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DAS TAGEBUCH DER ANNE FRANK
Kammeroper von Grigori Frid auf Grundlage des Original-Tagebuchs von Anne Frank
Basierend auf den weltberühmt gewordenen Aufzeichnungen des jüdischen Mädchens Anne Frank, das mit seiner Familie auf der Flucht vor den Nationalsozialisten in Amsterdam untertaucht, schrieb der russische Komponist Grigori Frid die gleichnamige Mono-Oper. Die Inszenierung von Mark Daniel Hirsch richtet sich ganz besonders an ein junges Publikum und kann, wenn die technischen Voraussetzungen erfüllt sind, auch als Gastspiel, beispielsweise in Schulen, gebucht werden. Da- rüber hinaus bietet THEATER BONN eine theaterpädagogische Begleitung an. Gastspiele in Schulen ab März möglich. Infos und Buchung ab sofort. Bei Interesse richten Sie bitte Ihre Anfrage an die Theaterpädagogin Yvonne Schwartz: 0228 77 81 35 oder yvonne.schwartz@bonn.de
Grigori Frid ist ein russischer Komponist, dessen Familienangehörige fast alle während Stalins
Schreckensherrschaft ums Leben kamen. Seine Vertonung von Anne Franks Tagebuch wurde 1972
in Moskau konzertant uraufgeführt und erlebte 1977 in Kislowodsk (Kaukasus) die szenische
Erstaufführung.
Besetzung
Musikalische Leitung: Thomas Wise
Inszenierung: Mark Daniel Hirsch
Bühne und Kostüme: Uta Heiseke
Mit: Julia Kamenik, Kristina Köhl
Kritiken
General-Anzeiger vom 29.01.2010
Opern-Premiere: Julia Kamenik in "Das Tagebuch der Anne Frank"
Mark Daniel Hirsch erntet für die kleine aber ungemein eindringliche Produktion in Beuel viel Beifall
Liebe Kitty", beginnt das Mädchen Anne Frank meist ihre Tagebucheintragungen. So heißt die Freundin, nach der sie sich sehnt. In dem Hinterhaus in der Amsterdamer Prinsengracht, wo sie sich mit ihrer jüdischen Familie und deren Freunden vor den Nazi-Schergen versteckt, vermisst sie jemanden, dem sie ihre Gefühle und Ängste anvertrauen mag, dem sie darüber berichten kann, wie es ihr in der eigentlich unerträglichen Enge des Verstecks ergeht.
In Mark Daniel Hirschs Inszenierung von Grigori Frids fast vierzig Jahre alter Vertonung des erstaunlichen Tagebuch-Dokuments im Alten Malersaal nimmt diese Freundin Gestalt an: Dass deren Kleider dasselbe rotkarierte Muster wie der Umschlag von Annes Tagebuch aufweisen, ist ein hübscher Einfall der Regie.
Doch während die fiktive Adressatin zur wirklichen Vertrauten Freundin Annes wird, muss die Kitty (Kristina Köhl) auf der Bühne fremd bleiben, gerade weil sie leibhaftig geworden ist, weil sie da ist und sich doch nicht mitteilen kann. Anne führt in Frids Opern-Monodram einen inneren Monolog in 22 Szenen.
Die Sopranistin Julia Kamenik macht daraus eine unglaublich intensive und berührende Seelenerkundung. Da ist Angst, da ist Verzweiflung, aber nicht nur. Auch die Hoffnung bleibt in den Räumen des Hinterhauses präsent. Noch im Februar 1944, als sie fast schon zwei Jahre im Versteck ausharrt, beschreibt Anne die "überwältigenden Glücksgefühle", die sie beim Betrachten des Himmels empfindet, und träumt davon, sie vielleicht bald mit jemanden teilen zu können.
Julia Kamenik, die - obwohl längst kein 14-jähriges Mädchen mehr - dem Bild Anne Franks sehr nahe kommt, bringt diese Gefühlslagen mit ihrem Gesang auf beeindruckende Weise zum Klingen, auch ihr intensives Spiel wird niemanden im sehr kleinen, intimen Zuschauerraum gleichgültig lassen. Zumal der grausame Tod des Mädchens im Konzentrationslager von Bergen-Belsen wohl jedem immer gegenwärtig ist.
Am Klavier begleitet sie Thomas Wise, der die durchaus Schostakowitsch verwandte Musik des 1915 in St. Petersburg geborenen Komponisten mit großer Souveränität spielt. Die gesamte Bandbreite der originalen, sehr farbigen Orchestrierung konnte er freilich nur andeuten. Das Publikum nahm die kleine, aber ungemein eindringliche Produktion mit viel Beifall auf.
Autor: Von Bernhard Hartmann
Campus-Web vom 30. Januar 2010
„Das Tagebuch der Anne Frank“ als Mono-Oper im Theater Bonn
Anne Frank war ein jüdisches Mädchen aus Deutschland, das sich gemeinsam mit ihrer Familie in einem Hinterhaus in Amsterdam vor dem Nazi-Regime verstecken musste. Zur Legende geworden ist sie durch ihr Tagebuch, das sie in dieser Zeit geschrieben hat. Es ging in die Literaturgeschichte ein.
Der russische Komponist Grigorij Samuiloviè Frid verwandelte es ab 1969 in eine Oper, 1972 war die Uraufführung. Seit Mittwoch, 27. Januar 2010, kann man das Werk nun auch im Theater Bonn sehen.
Ein Tagebuch als Oper, genauer gesagt als Mono-Oper. Wie darf man sich etwas Derartiges vorstellen? Sitzt die Verfasserin auf der Bühne und singt dem Publikum vor, was sie schreibt? Im Grunde ist es genau das – und dann doch wieder komplett anders.
Anne Frank hat ihr Tagebuch in einer Art Briefform geschrieben, adressiert an eine imaginäre Freundin namens „Kitty“. In der Inszenierung von Mark Daniel Hirsch wird diese Kitty personifiziert. Das Buch, dem Anne sich anvertraut, wird zu einer Traumfigur, dargestellt von Kristina Köhl, die nur für Anne sichtbar ist. Gemeinsam tanzen sie durch das kleine Zimmer, probieren neue Schuhe an, albern herum und werfen sich in Panik auf den Boden, wenn die Gestapo naht.
Die Versorgungshelferin Miep Gies entdeckt nach der Deportation der Familie Frank das Tagebuch. Als sie es aufschlägt ertönt eine Stimme: „Nun bin ich bei dem Punkt angelangt, an dem die ganze Tagebuchidee angefangen hat: Ich habe keine Freundin“. Die berühmten ersten Worte des Buches. Hier dienen sie nun als Einladung, an einer Reise in das Tagebuch teilzunehmen.
Im nächsten Moment ist man schon mittendrin: Anne entdeckt ihre Geburtstagsgeschenke, darunter das Tagebuch. Überbracht wurden sie gleichzeitig mit Kitty, die fortan nicht mehr von Annes Seite weicht. Egal, ob sich das ebenfalls untergetauchte Ehepaar van Daans streitet oder ob Anne für deren Sohn Peter schwärmt – Kitty steht stumm daneben, lauscht den Worten der Freundin und unterstützt all ihre Emotionen.
Sie ist da in den ruhigen und aufreibenden Momenten, wenn etwa Gestapo-Leute an die Türen klopfen oder Anne ihre verzweifelten Momente hat, in denen sie sich nach ihrer einstigen Freiheit zurücksehnt und sich von der schwermütigen Atmosphäre im Haus nahezu erdrückt fühlt.
Inständig hofft auch Kitty mit, als Franklin D. Roosevelt über Radio mit seiner berühmten Rede zum D-Day erschallt, was auch Anne und ihrer Familie neuen Mut gibt.
Die Protagonistin ihrerseits führt als Solistin mit einer voluminösen Sopran-Stimme durch die Handlung. Julia Kamenik brilliert in dieser Rolle als Anne Frank. Mit viel Esprit und Leidenschaft mimt sie das quirlige Energiebündel, das mit der Zeit zu einer nachdenklichen jungen Frau heranreift.
Das Libretto stellt wortgetreu eine nur leicht gekürzte Version der Originalaufzeichnungen des Tagebuches dar. So entsteht eine musikalisch-lyrische Erzählung, die dank der dichterischen Ausdrucksstärke der Verfasserin eine emotionsvolle Darstellung ihres ungebrochenen Lebenswillens in dieser beklemmenden Situation ermöglicht.
Diese Dissonanz zwischen moralischer Stärke und beständiger Angst wurde auch ins Bühnenbild integriert. Uta Heiseke schuf eine Art Bühne hinter der Bühne, abgetrennt durch eine transparente Wand, die jedoch den Blick auf das dahinterliegende nur in gedämpftem Grauton wiedergibt.
Dort befindet sich das Klavier, das als einziges Instrument den Gesang unterstützt, und die ganze Szenerie noch düsterer, beengter und ein wenig mystisch darstellt.
Hierher zieht sich Anne zurück, um Kitty ihre zeitweilig trübsinnigen Gedanken mitzuteilen. Wenn sie dann eine Kerze aufstellt und sich in ansonsten völliger Dunkelheit hinter dieser positioniert und in malerischen Worten von dieser Last ihres jungen Lebens berichtet, fühlt man sich irgendwann selbst in eine Art Kerker versetzt, aus dem es kein Entkommen gibt.
Der Stoff des Werkes wiegt schwer, vor allem, da bekannt ist, wie die Geschichte um Anne Frank endet. Alle Hoffnung, die sich Anne tapfer am Leben erhält, und der schier unzerbrechliche Glaube an das Gute im Menschen, all das sollte letztlich umsonst gewesen sein.
Man geht mit einem bedrückten und bewundernden Gefühl aus der Aufführung. Bedrückt ob des Schicksals der Anne Frank und der Last der Thematik, die noch immer schwer wiegt. Und bewundernd ob des starken Lebenswillens, den die Tagebuchschreiberin in einer derartigen Situation aufrechterhalten konnte und auch ob der überragenden Leistung ihrer Darstellerin.
Autor: Nadine Danneberg
Fragen und Kommentare zum Stück
Ab welchem Alter (Kind) würden Sie dieses Stück empfehlen?
Wir empfehlen das Stück für Kinder ab 12-14 Jahren. THEATER BONN
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Dauer: ca. 1 Stunde. Mit besten Grüssen, THEATER BONN












