlangt. Mit im Team sind Partner, mit denen Marco Goecke eine lange Zusammenarbeit verbindet: die Bühnen- und Kostümbildnerin Michaela Springer, der Lichtdesigner Udo Haberland und die Dramaturgin Esther Dreesen-Schaback. 

Marco Goecke
Marco Goecke, Hauschoreograph beim Stuttgarter Ballett und Associate Choreographer beim Nederlands Dans Theater in Den Haag, hat sich in den letzten Jahren zu einem weltweit gefragten Choreographen entwickelt – geschätzt für seine prägnante, avantgardistische Tanzsprache und den Mut, ästhetische Grenzen zu sprengen. Goecke gewann 2003 den Prix Dom Pérignon, 2005 den Kulturpreis des Landes Baden-Württemberg und 2006 den Nijinsky-Preis für aufstrebende Choreographen. Sein Nussknacker-Ballett wurde 2007 für den FAUST-Preis nominiert. In der aktuellen Kritikerumfrage der Fachzeitschrift tanz wurde er zum Choreographen des Jahres 2015 gekürt. In den letzten zehn Jahren hat Marco Goecke über 30 Stücke choreographiert, darunter die beiden abendfüllenden Ballette Nussknacker und Orlando für das Stuttgarter Ballett. Unter anderem kreierte er Uraufführungen für John Neumeiers Hamburg Ballett, für Les Ballets de Monte Carlo, für das Nederlands Dans Theater, das Norwegische Nationalballett, das Leipziger Ballett und für die São Paulo Dance Company. Außerdem werden viele seiner Werke weltweit von anderen Companies einstudiert, beispielsweise vom Ballett des Gärtnerplatztheaters München oder bei Les Grands Ballets Canadiens de Montréal.

 

Presseausschnitte 

Meisterhaft beherrscht der 44-jährige Choreograf das Wechselspiel von Bewegungsfülle und Leere, von Tempo und Verlangsamung.
Ulla Hanselmann, Stuttgarter Zeitung 20.6.2016

Kein Kulissenzauber, kein Requisitenreigen, kein Kostümfest – Reduktion statt Staatstheater-Opulenz.
Andrea Kachelriess, Stuttgarter Nachrichten 20.6.2016

Doch bei ‚Nijinski’ achtet Marco Goecke mehr auf harmonischen Bewegungsfluss als sonst, fügt immer wieder akademische Ballettposen ein. Dank der beredten Hände und Arme erweist sich sein Tanzidiom mehr denn je als kluges erzählerisches Mittel und schafft dabei enormes, nämlich eine Verschmelzung mit dem damals revolutionären Stil Nijinskis als Tänzer und Choreograf. Und dies mit dem subjektiv-distanzierten, sehr heutigen Blick – voller Verehrung. Frenetischer Jubel.
Eva-Elisabeth Fischer, Süddeutsche Zeitung 20.6.2016

Goeckes Nijinski-Choreographie lotet die unterschiedlichsten Aspekte des Tanzes im engeren Sinn und der künstlerischen Kreativität im Allgemeinen aus. Er hat in den rund fünfzehn Jahren als Choreograph viele Preziosen für das Tanztheater kreiert, mit „Nijinski“ hat er ein in jeder Hinsicht großes Meisterwerk geschaffen.
Kulturblog Rainer Zerbst 20.6.2016

Trotz aller Geschwindigkeit muss der Gesten-Taumel dieses Choreografen klare, messerscharfe Kanten haben. Das insgesamt 16-köpfige Gauthier Dance zeigt sich dem aufs Beste gewachsen. In seiner neunten Saison wird das Ensemble zuletzt gefeiert wie ein Popstar. Und für Marco Goecke fliegen Blumen auf die Bühne.
Sylvia Staude, Frankfurter Rundschau 20.6.2016

Alles, was Marco Goeckes Tanzsprache so faszinierend macht, ist in diesem Stück enthalten, die 16-köpfige Compagnie tanzt die komplexen Schritt- und Bewegungsfolgen bravourös, und dem Choreografen gelingt es, mit minimalsten szenischen Mitteln ein spannendes Portrait des genialen, tragikumwitterten russischen Tänzers zu entwickeln.
Dietholf Zerweck, Ludwigsburger Kreiszeitung 20.6.2016

Lang andauernder Beifall, ein Arm voll weißer, langstieliger Rosen für Goecke und ein intensiver Gedankenaustausch im Foyer beendeten diesen außergewöhnlichen Abend.
Katharina von Glasenapp, Schwäbische Zeitung 20.6.2016

Nijinsky war ein Ausnahmetalent – ein hoher Anspruch an Rosario Guerra in der Titelrolle. Marco Goecke gibt ihm Gelegenheit, zu glänzen, und noch mehr Gelegenheiten, sich spektakulär innerlich zu zerreißen.
Isabelle von Neumann-Cosel, Tanznetz 20.6.2016

Nijinski, den exzentrischen Bruder im Geiste, hat sich Marco Goecke zum Thema seines dritten Handlungsballetts erwählt, das Gauthier Dance an die vorderste Front des modernen Ballets katapultiert.
Angela Reinhardt, Esslinger Zeitung 20.6.2016

Um es gleich zu sagen: So präsent, ja perfekt hat man die hier 16- köpfige Gauthier-Truppe noch nie gesehen. Ein Triumph, dem man den Kraftakt eines solchen Unternehmens im relativ überschaubar ausgestatteten Theaterhaus kaum anmerkt. Entsprechend groß war hinterher der verdiente Jubel.
Wilhelm Triebold, Südwestpresse 20.6.2016

Das 90-minütige Werk ist dem Gauthier-Dance-Ensemble auf den Leib geschneidert. Bei der Uraufführung im Theaterhaus Stuttgart - wie bei der zweiten Vorstellung am Samstag - feiert das Publikum den Stuttgarter "Nijinsky", der vor allem durch technische Perfektion brilliert.
Leonore Welzin, Mannheimer Morgen 20.6.2016

Begeisterter Applaus des Premierenpublikums für eine in der Tat charakteristische und hochemotionale Künstlerbiographie.
Bettina Weber, Die Deutsche Bühne

Besetzung

GAUTHIER DANCE // DANCE COMPANY THEATERHAUS STUTTGART [Deutschland]

[theaterhaus.com]

Aufführungsdauer: 1h, 30min [keine Pause]

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