OTHELLO
von William Shakespeare
Deutsch von Werner Buhss und Wolf Graf von Baudissin
Shakespeares um 1603 entstandene Tragödie gilt als Musterbeispiel des Eifersuchtsdramas. Dem hoch geachteten schwarzen General Othello wird von seinem Fähnrich Jago suggeriert, seine junge Frau Desdemona betrüge ihn mit seinem Leutnant Cassio. Daraufhin erdrosselt Othello sie und tötet sich selbst, als Desdemonas Unschuld aufgedeckt wird.
Jedoch ist das Drama keine Studie eines eifersüchtigen Charakters; ebenso wenig handelt es sich um eine Rassentragödie. Vielmehr basiert OTHELLO inhaltlich wie dramaturgisch auf der Gegensätzlichkeit der Charaktere Jago und Othello: Othello vertraut als edler Mensch mit fast kindlicher Arglosigkeit auf Desdemonas Liebe und auf die sinnvolle Ordnung der Welt. Sein Widerpart Jago ist als Offizier nicht weniger tüchtig und als Mensch intelligenter, verkörpert aber in jeder Hinsicht das charakterliche Gegenprinzip: Gegen Othellos Ruhe und vertrauensvolle Größe stehen Jagos Umtriebigkeit und sein Neid. Erst durch seine meisterhafte Intriganz erreicht das Drama seine verhängnisvolle Tragik, die jeglichen Wert in sein Gegenteil verkehrt: aus Vertrauen wird Misstrauen, aus dem edlen General ein eifersüchtiger Rächer, aus vollkommener Liebe wird Vernichtung.
Stefan Otteni ist seit 1996 freier Regisseur, u.a. am Deutschen Theater Berlin, am Staatstheater Nürnberg und am Hamburger Schauspielhaus. In Bonn inszeniert er regelmäßig seit 2003, zuletzt TOSCA von Victorien Sardou in der Halle Beuel.
Besetzung
Inszenierung: Stefan Otteni
Bühne: Peter Scior
Kostüme: Alexandre Corazzola
Der Herzog von Venedig: Günter alt
Brabantio, ein Senator: Paul Faßnacht
Othello, ein adliger Neger im Dienste Venedigs: Raphael Rubino
Cassio, sein Adjutant und Leutnant: Nico Link
Jago, sein Fähnrich: Yorck Dippe
Rodrigo, ein venezianischer Gentleman: Oliver Chomik
Alter Mann auf Zypern: Paul Faßnacht
Desdemona, Tochter von Brabantio und Frau von Othello: Philine Bührer
Emilia, Jagos Frau: Nina V. Vodop'yanovo
Bianca, eine verheiratete Frau, mit Cassio im Verhältnis: Maria Munkert
Kritiken
Express vom 14.10.2009
Othello: Klassiker wird abgeschminkt
Beifall für Shakespeare-Drama in Kammerspielen
Auf nix ist mehr Verlass. Selbst Othello ist kein Schwarzer mehr. In der Inszenierung des Shakespeare-Klassikers in den Kammerspielen wird General Othello (Raphael Rubino) am Anfang erst einmal auf offener Bühne abgeschminkt.
Das ist der erste von vielen überzeugenden Einfällen des Regisseurs Stefan Otteni. Soll heißen: Wenn man ausrastet vor Eifersucht und den Menschen, der einen am meisten liebt, umbringt, spielt es keine Rolle, ob man Moslem, Christ, weiß, schwarz oder gelb ist. Damit wird „Othello“, diesem berühmtesten Eifersuchtsdrama der Weltliteratur, auch sein unterschwelliger Rassismus ausgetrieben. Gut so!
Denn auch einem wie Jago, der Othello in den Mord an Desdemona treibt, ist die Hautfarbe wurst. Ihm reicht das Anderssein, das Mehr an Liebe und Leidenschaft.
Yorck Dippe, eine der Besten im Bonner Ensemble, spielt das mit furioser Genauigkeit. Er macht das Publikum zu seinem Therapeuten, indem er Satz für Satz seine kranke, absurde Logik ausbreitet. Vor so viel Bühnen-Power müssen die Frauen Desdemona (Philine Bührer), Jagos Emilia (Nina V. Vodop’yanova) und Bianca (Maria Munkert) verblassen. Auch Rodrigo (Oliver Chomik) und Cassio (Nico Link) agieren eher im Hintergrund, weil Otteni das Drama komplett auf Jago und Othello zuspitzt.
Übrigens: Das war mal wieder ach so böses Regietheater. Und es war – allen Traditionalisten zum Trotz – einfach wunderbar, das alte Drama ganz neu zu entdecken. Das fand auch das Publikum, gab reichlich Applaus.
Autor: Christof Ernst
Fragen und Kommentare zum Stück
Inszenierung und Schauspieler waren großartig, leider mussten wir das Theater in der Pause verlassen, da die Luft im Saal absolut unerträglich war. Gibt es ein Problem mit der Lüftung oder sorgt das Bühnenbild mit zig Glühlampen für diese Überhitzung?
Nein, das Bühnenbild schafft keine Hitze, es fiel bei einer Vorstellung im September die Klimaanlage aus. Der Schaden ist natürlich behoben.
Ist das Stück für Kinder ab 10 Jahren geeignet?
Nein. Ab etwa 15 Jahren ist ein Besuch zu empfehlen.
Welche Shakespeare-Übersetzung haben Sie verwendet?
Die Übersetzung ist von Werner Buhss und Wolf Graf von Baudissin
Welche Musik ist in der Inszenierung zu hören?
Es gibt Musikeinspielungen von Berry White, Missy Elliot, George Michael, Gustav Mahler, György Kurtág, Beam & Yanon, The Dust Brothers, Thomas Adès, Sly and Robbie, Georg Friedrich Händel.
Den 4. Satz aus Mahlers III. Symphonie singt Jessey Norman in einer Einspielung von Claudio Abbado.
















