LA BOHÈME

von GIACOMO PUCCINI

Szenen nach La Vie de Bohème von Henri Murger in vier Bildern
Text von Giuseppe Giacosa und Luigi Illica, unter Mitarbeit von Giulio Ricordi und Giacomo Puccini
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

 

Im Mittelpunkt der Geschichte steht die lungenkranke Näherin Mimi, die sich in den Poeten Rodolfo
verliebt. Beide stammen aus ärmlichen, doch unterschiedlichen Milieus und können ihre Liebe nicht
leben. Am Ende stirbt Mimi.

 

Puccinis Vertonung gehört zu den Meisterwerken des italienischen Opernrepertoires und Dietrich
ilsdorf schuf für Bonn eine rundum sensibel-bittersüße, aber nie rührselige Werksicht.

 

Besetzung

Musikalische Leitung: Keilhack (16.1.) / Engelen (23.1.) / Thomas Wise (31.1.)


Inszenierung: Dietrich Hilsdorf
Bühne: Dieter Richter
Kostüme: Renate Schmitzer
Choreinstudierung: Sibylle Wagner
Einstudierung des Kinderchors: Ekaterina Klewitz


 


Mimi: Julia Kamenik (16.1.; 31.1.) / Irina Oknina (23.1.)


Musetta: Julia Novikova / Sigrún Pálmadóttir (16.1.; 23.1.; 31.1.)


Rodolfo: George Oniani


Marcello: Aris Agiris (16.1.) / Lee Poulis (23.1.; 31.1.)


Shaunard: Giorgos Kanaris


Colline: Martin Tzonev


 


 

Kritiken

Opernfreund

Überragende LA BOHEME unter Regisseur D. Hilsdorf

Der Mensch ist ein einsames Tier

Nach dem großen Uraufführungsskandälchen um Schlingensief zeigte die Oper Bonn, was sie wirklich kann und bot mit Puccinis Repertoirereisser "La Boheme" einen wirklich beeindruckenden Abend. Sämtliche Hauptrollen waren aus dem eigenen Ensemble bestens besetzt, was heutzutage keine Selbstverständlichkeit ist. Mit Bülent Külekci besitzt die Oper Bonn einen echten Tenor mit Peng und Leuchtkraft, wenn er dem Orchester öfters vorausläuft , so ist das wohl der Premierennervosität zu verantworten, sein Rodolfo  hat Format und erfreut mit gesundem Material das Ohr. Die Mimi von Julia Kamenik scheint zunächst zu enttäuschen, erwartet man doch einen üppigeren Sopran, das Volumen scheint ein wenig zu klein, dieser Eindruck wird ab dem zweiten Bild revidiert, denn die Gesangskultur und Ausdruckstärke im Verein mit der etwas drahtigen Höhe nimmt der Rolle sämtliche Sentimentalität, und lässt mit betörenden Piani ein eindrucksvolles Rollenporträt entstehen. Der Marcello des Aris Argiris ist mit allen möglichen Parametern schlichtweg perfekt zu nennen, eine echte Erfüllung. Martin Tzonev ist mit jugendlicher Erscheinung und sonorem Bassklang ein ebensolcher Colline und Mark Morouse vervollständigt mit prächtigem Bariton als Schaunard das Herrenquartett auf gleichem Niveau. Die Musetta Sigrun Palmadottirs besticht durch ihre Präsenz, trotz eines herrlichen Akuti-Effektes schleift sie in ihrem großen Walzer die Töne von unten an und schmälert den gesanglichen Eindruck mit unsauberer Intonation. Benoit und Alcindor werden zu einer Rolle zusammengezogen, was den Hausbesitzer zu einem Konkurrenten Marcellos um die Gunst Musettas werden läßt, und wird von Nikolai Miassojedov in einer tollen Charakterstudie gegeben .

Womit wir schon bei der Szene gelandet wären, Dietrich Hilsdorf legt, in einer seiner besten Arbeiten wie ich finde, eine derart psychologisch aufgeladene und, trotz der Kühle, berührende Analyse vor, daß man vergißt auf Übertitel zu schauen und irgendwann merkt,daß die Oper schon vorbei ist. Natürlich gibt es auch wieder die Hilsdorfschen Nonnen und unerwartete Zeitverknüpfungen (Jack the Ripper), aber das Werk wirkt knackig und frisch, und hat ganz viel mit uns heutigen Menschen zu tun. Wie, sei jetzt hier gar nicht groß verraten, aber die Protagonisten frieren, hungern, leiden und lieben wie im richtigen Leben, bis der Tod kommt, der uns selbst unsere Gegenwart auseinanderreißt, die wir nur bedingt miteinander teilen können, getrennt in unseren Wesen und unserem Sein. Eine wirklich harte Deutung einer sonst als emotionales Rührstück gehandelten Oper. Bravo! Dazu ein Einheitsbühnenbild von Dieter Richter das exakt die Stimmung des Werkes einfängt,Paris andeutet und in einer spektakulären Verwandlung, die ob der Spannung auf der Bühne, erst gar nicht wahrgenommen wird, die Enge der Mansarde weitet und wieder schließt. Kompliment an die Bonner Bühnentechnik, man hört überhaupt nichts von dem "Umbau". Die Kostüme von Renate Schmitzer bringen die Charaktere auf den Punkt und verankern die Aufführung in die Nachkriegsjahre Frankreichs, die der existenziellen Deutung das I-Tüpfelchen aufsetzen.

In Erich Wächter hat der Regisseur aber auch den rechten Partner in der musikalischen Deutung, zu Beginn denkt man noch was für eine flotte "Boheme", dann plötzlich bei den lyrischen Stellen nimmt er sich alle Zeit der Welt, ohne daß ihm die Linie auseinanderfällt oder eine Spur von Kitsch entstehen könnte, dabei stets am Puls der Sänger. Das Beethoven Orchester folgt unbedingt und zeigt die Zähne der Modernität, die Puccinis Musik neben ihrem Wohllaut ja stets in sich trägt. Die Chöre sind in ihrer Turbulenz sicher, besonders der Kinderchor zeigt sich in einem heiklen Bühnenauftritt als sehr sattelfest.

Ein emotional richtig großer Abend, an dem eine allzu bekannte Oper zwar werkgetreu, aber auch durchaus ungewohnt präsentiert wird. Unbedingt ansehen!   

 

Autor: Martin Freitag        

General-Anzeiger

 

Dies ist kein einsamer Tod in der Dachkammer. Mimi stirbt öffentlich. Alle beobachten das Sterben: der Maler, der Philosoph, der Musiker und Rodolfo, der Dichter und Geliebte. Das Faszinosum Tod zieht sie auf merkwürdige Weise an - und sie beuten die Sterbende gleichsam aus, ziehen künstlerischen Gewinn aus dem Ende.

Für den Maler ist sie Modell, für den Philosophen Ideengeberin, für den Musiker vielleicht ein Requiem, für den Dichter ein nicht zu Ende geschriebener Roman. Das Klacken seiner Schreibmaschine mischt sich mit der musikalischen Wehmut, mit der Puccini diesen Tod umgibt. Die Liebe und der Tod, sagt man gern, sind die beiden großen Themen des Theaters. Für Giacomo Puccini und seine "Bohème" trifft das auf jeden Fall zu.

Und Regisseur Dietrich Hilsdorf, der die Szenen aus dem Künstlerleben in der Bonner Oper inszeniert, wagt sich mit diesem Finale gewissermaßen ans Innenleben der Kunst. Es ist ein kühnes, aber zugleich logisches Zu-Ende-Denken des Stoffs. Hilsdorf ist gerade für den Deutschen Theaterpreis nominiert worden; das war überfällig, weil es in der Szene nur wenige Regisseure gibt, die auf ähnlich mitreißende Art perfektes Handwerk und Kreativität verbinden. Hilsdorf forscht in seinem Theater-Personal, entdeckt verborgene Seiten.

Puccinis Mimi ist ein gutes Beispiel dafür: In Bonn sieht man nicht ein Kunstblumen stickendes Unschuldswesen, sondern eine junge Frau, die sich ihrer Erotik durchaus bewusst ist und sie auch einsetzt. Kaum einem anderen Regisseur gelingen Massenszenen wie beispielsweise die am Weihnachtsabend im Quartier Latin ähnlich bewegt als Mosaik aus hundert unterschiedlich gezeichneten Charakteren.

In dieser Inszenierung gibt es nichts Gemütliches mehr, keine falschen Schluchzer; sie hat etwas Bedrohliches. Geradezu im Vorübergehen meuchelt da jemand eine Prostituierte; das ist keine effektheischende Zutat, sondern bildgewordenes Gefühl der Unsicherheit. Man lebt auf schwankendem Boden in dieser "Bohème", lediglich das Atelier des Künstler-Quartetts bleibt wie eine Skulptur über alle vier Bilder (Bühne: Dieter Richter) erhalten.

Diese großartige, klarsichtige Inszenierung hat Bonn nach dem "Freax"-Debakel zum Saisonstart dringend gebraucht. Zum Ereignis wird der Abend freilich erst dadurch, dass mit Erich Wächter am Pult des Beethoven Orchesters ein Dirigent steht, der sich ebenfalls eine unverbrauchte Sicht auf Puccini bewahrt hat.

Nicht nur, dass Wächter die ideale Balance von Strenge und Freiheit findet, dass Sentimentales bei ihm nie zur Schnulze verkommt - er durchleuchtet zudem die Partitur bis in kleinste Details, zeichnet mit kräftigen Strichen: Puccini klingt hier dramatischer und moderner, als man denken möchte. Solche Sicht passt wiederum zusammen mit einem Ensemble, das nicht auf Tränen spekuliert, sondern auf Musikalität.

Julia Kameniks Mimi ist frei und leicht angelegt, mit ganz berührenden Piano-Abschattierungen, Bülent Külekci als Rodolfo wirkt im Parlando ebenso ungezwungen strahlend wie in seinen Spitzentönen. Aris Argiris (Marcello), Martin Tzonev (Colline), Mark Morouse (Schaunard) und Nikolai Miassojedov (Benoit) - das sind vier weitere Pluspunkte einer rundum empfehlenswerten Produktion.

 

 

 

Fragen und Kommentare zum Stück

Frage/Kommentar:

Welche Sänger sind vorgesehen?

Antwort:

Vielen Dank für Ihr Interesse an LA BOHÈME, die ab 10.12. wieder auf dem Spielplan steht.
Ich kann Ihnen folgende Besetzung nennen:

Mimi: Julia Kamenik (Januar 10) /Irina Oknina (Dezember 09)
Musetta: Julia Novikova (Dezember 09) /Sigrun Palmadottir (Jan. 10)
Rodolfo: George Oniani
Marcello: Lee Poulis
Shaunard: Giorgos Kanaris
Colline: Martin Tzonev
Doppelbesetzungen in alphabetischer Reihenfolge
Änderungen vorbehalten

Mit besten Grüssen
THEATER BONN

 

Frage/Kommentar:

Julia Novikova ist für den 10.12. als Musetta angekündigt. Für den gleichen Tag steht sie aber auch auf der Besetzungsliste der Komischen Oper Berlin als Gilda. Wo singt sie? Singt sie am 17.12. in Bonn die Musetta?

Antwort:

Julia Novikova singt die Musetta in Bonn am 10., 17. und 23. Dezember 2009, jeweils 19.30 Uhr, Opernhaus.

Mit besten Grüssen, THEATER BONN

Frage/Kommentar:

Guten Morgen, ich hatte Sie gestern schon gefragt, ob Julia Novikova am 10.12. und/oder am 17.12. die Musetta in der Bohòme singt. Sie ist nämlich für den 10.12. sowohl in Bonn als auch in Berlin auf der Besetzungsliste. Ich möchte eine der beiden Vorstellungen besuchen und wäre Ihnen für eine Antwort sehr dankbar.

Antwort:

Guten Tag und vielen Dank für Ihr Interesse an Julia Novikova und La Bohème. Frau Novikova wird ihr Debüt als Musetta in La Bohème am 10.12.09 in Bonn geben. Sie singt auch die beiden Dezember-Folgevorstellungen am 17. und 23.12.

Einen schönen Opernabend und beste Grüsse, THEATER BONN

Frage/Kommentar:

Ich frage mich,ob diese Oper für meine Eltern geeignet ist. Ist die Inzenierung modern oder eher konservativ? Wie lange dauert das Stück?

Antwort:

Die Inszenierung von Dietrich Hilsdorf verklärt nicht, sondern zeichnet ein realistisches Bild dieser Künstler-Geschichte und vermag damit den Zuschauer sehr zu berühren. Dazu Puccinis Musik, die einfach überwältigend ist. Dauer: ca 2h15min.

.  

Frage/Kommentar: