LA TRAVIATA
von Giuseppe Verdi
Oper in drei Akten
Dichtung von Francesco Maria Piave
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Die Pariser Kurtisane Violetta Valéry hat zahlreiche Verehrer. Als sie den jungen Alfredo Germont trifft, ändert sich ihr Leben. Durch ihn erfährt sie die große Liebe. Gemeinsam mit ihm zieht sie sich aus Paris zurück. Doch Alfredos Vater fordert von ihr, sich von Alfredo zu trennen. Violetta fügt sich dem Wunsch des Vaters und behauptet Alfredo gegenüber, ihn nicht mehr zu lieben. Als der erkennt, warum sie ihn verlassen hat, ist es schon zu spät …
Die Inszenierung von Andreas Homoki war 2006 ein großer Erfolg in Bonn. Seither hat es bereits
mehrere Wiederaufnahmen dieser Produktion gegeben, die zahlreiche Opernfreunde begeisterte.
Besetzung
Musikalische Leitung: Christopher Sprenger
Inszenierung: Andreas Homoki
Bühne: Frank Philipp Schlößmann
Kostüme: Gabriele Jaenecke
Choreinstudierung: Sibylle Wagner
Violetta Valéry: Irina Oknina
Alfredo Germont: George Oniani
Giorgio Germont: Mark Morouse
Chor des THEATER BONN
Beethoven Orchester Bonn
Kritiken
BILD vom 17.01.2006
Ein rauschendes Fest der Sinne
Ganz schön mutig! Eine "La Traviata" fast ohne Bühnenbild. Konzentriert lediglich auf historische Kostüme, ein Blumenmeer und Stühle sowie starke Solisten. Die weltberühmte Oper von Giuseppe Verdi wurde zu einem Fest der Sinne.
Mit Jubelstürmen und Bravos feierte das Publikum am Sonntag in der Bonner Oper einen großen Abend. Das bewegende Drama rund um die edle Kurtisane Violetta ging richtig ans Herz.
Das ganze ohne störenden Schnickschnack oder blöden Klamauk. Regisseur Andreas Homoki setzte einfach "nur" auf Emotionen und so starke Solisten wie Irina Oknina (Violetta) und Timothy Simpson (Alfredo). Die beiden Verliebten, die sich verlieren, weil Violetta unter dem heimlichen Druck von Alfredos Vater auf ihn verzichtet.
Bis zum Wiederseehen in Paris, dem dramatischen Gefühls-Gewitter und bewegenden Todesfinale.
Fazit: Starke Solisten, gute Leistung des Beethoven-Orchesters. Nach einigen musikalischen Schwächen vor der Pause schließlich ein runder Genuß. So macht Oper Spaß!
Autor: Michael Bischoff
General-Anzeiger vom 17.01.2006
Blumen am Rand des grausigen Abgrunds
Endlich ein großer Abend in der Bonner Oper: Verdis "La Traviata" lässt in der Inszenierung von Andreas Homoki und unter Leitung von Erich Wächter kaum Wünsche offen
Als Pretty Woman in Gestalt von Julia Roberts zum ersten Mal in ihrem jungen Edelhurenleben eine Oper sieht, ist es die "Traviata" von Verdi. Die Tränen bei ihr fließen reichlich - und nicht nur wegen der Berufsverwandtschaft mit der armen Violetta.
Wie es in Bonn bei der "Traviata"-Premiere mit den Tränen bestellt war, ließ sich schwerlich ausmachen - doch ergriffen erschien das Publikum allemal. Zu Recht. Die junge, bildschöne Irina Oknina fand in diesem Drama von Liebe, Verzicht und Tod berührende Momente der Innerlichkeit, der zartesten Gefühlsregungen.
Diese Bonner Violetta mag vielleicht in den Koloraturen des Festrausches nicht unbedingt zu Hause sein - sie ist es dafür umso mehr in der Einsamkeit, die diese Figur umgibt. Oknina kann von trotziger Sanftheit sein, wenn sie dem leidenden Körper ein Stück Leben abzwingen will; direkt ins Herz singt sie sich mit einer wunderbar samtenen Traurigkeit.
Es war ohnehin zunächst einmal ein beeindruckender Abend der Musik, ein Abend der Sänger - nicht zuletzt deshalb, weil Regisseur Andreas Homoki sich weitgehend auf ein intimes Drei-Personen-Drama konzentriert. Besondere Aufmerksamkeit konnte Aris Argiris als Vater Germont für sich beanspruchen; derzeit ist er noch in Dortmund engagiert, in der nächsten Spielzeit gehört er fest zum Bonner Ensemble.
Ein großer Gewinn fürs Haus: ein eleganter, souveräner Bariton, der genauestens phrasiert und über eine Fülle von gestaltenden Zwischentönen verfügt. Zwischen diesen beiden Polen (zwischen denen sich ja auch das eigentliche Drama der Oper abspielt) hatte Timothy Simpson (Alfredo), gesundheitlich leicht angeschlagen, keinen leichten Stand.
Er zog sich überaus ordentlich aus der Affäre; selbst wenn ihm mitunter italienische Leichtigkeit abgehen mag, so ersetzt er sie durch glaubhafte Emotion. Das hohe vokale Niveau setzte sich fort in allen Nebenpartien - beispielsweise bei Asta Zubaite, Mark Morouse und Martin Tzonev.
Und vor allem und zum wiederholten Male beim vom Sibylle Wagner einstudierten Chor, der inzwischen ja so etwas wie ein Aushängeschild der Bonner Oper geworden ist. Nach dem erstaunlich belanglosen und ungewollt schwindsüchtigen Vorspiel mochte man für das Beethoven Orchester und den Dirigenten Erich Wächter nicht gerade gute Prognosen für den Verlauf des Abends geben.
Aber die Anfangsminuten täuschten: Wächter ist ein bemerkenswert inspirierender Verdi-Dirigent; er hat Sinn für dramatische Genauigkeit, für Präsenz, für die tumultuöse Rasanz der Festmusiken, aber ganz besonders für den Klageton in all seinen Facetten: von fahler Eindringlichkeit bis zum verlöschenden Piano.
(...)
Zu Beginn steht Violetta im weißen Kleid auf der leeren Bühne: Sie ist die Einsame, und sie wird es bleiben, auch wenn für kurze Zeit das Glück einer großen Liebe möglich scheint. Sie blickt ins Nichts. So wie die Bühne keinen Horizont hat, so hat Violetta keine Zukunft; die Hure scheitert an der Dopppelmoral der Gesellschaft. Der Kampf ist verloren, bevor er begonnen hat.
Aus dem Bühnenhintergrund taucht die Festgesellschaft auf, Männer, die diese einsame Frau umkesseln. Da gibt es keinen Ausweg. Homoki inszeniert klar und kalkuliert, schwarz und weiß, wie die Kostüme angelegt sind. Der Chor zum Karneval trägt Totenmasken - sie alle sind Violettas Totengräber.
Zu diesem überzeugenden Ansatz, der auf alles Unnötige verzichtet, würde man Homoki nur in der ersten Hälfte - später erzählt er packend, immer mehr verdichtend - eine etwas intensivere Personenregie wünschen. Es gibt mehr in diesem Opernleben, in diesem Leidensweg, in dieser herausfordernden Leere als nur das wiederholte Sinken auf die kalt spiegelnde Fläche des Bühnenbodens.
Aus diesem freilich sprießen, als Alfredo und Violetta sich ihrer Liebe gewahr werden, weiße Blumen (Bühne: F.P. Schlößmann). Das könnte man für ein banales Bild halten oder für eine bezwingende Zurschaustellung eines Stendhal-Zitates, das wie für dieses Stück gemacht scheint: "Die Liebe ist eine köstliche Blume, aber man muss den Mut haben, sie am Rand eines grausigen Abgrunds zu pflücken." Auch insofern hat Homoki alles richtig gemacht.
Autor: Ulrich Bumann
WDR Lokalzeit vom 21.01.2006
WDR Premieren-Report
Sie ist schön, sie ist einsam, und sie ist - nun ja - eine Edel-Prostituierte. Violetta, die den Herren der besseren Gesellschaft gegen Geld zur Verfügung steht, trifft eines Tages den Mann ihres Lebens: Alfredo. Die beiden verlieben sich sofort ineinander. Violetta und Alfredo sind im siebten Himmel. Doch ihre Liebe ist zum Scheitern verurteilt. Alfredos Vater ist nämlich aus gesellschaftlichen Gründen gegen ihre Verbindung und er schafft es, die beiden wieder auseinander zu bringen. Der Sänger der den Vater spielt, Aris Argiris, ist übrigens der Beste des Abends. Die getrennten Liebenden sind total frustriert, doch wenn sie sich am Ende wiederfinden ist es zu spät, Violetta ist krank und stirbt. Das ist der ganze Inhalt. Schön dramatisch, schön traurig - „La Traviata“ gilt zu recht als eine der anrührendsten Opern überhaupt. Etliche Zuschauer gaben am Ende zu, dass sie tatsächlich zu Tränen gerührt waren. Die Inszenierung ist aber auch wirklich dicht und intensiv geraten. Lediglich das Bühnenbild ist recht spärlich. Es gibt nichts anderes als einen großen schwarz-glänzenden Boden. Aus dem sprießen zwar mal - sehr effektvoll - viele weiße Blumen heraus, aber das war's dann auch. Eine etwas weniger sterile Bühne wäre schöner gewesen. Doch ansonsten ist die Inszenierung sehr gelungen und trifft gefühlsmäßig direkt ins Herz. Regisseur Andreas Homoki möchte vor allem, dass die Leute am Schluss tief bewegt nach Hause gehen. Andreas Homoki: „Ich möchte die Leute nach Hause schicken in dem Gefühl dass Liebe wichtig ist, dass man ohne Liebe nicht leben kann und wer nicht geliebt wird, der stirbt. So einfach ist das!“ Diese Botschaft scheint bei den meisten Zuschauern angekommen zu sein. Es gab viel Applaus und vorrangig deutliches Lob vom Premieren-Publikum.
Autor: Gerrit Busmann
Fragen und Kommentare zum Stück
steht schon fest, wer wann die violetta singt? danke c. puetz
Die Violetta wird Irina Oknina am 20.3., 5.4. und 25.4. singen. Vielen Dank für Ihr Interesse und schöne Abende in der Bonner Oper! THEATER BONN
frage: Wer singt die Rolle des Alfedo Germont am 20.03.? Theresia Dilbat
George Oniani wird den Alfredo singen. Mit besten Grüssen THEATER BONN
Eine herzzerreißende Inszenierung (40. WA) und eine wundervolle Irina Oknina. Ich werde mir diese Violetta wieder anhören. Danke für einen wundervollen Abend. C. Puetz
Ist die Inzenierung modern ?
"Etliche Zuschauer gaben am Ende zu, dass sie tatsächlich zu Tränen gerührt waren. Die Inszenierung ist aber auch wirklich dicht und intensiv geraten ... Es gibt nichts anderes als einen großen schwarz-glänzenden Boden. Aus dem sprießen - sehr effektvoll - viele weiße Blumen heraus, aber das war's dann auch ... Doch ansonsten ist die Inszenierung sehr gelungen und trifft gefühlsmäßig direkt ins Herz. Regisseur Andreas Homoki möchte vor allem, dass die Leute am Schluss tief bewegt nach Hause gehen. Andreas Homoki: „Ich möchte die Leute nach Hause schicken in dem Gefühl dass Liebe wichtig ist, dass man ohne Liebe nicht leben kann und wer nicht geliebt wird, der stirbt. So einfach ist das!“ Diese Botschaft scheint bei den meisten Zuschauern angekommen zu sein. Es gab viel Applaus und vorrangig deutliches Lob vom Premieren-Publikum." WDR Lokalzeit, 21.1.2006
Ich war am 5.4.2010 in der Aufführung von La Traviata und sie war einfach toll. Hier sieht man eindrucksvoll, dass man auf ständige Effekte (in dem Fall bis auf die aus dem Boden spriessenden Blumen, was durchaus einfallsreich war), ein pompöses, ständig wechselndes Bühenbild, etc. verzichten kann, wenn die Musik so gut dargeboten wird. Meine Frage hierzu: Leider habe ich vergessen, wer für den erkrankten Herrn Morouse in der Rolle des Giorgio Germont eingesprungen ist? Jedenfalls hat er phantastisch gesungen. Für eine Beantwortung wäre ich sehr dankbar.
Vielen Dank für die positive Rückmeldung.
Den Germont sang am 5.4. der Bariton Hans Christoph Begemann.
Mit besten Grüssen, THEATER BONN
















