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CHRONICLE / DARK MEADOW SUITE / MOSAIC

Deutschland-Premieren! MARTHA GRAHAM DANCE COMPANY (NY, USA)

Opernhaus

Deutschland-Premieren
MARTHA GRAHAM DANCE COMPANY (NY, USA)
CHRONICLE / DARK MEADOW SUITE / MOSAIC
Choreografien von Martha Graham und Sidi Larbi Cherkaoui
Musik von Wallingford Riegger, Carlos Chávez Ramírez, Felix Burton (Arrangement) u.a.
16 Tänzerinnen und Tänzer

„Ich möchte nicht verstanden, sondern gefühlt werden", brachte Martha Graham, die 1991 verstorbene Ikone des zeitgenössischen Tanzes, ihren künstlerischen Anspruch auf den Punkt. Mit ihrer 1926 gegründeten Compagnie hatte sie in radikaler Abkehr vom damals gängigen Tanzverständnis eine ganz eigene Tanzsprache entwickelt, die zum Ursprung des Modern Dance wurde. Sie gilt als eine der führenden Künstlergrößen des 20. Jahrhunderts und wird in einem Zug mit Genies wie Pablo Picasso, Igor Strawinsky

oder James Joyce genannt. Künstlern wie Merce Cunningham, Paul Taylor oder Twyla Tharp wurden ihre Arbeiten zum Ausgangspunkt ihres eigenen kreativen Schaffens. Zahlreiche Weltstars wie Rudolf Nurejew, Margot Fonteyn und Michail Baryschnikow, die bei der ruhmreichen Compagnie gastierten, bedachte Martha Graham mit eigens für diese Tänzerpersönlichkeiten geschaffenen Choreografien. Des Weiteren arbeitete sie mit Musikern und Schauspielern zusammen darunter Bette Davis, Kirk Douglas, Madonna, Liza Minelli, Gregory Peck, Tony Randall, Eli Wallach, Anne Jackson und Joanne Woodward. Sie brachte ihnen bei, ihren Körper als ausdrucksstarkes Instrument zu nutzen.

„Bewegungen lügen nicht“, war Martha Graham überzeugt, „und sie offenbaren jedem, der sie zu lesen versteht, den Zustand der Seele.“ Und so erscheint das Werk dieser „Tänzerin des Jahrhunderts“ (TIME Magazine) von zeitloser Gültigkeit, weil sich die außergewöhnliche körperliche Intensität ihrer Choreografien aus der seltenen Kraft des Wahrhaftigen speist, wenn Geschichten von Liebe, Verlangen und Erfüllung in Perfektion, Technik und Körperbeherrschung der Tänzer verwandelt werden. Unter der künstlerischen Leitung von Janet Eilber neu erstarkt, ist die MARTHA GRAHAM DANCE COMPANY, die älteste und berühmteste zeitgenössische Tanzcompagnie Amerikas, erstmals in Bonn mit einer neuen Generation von Tänzern zu erleben – kraftvoll, mitreißend und lebendig wie eh und je. Neben den Klassikern von Martha Graham hat die Compagnie auch neue zeitgenössische Werke ihrer Nachfolger im Repertoire.

CHRONICLE war Martha Grahams Antwort auf die Bedrohung durch den Faschismus in Europa der damaligen Zeit. Martha Graham hat die Aufforderung zur Teilnahme an den Olympischen Spielen 1936 in Deutschland verweigert. Ihre Entscheidung zur Nichtteilnahme begründete sie wie folgt: „Die Annahme der Einladung zu den Olympischen Spielen ist für mich unmöglich, da ich mich nicht mit dem Regime, welches solche Dinge möglich gemacht hat, identifizieren möchte. Darüber hinaus würden einige Mitglieder meiner Compagnie in Deutschland nicht willkommen sein“ (ein Verweis auf die Tatsache, dass viele Mitglieder ihrer Gruppe jüdischer Abstammung waren).

DARK MEADOW SUITE (1946) sind die Highlights aus einer längeren Arbeit von Martha Graham und stellt die außergewöhnliche Ensemblechoreografie in den Vordergrund. Das Werk ist inspiriert von Martha Grahams Liebe zu den Ritualen des amerikanischen Südwestens und Mexikos, die sie als junge Frau beobachtete. Der mexikanische Komponist Carlos Chávez Ramírez schrieb die großzügige musikalische Partitur („La Hija de Colquide“, Die Töchter aus Kolchis) für Martha Graham. Die Tänzer arbeiten oft im Kontrapunkt zur Partitur mit dem Klang ihrer Füße und anderen Klangeffekten, die durch ihre Körper erzeugt werden. In ihren ursprünglichen Programmnotizen schrieb die Choreografin: „Dark Meadow ist eine Wiederholung der Mysterien, die an dem ewigen Abenteuer der Suche teilnehmen.“ Es ist eine abstrakte Arbeit über die Reise des Lebens und die Suche nach einer Verbindung mit dem eigenen Selbst und der Gemeinschaft. Dieser Tanz ist ein Paradebeispiel für Martha Grahams Führungsrolle in der Mitte des 20. Jahrhunderts der Moderne.

MOSAIC hat der weltberühmte Choreograf Sidi Larbi Cherkaoui 2017 für 9 Tänzerinnen und Tänzer der Martha Graham Dance Company geschaffen. „MOSAIC ist von den Energien und der Sinnlichkeit des Nahen Ostens inspiriert und ist mein Versuch, seine verschiedenen Facetten und Paradoxien zusammenzubringen, nebeneinanderzusetzen und aufzudecken. Seit meiner Kindheit bin ich mit der Ästhetik des Orients verbunden, von der Kalligraphie bis zur Architektur, und vor allem das Mosaik hat bei mir immer eine Faszination ausgelöst. Ein kleines, sich wiederholendes Muster, es ist mathematisch in seiner Anwendung und führt unweigerlich zu einem fertigen Werk, das komplett vom Einzelstück abweicht und viel größer als die Summe seiner Teile ist. Ich wollte es als Ausgangspunkt für meine Choreografie nutzen und dieses komplexe geometrische Gebilde bei der Demontage von Klischees und ihre zentrale Idee als Baustein verwenden, um eine Bewegung zu schaffen, die organisch an Kreaturen und Bilder erinnert, die wir auch mit der Region verbinden und uns als Geheimnis des Mittleren Ostens suggeriert wird.“ Sidi Larbi Cherkaoui

JANET EILBER ist seit 2005 Künstlerische Leiterin des Martha Graham Center of Contemporary Dance. Ihre Arbeit ist darauf fokussiert, Martha Grahams Meisterwerke einem weltweiten Publikum zugänglich zu machen. Zu diesen Initiativen gehören unter anderem das Gestalten kontextueller Programme, Zusammenschlüsse von Bildungs- und Gemeinschaftspartnerschaften unter Hinzuziehung neuer Medien, Kommissionen und kreativen Events wie z.B. Lamentation Variations, Prelude und REVOLT. Des Weiteren hat sie Choreografien von Martha Graham neu bearbeitet und schuf so neue Inszenierungen im Graham-Style für Theater- und Tanzproduktionen. Als Tänzerin war sie erste Solistin bei der Martha Graham Dance Company. Neben dem Tanz spielte sie in Filmen mit und trat am Broadway auf. Sie hielt Vorträge über die Martha Graham Dance Company und leitete Ballette im internationalen Raum. Für ihre Rekonstruktion des Seminal American Modern Dance erhielt sie außerdem vier Lester Horton Awards. Sie war als Direktorin für kulturelle Bildung der Dana Foundation tätig. Janet Eilber ist Ehrenkuratorin des Interlochen Center for the Arts.

Sidi Larbi Cherkaoui ist seit 2015 Künstlerischer Leiter des Royal Ballet Flanders und der von ihm im Jahr 2010 in seiner Heimatstadt Antwerpen gegründeten Company Eastman. Seine Arbeiten Faun und Fall, getanzt vom Royal Ballet Flanders, begeisterten im Februar 2017 im Bonner Opernhaus. Nach einer Ausbildung bei den Performing Arts Research and Training Studios in Brüssel schuf der Flame mit marokkanischen Wurzeln seine ersten Choreografien als Mitglied von Alain Platels Tanzkollektiv Les Ballets C de la B und war mehrere Jahre associate artist am Londoner Theater Sadler's Wells und dem Toneelhuis in Antwerpen. Seine Arbeiten BABEL (words) (2010 bei den HIGHLIGHTS zu Gast), SUTRA, Puz/zle, 4D und FRACTUS V riefen bei Gastspielen internationale Beachtung hervor und wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Daneben arbeitete er als Choreograf mit Tanzcompagnien wie dem Niederländischen Nationalballett, dem Ballett der Pariser Oper, der GöteborgsOperan Danskompani, dem Stuttgarter Ballett und der Los Angeles Dance Company. Er schuf die Choreografie für Joe Wrights Tolstoi-Verfilmung Anna Karenina aus dem Jahr 2012. 2014 inszenierte er am Brüsseler Opernhaus La Monnaie die Oper Shell Shock des Komponisten Nicholas Lens.

 

www.marthagraham.org

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