PEER GYNT

VON THOMAS BIRKMEIR NACH HENRIK IBSEN

PEER GYNT, in einer kindgerechten Fassung, schildert den Lebensweg eines Jungen, der sich auf die Reise macht, dabei Trollen und anderen mysteriösen Wesen begegnet, bis er schließlich wieder zu Hause ankommt. Es geht um die Suche nach der eigenen Identität, um Liebe und Träume.
Nach Gesprächen mit den Teilnehmern, sie leben in Wohngruppen des „Kleiner Muck e.V.“, fiel die Entscheidung auf diesen Klassiker, da er das bietet, was die Spieler sich wünschten. Wichtiger Bestandteil sollte das Eintauchen in Phantasiewelten sein. Die Verwandlung in irreale Wesen war der Wunsch aller.

Besetzung

Inszenierung: Marita Ragonese
Bühne: Marita Ragonese
Kostüme: Juliana Botchie


Es spielen: Elisabeth Häring, Erik Herhold, Lars Holdermann, Felix Lange, Marcel Maur, Laura Pick, Jessica Rekauzer, Niklas Schmitt


 

Kritiken

Genral-Anzeiger vom 8. Mai 09

Hänselnde Wirklichkeit
Integrativer Jugendclub spielt Ibsens "Peer Gynt" im Lampenlager
Die Männer der Familie Gynt sind Träumer, die sich in der Realität nicht einzurichten wissen. Schon Vater Gynt lässt seine Frau Aase bei der Geburt des Sohnes brutal im Stich und säuft sich lieber zu Tode. Auch Sohn Peer baut am liebsten bunte Luftschlösser. Die in sich ruhende Aase der Jessica Rekauzke kann das kaum beeindrucken. Sie boxt sich und ihr Kind durch das Leben, auch wenn das Geld knapp ist und die Gläubiger Schlange stehen.

Henrik Ibsens "Peer Gynt" ist nicht gerade als jugendgerechter Stoff bekannt. Doch wer jetzt die Produktion des integrativen Jugendclubs im Lampenlager sieht, muss sich eines Besseren belehren lassen. Nicht nur ist die Fassung von Thomas Birkmeir gesättigt mit Realien.

Was Regisseurin und Bühnenbildnerin Marita Ragonese und die acht Jugendlichen zwischen elf und 14 Jahren, fünf davon aus dem Therapiezentrum Leo Lionni-Haus des Vereins Kleiner Muck, daraus gemacht haben, ist beeindruckend. Da gibt Felix Lange einen kantigen Peer, der in seiner stoischen Art schnell zum Außenseiter wird.

Ihm gilt zwar eine gut erfundene Geschichte als Triumph über die Wirklichkeit, doch die Realität macht sich als brutaler Hänselchor von Gleichaltrigen bemerkbar. Peers Rettung ist die junge Solveig mit dem geschienten Bein, die von Laura Pick mit einer zarten Verlorenheit gespielt wird. Hier treffen sich zwei Einzelgänger. Doch Peer Gynt hält es auch bei Solveig nicht lange. Er driftet in die Trollwelt, wo ihm dunkelgesichtige Irokesen mit grünem Zottelfell samt heiratsüchtiger Prinzessin (nochmals Jessica Rekauzke) begegnen.

Die Jugendlichen spielen das in einem Bühnenbild aus baumartigen Röhren und einem Küsten-Prospekt mit viel Begeisterung. Sie finden als Chor zu erstaunlicher Sicherheit und Durchschlagskraft, bringen aber auch in jeder Rolle ihre Individualität zum Vorschein, ohne dabei persönlich zu werden.

Von Hans-Christoph Zimmermann

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