DIE KATZE AUF DEM HEISSEN BLECHDACH

von Tennessee Williams

Der steinreiche Großgrundbesitzer „Big Daddy“ Pollitt feiert seinen 65 . Geburtstag. Außer ihm und

seiner Frau wissen alle von seiner unheilbaren Krebserkrankung, wollen alle ihn beerben: sein älterer

Sohn Gooper, ein kleingeistiger Rechtsanwalt, dessen habsüchtige, reizlose Ehefrau Mae mit ihren fünf unerträglichen Kindern und Big Daddys zweite Schwiegertochter, die vitale und sinnliche Maggie. Einzig ihr Ehemann Brick, Big Daddys Lieblingssohn, verweigert sich der geheuchelten Partylaune. Der

ehemalige Footballstar hat sich in Alkohol, Welt- und Selbstekel geflüchtet; seit er seinen mutmaßlich homosexuellen engsten Freund Skipper verloren hat, macht er Maggie für dessen Tod verantwortlich und schläft nicht mehr mit ihr.

 

Mutig stellt sich Maggie den familiären Seitenhieben auf ihre Kinderlosigkeit entgegen, unbeirrt kämpft sie um ihre Ehe: Wie eine Katze auf einem brennend heißen Blechdach wagt sie den Sprung ins Ungewisse, indem sie Big Daddy kurz vorm Sterben seinen sehnlichsten Geburtstagswunsch erfüllt – mit der Lüge, sie erwarte von Brick ein Kind.

 

(Selbst-)Täuschung und verlogene Moral sind die zentralen Themen im 1955 uraufgeführten Stück, für das Tennessee Williams (1911-1983) den Pulitzer-Preis erhielt.

 

Ingo Berk, Jahrgang 1975, inszenierte am Schauspielhaus Zürich, an der Berliner Schaubühne, am
Schauspiel Hannover und am Schauspielhaus Graz. Seit 2005 arbeitet er kontinuierlich am THEATER
BONN und brachte zuletzt O’Neills EINES LANGEN TAGES REISE IN DIE NACHT heraus.

Besetzung

Inszenierung: Ingo Berk
Bühne: Damian Hitz
Kostüme: Kathrin Stadeler


Margaret: Nina Vodop'yanova
Brick: Hendrik Richter
Mae: Tatjana Pasztor
Big Mama: Tanja von Oertzen
Big Daddy: Rolf Mautz
Reverend Tooker: Oliver Chomik
Gooper: Stefan Preiss
Doktor Baugh: Wolfgang Rüter


 

Kritiken

General-Anzeiger vom 22.02.2010

 

„Die Katze auf dem heißen Blechdach" im Schauspiel Bonn
Irgendwann wird es eine Doktorarbeit geben müssen über die dunkle Macht der Torten auf der Bühne, über die unwiderstehliche Anziehungskraft, die süße Kreationen auf Regisseure ausüben.
In der Bonner Inszenierung von Tennessee Williams Südstaaten-Klassiker "Die Katze auf dem heißen Blechdach" lauert das cremige Monstrum lange auf dem Bett auf seinen Einsatz, bis sich endlich die gebärfreudige Mae den ganzen Glibber eigenhändig ins Gesicht stopft.
Im selben Stück und in derselben Szene ließ Regisseur Thomas Ostermeier an der Berliner Schaubühne ein Torten-Gebirge auf der Nase der Widersacherin Meggie explodieren.
Die schmierigen Kuchen-Eskapaden haben wenig Erhellendes. In den Bonner Kammerspielen schien es
allenfalls so, als wolle Regisseur Ingo Berk mal kurz einen Ausflug in die Family-Soap machen, um überdeutlichst klarzustellen, dass die über 50 Jahre alte Geschichte aus dem Mississippi-Delta ihre Tauglichkeit auch im Hier und Jetzt besitzt.
Daran besteht auch ohne Torte kein Zweifel. Der brutale Psycho-Realismus von Tennessee Williams, der ungebärdige Kampf ums Überleben in einem Gespinst aus Sehnsüchten und Lügen - diese Theatermischung wirkt in einer Zeit der geschliffenen Korrektheit eigentümlich aktuell. Williams wird wieder allerorten gespielt.
Man feiert Geburtstag in der "Katze auf dem heißen Blechdach", den 65. von Big Daddy, dem schwerreichen, todkranken Plantagen-Besitzer.
Der ältere Sohn Gooper schielt fast ebenso unverhohlen auf die Erbschaft wie seine mutterschaftsversessene Frau Mae; Brick, der Jüngere, hat ein ordentliches Alkohol-Problem und zudem ein Homosexuellen-Trauma, gegen beides geht seine Frau Meggie, die Katze, couragiert zu Werke.
Da ist also genug Sprengstoff im Stück, Tennessee Williams spricht von der "Gewitterwolke einer gemeinsamen Krise".
Im Fall der "Katze" muss man im Theater immer auch gegen einen Film anspielen, gegen Richard Brooks? wunderbares, wenn auch am Ende weichzeichnendes Melodram mit Elizabeth Taylor und Paul Newman. Ingo Berk verzichtet in Bonn gänzlich auf die große Südstaaten-Oper, er begibt sich unverzüglich in eine Zimmerschlacht mit dem Kampfplatz Bett, das unübersehbar im Mittelpunkt der Bühne ( Damian Hintz) steht.
Die wiederum ist, zeitweilig von Gaze-Vorhängen umschlossen (Achtung: verborgene Geheimnisse), mitten im Zuschauerraum platziert, ansteigende Reihen davor und dahinter. Das Spektakel als intime Tragödie: Mehr Zeichen kann man nicht setzen.
Seinen interessantesten Kunstgriff verwendet Berk auf die Figur der Meggie; die setzt, um ihren sex-abstinenten Brick wieder ins Bett zu bekommen, weniger auf erotische Avancen als auf lebenspraktische Cleverness.
Nina V. Vodop'yanova spielt mit großer Genauigkeit und viel Herz eine erstaunlich kühle Schöne, die nur ein Ziel kennt: nie wieder in der Armut zu landen, aus der sie gekommen ist. Das wird ein hartes Stück Arbeit werden, denn Hendrik Richters Brick ist hier ein von Albträumen gepeinigter Alkoholiker, der sich bis zum Psycho-Exzess verausgabt.
Dagegen wirken die nett gewissenlose Geschäfts-Attitüde von Stefan Preiss (Gooper) und das nervige Familien-Getue von Tatjana Pasztor (Mae) wie kleinere Stolpersteine.
Mit solchem Blick auf Armutsbedrohung und Lebensangst gewinnt die Inszenierung an Schärfe - und verliert zugleich an Poesie, an jener Schwüle und Sinnlichkeit, an jener schläfrigen Spannung, ohne die man bei Tennessee Willliams vielleicht doch nicht auskommt.
Aber es sind noch zwei Joker im Spiel. Tanja von Oertzen als Big Mama flattert so hilflos umtriebig und so liebenswert penetrant durch die Szene, als habe Inge Meysel einen Ausflug in den amerikanischen Süden unternommen.
Und Rolf Mautz als Big Daddy: Choleriker und Familien-Tyrann, listenreicher Selfmademan, vor allem freilich ein Vater, der sich in der Auseinandersetzung mit dem Sohn an all die Dinge herantastet, über die man sonst nicht spricht. Das ist von rührender Komik.


Autor: Ulrich Bumann

Fragen und Kommentare zum Stück

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Wie lange wird die Vorstellung dauern?

Antwort:

Zwei Stunden und 45 Minuten inklusive Pause.

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Wann beginnt der Vorverkauf voraussichtlich?

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Der Vorverkauf beginnt am 5. des Vormonats, also am 5. Januar, für Abonnenten am 29. des Vorvormonats, also am 29. Dezember.

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