IL TROVATORE
von Giuseppe Verdi
Dramma in vier Teilen
Text von Salvatore Cammarano, mit Ergänzungen von Leone Emanuele Bardare
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Eine Koproduktion mit der Volksoper Wien
Es ist Geisterstunde im nächtlichen Aragonien. Ferrando, Hauptmann des Grafen Luna, erzählt seiner Wachmannschaft die unheimliche Geschichte der Familie seines Herrn: Der alte Graf Luna hatte zwei Söhne. Eines Morgens entdeckte man an der Wiege des Jüngeren eine Zigeunerin, die dem Kind seine Zukunft voraussagen wollte. Sie wurde verjagt. Doch noch am gleichen Tag erkrankte der kleine Garcia. Sein Vater glaubte, der böse Blick einer Hexe habe ihn getroffen, und er verurteilte die Zigeunerin zum Tod auf dem Scheiterhaufen. Aber am Leben blieb die Tochter der Gerichteten, Azucena. Aus Rache raubte sie den jüngsten Sohn des Grafen und verbrannte ihn am Hinrichtungsort ihrer Mutter … So erzählt Ferrando seinen Kameraden.
Niemand weiß, dass Azucena das geraubte Kind mit ihrem eigenen verwechselte und dieses unbeabsichtigt in die Flammen warf; dem entführten Sohn gab sie den Namen Manrico und zog ihn als den ihren groß. Das Schicksal will es nun, dass sich die Brüder in den heftigen Kämpfen um die Krone von Aragonien als Feinde gegenüberstehen: Der junge Graf Luna kämpft für die Königspartei, Manrico steht auf Seiten der Rebellen. Aus den politischen Gegnern werden bittere Rivalen, als Luna in Manrico den Nebenbuhler seiner angebeteten Leonora, Hofdame der Fürstin von Aragonien, erkennt. Eine Hetzjagd auf Leben und Tod beginnt ...
Zwei Jahre nach Verdis großartigem Triumph mit RIGOLETTO in Venedig gelangte am 19. Januar 1853 IL TROVATORE am Teatro Apollo Rom zur Uraufführung. Den Librettisten Cammarano hatte Verdi zuvor dazu ermuntert, die Erzählung „je ungewöhnlicher und bizarrer, desto besser“ auszugestalten und besonders den Charakter der Zigeunerin Azucena in seiner „Neuartigkeit und Fremdartigkeit“ herauszustellen. Mit der Forderung an den Impresario des Theaters, diese für Mezzosopran konzipierte Partie mit einer weiteren „primadonna“ zu besetzen, ließ Verdi Azucena neben Leonora als ebenbürtige Frauenfigur auftreten. Kraft seiner außergewöhnlich hohen Melodienvielfalt genießt IL TROVATORE auch heute noch eine enorme Popularität und zählt zu den meistgespielten Opern überhaupt. Der den Bonnern nicht zuletzt durch seinen erfolgreichen Händel-Zyklus SAUL, BELSAZAR und JEPHTA bestens bekannte und vielfach umjubelte Regisseur Dietrich W. Hilsdorf wird mit Verdis Troubadour erneut am THEATER BONN inszenieren.
Nach CARMEN, WILDSCHÜTZ und LA SONNAMBULA übernimmt Robin Engelen mit IL TROVATORE die musikalische Leitung seiner vierten Neuinszenierung als Erster Kapellmeister der Bonner Oper. Unter seiner Leitung werden Ensemblemitglied Mark Morouse, der vergangene Spielzeit als Peter in IRRELOHE überregional Aufsehen erregte, sowie der in Bonn zuletzt als Don Giovanni umjubelte Bariton Aris Argiris alternierend ihr Rollendebüt als Graf Luna geben.
Besetzung
Inszenierung: Dietrich W. Hilsdorf
Co-Regie: Ralf Budde
Bühne: Dieter Richter
Kostüme: Renate Schmitzer
Choreinstudierung: Sibylle Wagner
Graf von Luna: Aris Argiris/Mark Morouse
Leonora: Irina Oknina
Azucena: Chariklia Mavropoulou
Manrico: George Oniani
Ferrando: Ramaz Chikviladze
Ines: Susanne Blattert
Ruiz: Mark Rosenthal
Chor und Extrachor des THEATER BONN
Statisterie des THEATER BONN
Beethoven Orchester Bonn
Alternativbesetzung in alphabetischer Reihenfolge. Änderungen vorbehalten.
Kritiken
Quartett der großen Stimmen
Verdis tödliches Kammerspiel "Troubadour" ist rundum ein Genuss
Verdis "Trovatore" auf die Bühne zu bringen, meinte Enrico Caruso, sei ganz einfach. Man brauche dazu nur die vier weltbesten Stimmen. Das kann sich die Bonner Oper, unentwegt zum Sparen angehalten, finanziell derzeit nicht leisten (und in Zukunft erst recht nicht), aber dank einer klugen Ensemblepolitik in der Intendanzzeit von Klaus Weise verfügt sie über eine großartige eigene Sängerriege, die mit Recht am Ende des melodiengesättigten düsteren Dramas ausgiebig umjubelt wurde.
Ganz ohne Gast ging es freilich nicht. Für die Partie der Azucena, die bei der Uraufführung 1853 sozusagen die Emanzipation des Mezzosoprans in der Operngeschichte bedeutete, hatte man sich die Deutsch-Griechin Chariklia Mavropoulou geholt, eine Sängerin mit einer voluminösen Stimme, die zum Pathos durchaus die Poesie fügen kann. Das klang bei aller wilden Leidenschaft, die man für die Rolle der von Hass und Rache beseelten Zigeunerin braucht, vokal bestechend kontrolliert.
Verdi hat es seinen Sängern beim "Trovatore" nicht leicht gemacht, die Partien erfordern durchweg viel Kraft und noch mehr Höhen. Für die berühmten hohen Cs seines eigentlichen Troubadours Manrico allerdings kann er nichts, die haben sich aus der Aufführungsgeschichte ergeben. Darauf zu verzichten kann sich natürlich kein Tenor mehr leisten, George Oniani bewältigte sie in Bonn strahlend schön, wie ohnehin seine Stimme in hohen Lagen richtig aufblüht. Für den Grafen Luna, den Widersacher in der Liebe und in der Politik, hatte der Bariton von Mark Morouse die nötige Eleganz und zudem einen gehörigen Schuss Abgründigkeit.
Der Vierten in diesem Quartett der großen Stimmen, der Sopranistin Irina Oknina (Leonora), würde man auf jeden Fall schon einmal die schauspielerisch eindringlichste Leistung zugestehen. Sie stirbt in Bonn freilich nicht nur die berührendsten Bühnentode, sondern beeindruckt auch mit einer reichen stimmlichen Palette von sanfter Innigkeit bis zu dramatischer Wucht. Und Koloraturen sind bei ihr immer auch ein Stück Seelenspiegel.
Es war also nicht zuletzt eine Premiere für die Freunde bemerkenswerter Stimmen, die gleich zu Beginn schon in der einleitenden Erzählung des Ferrando mit dem satten Bass von Ramaz Chikviladze auf ihre Kosten kamen. Susanne Blattert und Mark Rosenthal überzeugten in kleineren Partien, Bonns Opernchor schließlich (Einstudierung Sibylle Wagner) war wie immer ein ganz großes Plus der Aufführung. Das Beethoven Orchester unter Robin Engelen sorgte für reichlich emotionale Glut und Zuspitzung.
Liebe und Eifersucht, Hass und Rache
Dem "Trovatore" hängt das Verdikt einer ziemlich ungereimten Handlung nach. In der Tat kommt hier vieles zusammen: Liebe und Eifersucht, Hass und Rache in geradezu archaischer Ausprägung, Kindsverwechslung und Menschenverbrennung, eine Frau zwischen zwei Männern und zwei politischen Lagern, die Front zwischen Reichen und Rebellen, Wahnvorstellungen, Krieg und Opfertod - ein Opern-Thriller, der mit den Gesetzen der Logik sehr frei umgeht.
Regisseur Dietrich W. Hilsdorf, dem man in Bonn (fast) immer hoch spannende Opernabende verdankt, bringt das Kunststück fertig, all diese auseinanderstrebenden Elemente in ein Psychodrama zu integrieren, das nach einem eher beiläufigen Beginn eine eigene Dynamik entwickelt. Dieter Richter hat ihm dazu auf der Drehbühne Räume gebaut, die die Bühne eng machen, so wie sich das Geschehen immer mehr in Richtung Ausweglosigkeit entwickelt.
In diesem tödlichen Kammerspiel hält sich Hilsdorf offenbar an die Grundlinien seiner Essener "Trovatore"-Inszenierungen von 1991 und 2001. Da interessierte ihn vor allem, wie Gewalt in einer Gesellschaft eskaliert, wie eine Minderheit, in diesem Fall die Zigeuner um Azucena und Manrico, unterdrückt wird.
Der Mensch ist zum Schlimmsten fähig, sagt Hilsdorf - und er führt das drastisch vor Augen: Auspeitschen, Foltern, Verstümmeln, Blenden; eine Christusfigur wird zum mörderischen Spiel missbraucht. Die beklemmendste Szene kommt ganz leise und perfide daher: Luna, der der Hinrichtung seines Feindes Manrico entgegensieht, dirigiert zur Todesanordnung mit leichter Hand betörende Verdi-Musik, die aus dem Lautsprecher kommt. Die Schlächter und ihre Liebe zur Musik - die Geschichte kennt da einige Parallelen.
Auf einen Blick:
Die Oper: Eine bizarre Schauergeschichte um Kindsverwechslung und Menschenverbrennung mit einer Fülle von herrlichen Melodien
Die Inszenierung: Ein packendes Psychodrama und eine beklemmende Studie über die Bereitschaft zur Gewalt
Die Musik: In allen Partien perfekt besetzt. Chor und Orchester in bester Form
EXPRESS, von Christof Ernst, 27. März 2012
Eine „Hexe“ verzaubert die Bonner Oper
Wer den Regisseur Dietrich W. Hilsdorf für eine Oper verpflichtet, braucht sich wenig Sorgen zu machen: Hilsdorf liefert süffige, bildstarke Inszenierungen, die dem Publikum gefallen. Nachzuprüfen in der umjubelten Premiere von „Troubadour“. Selbst den – mit Verlaub – bekloppten Inhalt der Oper bekommt er in den Griff.
Es geht nämlich um zwei Brüder. Der eine ist Graf Luna (Mark Morouse), der andere, Manrico (George Oniani), wächst bei einer Zigeunerin auf. Beide lieben die schöne Leonora (Irina Oknina). Am Ende lässt der Graf seinen Konkurrenten hinrichten und erfährt erst dann, dass er seinen Bruder getötet hat.
Bizarre Story, aber da ist ja noch Verdis vollmundige Musik mit Arien im Dutzend und wundervollen Chorgesängen.
Alle singen und spielen gut, vor allem Dirigent Robin Engelen lässt das Beethoven Orchester tief in Verdis Klangbad eintauchen. Aber überstrahlt wird der Abend von der Mezzosopranistin Chariklia Mavropoulou als vermeintliche Hexe: Kraftvoll, klar im Ton, stark im Spiel – viele Gründe für einen wahren Jubelsturm.
al ayyam, von Aref Hajjaj, 27. April 2012
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دراما تروبادور في أوبرا بون: خصمان من دم واحد دون معرفة ذلك |
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عارف حجاج بون الربيع حل على مدينة بون العاصمة القديمة لألمانيا الواقعة على ضفاف نهر الراين وهي تعج بالسكان والزوار الأجانب من شتى أنحاء الدول الأوروبية المجاورة. في أوبرا بون كان يوم الأحد الماضي موعد المقطوعة الشهيرة "تروفاتوري" للموسيقي الإيطالي الشهير جوسيبيه فيردي. معنى المقطوعة "تروبادور" أي نمط العازفين المغنين على حد الذين اشتهرت بهم أوروبا في العصور الوسطى. أثارت أوبرا فيردي إعجاب كلا النقاد والجمهور خاصة أن المخرج لم يلجأ كالحال لدى بعض زملائه من الشباب خاصة إلى الإفراط في حداثة العرض بل تعامل بطابع المحافظة التقليدية للمسرح والأوبرا بالمفهوم الكلاسيكي. ورأى بعض النقاد بأن المدير المستقيل لمسارح بون فايسي قد حقق انتفاضة كبيرة في الحياة المسرحية والفنية عامة للعاصمة القديمة رغم قيود شديدة فرضت عليه للتقشف والترشيد من قبل رئيس بلدية المدينة نظرا لحالة الديون المستعصية التي تعاني منها لا بون فحسب بل الأغلبية العظمى للمدن الألمانية عامة. ألف الأوبرا الإيطالي كامارونو بتكليف شخصي من فيردي والقصة هي أن غجرية مرت بقصر الكونت لونا في أراغونا الأسبانية فيما كان طفلاه في غرفة نومهما واقتربت من أصغرهما لنوايا غير معروفة فكشفها الحراس واعتبروها جنية وحكوا عليها بعقوبة الموت حرقا كما جرت العادة في العصور الوسطى. ابنة الغجرية اتسوجينه أرادت أن تنتقم لأمها فخطفت ابن الكونت وعمدت إلى حرقه لكنها بالخطأ حرقت ابنها وتربى بالتالي ابن الكونت المخطوف في رعايتها وأحبته محبة الأم الحقيقية. تغيرت العهود والظروف وأصبح الشقيقان دون علمهما يحاربان في جبهتين مختلفتين ويعشقان كالحال كثيرا في الأوبرات وقصص الدراما ذات الفتاة وهي الجميلة ليونورا التي عشقت ابن الغجرية ظاهريا وبادلها هو العشق كما أن شقيقه الكونت خلفا لأبيه عشقها أيضا دون أن تبادله الحب. جاءت النهاية مأساوية ولم يعرف الكونت الذي حكم على أخيه بالموت شنقا بأنه في قيقة الأمر شقيقه إلا بعد نفاذ الحكم كما تناولت ليونارا عقاقير السم لأنه لم تحتمل الحياة دون حبيبها. كما قلنا كان الجمهور معجبا كثيرا بأداء الفنانين فدام التصفيق قرابة ربع ساعة وحازت على إعجابه خاصة أدوار وغناء الابن المخطوف وعشيقته ليونورا وامه التي ربما كانت أكثر من أعجب بهم الجمهور حيث لعبت دور الغجرية الساحرة بإتقان غير معهود وبصوت نم عن مقدرة هائلة في التمثيل والتعبير الحي. الجمهور الألماني للأوبرا أغلبه من كبار السن أي من تعدوا الخمسين من العمر وهم عادة يعشقون العروض الكلاسيكية للأوبرا خاصة الأوبرا الإيطالية وأيضا أوبرا فاغنر وشتراوس كما أنهم مولعون بالديكور الداخلي التقليدي فأغلبهم يمقتون الإفراط في الحداثة في هذا السياق. لكن المخرجين يفضلون التجارب والتحديث. في عرض تروبادور في بون كان كل شيء على ذوق الجمهور تقليدي كلاسيكي محافظ. في فيينا عرضت الأوبرا في نفس الوقت. اشتهر بوتشيني أكثر من فيردي بالغناء المنفرد لكن هذا اشتهر بمقطوعات الكورال الرائعة (عائدة، نابوكو الخ.) ولكنه في تروبادور أبدع في كلا المجالين : الغناء المنفرد والكورال. لهذا وصل إعجاب الجمهور في بون حدا يصعب وصفه. - |
KÖLNER STADT-ANZEIGER,Von Markus Schwering, 27. März 2012
Hilsdorf inszeniert Verdis „Troubadour“
Dietrich Hilsdorfs „Troubadour“ strotzt wortwörtlich vor Kraft, Feuer und Blut. Doch mischen sich in die allgemeine Wucht Misstöne und Fragezeichen. Dennoch erhellen auch geniale Einfälle die Bühne der Bonner Oper.
Mit verschärfter Inbrunst widmen sich die Opernhäuser in diesen Tagen Giuseppe Verdi, dem Giganten der italienischen Oper. Der ist selbstredend auch zu normalen Zeiten dank der Publikumsneigung eine sichere Bank, aber im Vorfeld seines dräuenden 200. Geburtstags gibt es einen veritablen Flächenbrand.
Die neue Bonner Inszenierung des „Troubadour“ ist zudem aus Kölner Sicht interessant. Eine gute Woche nach Katharina Thalbachs hiesigem „Rigoletto“ kommt gleich nebenan ein zweites Werk aus Verdis legendärer mittlerer Trias („La Traviata“ ist das dritte der Reihe) auf die Bühne. Der Regisseur Dietrich Hilsdorf ist mittlerweile auch in Köln gut etabliert – unter anderem brachte er hierin der vorletzten Spielzeit eben die „Traviata“ heraus.
Bei aller Energie auch Schwächen
Im direkten Vergleich zwischen Thalbach und Hilsdorf (der methodologisch hinken mag) wird man kaum umhinkönnen, Hilsdorf den energischeren Zugriff, die größere Bild- und Szenenfantasie, einfach ein Mehr an Kraft und Wucht, Feuer und Blut (Letztere auch im Wortsinn) zu bescheinigen. Und das, obwohl Hilsdorf seine Inszenierung ebenfalls „realistisch“ anlegt und der Oper konzeptuell keine Deutungsebenen einzieht, die dort nicht zumindest angelegt sind. Auch Dieter Richters Bühnenbilder (das Ganze ist als Stationen-Drama angelegt, in dem die „Bilder“ die Akteinteilung verdrängen) mit ihrer Kirchen-, Kasernen- und Gefängnisanmutung sind „realistisch“. Wobei triftigerweise die nackt ragenden Mauern allemal bedrückendes Kerkerambiente verbreiten.
Freilich hat auch Hilsdorfs Inszenierung ihre Schwächen. Ein Problem ist die unklare historische Situierung: Das Ganze spielt nicht mehr im ausgehenden Mittelalter, sondern im frühen 20. Jahrhundert – es gibt bereits elektrisches Licht, das „Miserere“ des vierten Akts kommt vom Grammophon, und funzlige Benzinfässer haben die Scheiterhaufen ersetzt. Für den Spanischen Bürgerkrieg ist es indes zu früh, obwohl Hilsdorfs Szenario eine solche Konstellation nahelegt. Darüber gerät auch die beliebte „Troubadour“-Deutung als einer „Parabel über die Unterdrückung von Minderheiten“ (so der Opernexperte Ulrich Schreiber) etwas aus dem Fokus: Die aller folkloristischen Nettigkeit baren „schwarzen“ Zigeuner werden zur Kriegspartei aufgewertet. Sie sind auch nicht mehr mit Hammer und Amboss ausgerüstet, sondern mit Gewehren, mit denen sie die gegnerischen „Roten“, sprich: Graf Luna und seine Soldaten, abzuschießen gedenken.
Spektakuläre, aber überflüssige Schockmomente
Da mag man dann eher schon an einen Bürgerkrieg in einer lateinamerikanischen Militärdiktatur denken (aber an welchen, wann und wo?) – wozu auch die archaische Liaison von kollektiver Blutrunst und eiferndem Katholizismus passt. Außerdem die Hinrichtung von Farbigen. Alle, Freunde wie Feinde, haben ihre Kreuze und schäbigen Madonnen, und den spektakulären Folteraktionen der „Roten“ an in Käfigen eingesperrten „Hexen“ (mit Fingernagelausreißen und Augenausstechen) wohnt der Priester bei. Diese Schocker sind übrigens so spektakulär wie überflüssig, der Zuschauer weiß „auch so“ Bescheid, Hilsdorf müsste es ihm nicht mit fragwürdiger Wollust eintrichtern.
Einen nahezu genialen Einfall hält er indes für den zweiten Akt bereit: Wenn sein Luna sich selbst anstelle der Christusfigur auf ein Kreuz unter schwarzer Verhüllung legt, dann ist das nicht nur dessen Absicht geschuldet, durch Täuschung bequem ins Kloster zu gelangen. Vielmehr signalisiert es auch eine grandios-pathologische Selbstübersteigerung, wie wir sie vom späten Nietzsche kennen. Der leidende Liebhaber als Gekreuzigter – dieser Luna ist nicht böse, sondern verrückt. Wobei solche Verrücktheit wiederum einer sozialkulturellen Vorprägung entwachsen mag. So kehrte die Gesellschaftskritik dann doch wieder in die Inszenierung zurück.
Großartiger Gesang
Gesungen wird unterschiedlich: In jeder Hinsicht herausragend, ja großartig in der Kraft der Darstellung wie im stimmlichen Farben- und Gesten-Reichtum ist Chariklia Mavropoulou als Azucena – bei ihren suggestiven Fegefeuererzählungen und Alpträumen wird dem Zuhörer ganz kalt. Mark Morouse als düster-glühender Luna erfüllt die Erwartungen, Irina Oknina als Leonore hat ein starkes Vibrato und einige schrille Beimischungen, legt aber ihr „Tacea la notte placida“ eindrucksvoll hin. George Oniani als Manrico beginnt vorzüglich, baut indes nach der Pause stark ab. Warum eigentlich, wird da jemand überfordert? Das hohe C auf „all’armi“ am Ende des dritten Akts geriet jedenfalls einigermaßen grässlich.
Das von Robin Engelen dirigierte Beethoven-Orchester heizt der diesbezüglich eh nicht unterversorgten Bühne noch zusätzlich ein. Einige Grobheiten und schlechte Koordinationen waren bei der Premiere in Kauf zu nehmen. Der Chor läuft zu düster-kriegerischer, jedenfalls großer Form auf.
OPERAPOINT, von Felicitas Zink, 27. März 2012
IL TROVADORE – Bonn, Oper
Kurzinhalt
Die Oper spielt im Spanien des 15. Jahrhunderts: Der Kommandant Ferrando erzählt, daß der alte Graf Luna zwei Söhne hatte. Weil eine Zigeunerin den Jüngeren in seiner Wiege verhexte, ließ der Graf sie verbrennen. Die Tochter der Zigeunerin, Azucena, raubte daraufhin das Grafenkind und warf es in die Flammen des Scheiterhaufens ihrer Mutter. Jahre später verliebt sich die schöne Leonora, Hofdame der Königin von Aragonien, in Azucenas Sohn, den geheimnisvollen Sänger Manrico (er ist der Troubadour). Auch der junge Graf Luna, der ältere Bruder des verbrannten Kindes, begehrt Leonora. Nur Azucena weiß, daß sie damals im Wahn ihr eigenes Kind in die Flammen warf und stattdessen das Grafenkind liebevoll aufzog. Graf Luna und Manrico werden nun zu politischen Gegnern, denn Manrico ist Anführer der der Rebellen, während Luna für den Machterhalt der Königin steht. In einem Duell besiegt Manrico seinen Rivalen, schenkt ihm aber das Leben. Dessen ungeachtet beginnt der Geschonte eine tödliche Hetzjagd auf den Nebenbuhler und Rebellen. Gerüchte kursieren, Manrico sei getötet worden, Leonora will daraufhin den Schleier nehmen. Aber die beiden finden sich wieder und als der Graf sie gefangennimmt, bietet Leonora sich selbst für das Leben Manricos. Vergeblich. Nach Manricos Tod offenbart Azucena triumphierend ihr Geheimnis: Luna hat seinen eigenen Bruder getötet. Die Mutter Azucenas ist gerächt.
Aufführung
Die Regie hat die vier Akte in acht Bilder gegliedert: Nun sind die durchaus sinnstiftenden Einheiten der Geschichte überschrieben mit: Die Hexe, Das Duell, Die Zigeunerin, Das Gottesgericht, Die Hexenjäger, Der Sohn der Zigeunerin, Die Rache des Rivalen und Die Hinrichtung. Die Titel werden jeweils zu Beginn eingeblendet. Ferrando, der Kommandant der in (blut)roten Uniformen gekleideten gräflichen Truppe, tritt als autoritärer Soldat auf. Das Zimmer der Hofdame Leonora ist dem Stil des Fin de Siècle nachempfunden, Seidentapete und Grammophon schmücken den Raum, während Azucena in einer südländisch aufgemachten engen Straße wohnt. Eindrucksvoll ist die Szene, in der Leonora als “Braut Christi” vor den Altar geführt werden soll und sich Graf Luna auf das auf der Erde liegende Kreuz als Christusfigur legt: Er soll ihr Erlöser sein, heißt es in seiner Arie. Sehr blutig und grausam wird das Regiment Lunas gezeigt.
Sänger und Orchester
Die griechische Altistin Chariklia Mavropoulou gab eine ebenso unheimlich agierende, wie mit ihrem dramatischen Alt hochkarätig glänzende Interpretin der Zigeunerin Azucena. Ihre Arien wurden zu kleinen Sensationen, insbesondere ihr Schlußauftritt. Irina Oknina als Leonora, Spielball zwischen den beiden Brüdern, glänzte mit ihren Koloraturen und der von ihr klug eingesetzten Stimme bei der nuancenreichen Gestaltung ihrer großen Partie. Ihre Verwandlung von der Gräfin zur Nonne wirkte nachhaltig. George Oniani als Manrico nahm mit seinem weichen Timbre und dem erforderlichen Ambitus seines Tenors ein; glücklicherweise ließ er sich nicht dazu verführen, seine Rolle zu überzeichnen. Etwas unbeweglich als Darsteller wirkte hingegen Mark Morouse als (Graf Luna), sein gut geführter Bariton verlieh jedoch der Rolle des machtgierigen Grafen deutliche Konturen. Beeindrucken konnte nicht zuletzt der samtige und sichere Baß von Ramaz Chikviladze (Ferrando). Susanne Blattert füllte die Figur der Inez mit ihrem Mezzo sicher aus, wie auch der Tenor von Mark Rosenthal die kleine Rolle des Ruiz. Der Chor stellte Soldaten und Nonnen glaubwürdig dar und hatte seine großen Partien bestens vorbereitet. Robin Engelen leitete das Beethoven Orchester umsichtig, um den Klang Verdi-typischen dieser Oper zu erreichen, inklusive der reizvollen Pianostellen in den Fernchören und dem Ferngesang des Troubadours.
Fazit
Eine gut gesungene und interpretierte Aufführung, vom hohen Niveau der Sänger und des Orchesters sicher getragen. Die hohe schauspielerische Leistung des Ensembles in dem großartigen Bühnenbild schuf die gelungene visuelle Umsetzung für die in der Musik beschworene Atmosphäre. Besonders die vier Hauptakteure, Chariklia Mavropoulou (Azucena), Irina Oknina (Leonora), George Oniani (Manrico), sowie Mark Morouse (Luna) ragten heraus.
THEATER:PUR.NET, von Christoph Zimmermann, 27. März 2012
Auf schlüssige Weise grausam
Das ist doch auch etwas Schönes: beim Premierenapplaus des Bonner Trovatore kamen sowohl der Dirigent als auch das Produktionsteam von alleine auf die Bühne. Sie wurden also nicht von der Sängerprotagonistin zum Auftritt „überredet“. Zu beklatschen gab es freilich viel. Auf der musikalischen Seite Robin Engelens impulsives, gleichzeitig detailsensibles Dirigat sowie das exzellente Sängerensemble. Eingedenk des Bonmots, demzufolge der Erfolg einer Trovatore-Aufführung alleine schon durch die Besetzung der vier Hauptpartien durch exzellente Sänger garantiert sei, darf einmal mit den Vokalleistungen begonnen werden.
Der ausladende, dabei immer geschmeidige Azucena-Mezzo der Deutsch-Griechin Chariklia Mavropoulou frappiert besonders, George Onianis festgefügter Spinto-Tenor ist bei Manricos Stretta enorm „C“-sicher, außerdem besticht der Sänger mit schönen Piano-Phrasen. Der ausdrucksvolle, immer noch primär lyrische Sopran Irina Okninas (auch von der Körpererscheinung her eine schlanke Leonora) erfreut ebenso wie Mark Morouses markanter Belcanto-Bariton (Luna) und der erzene Bass von Ramaz Chikviladze (Ferrando). Eine derart hochkarätige Sängerriege ist für ein Haus der Größenordnung Bonns keineswegs selbstverständlich. Am Gesang des verdienten und wie immer spielfreudigen Mark Rosenthal (Ruiz) hat man allerdings keine rechte Freude mehr.
Wie bringt man die romantische Horrorstory des Trovatore, die Verdi so nachhaltig entflammte, die aber einem heutigen Publikum ungefiltert kaum noch zuzumuten ist, auf die Bühne? Wer es beim Malerischen belässt, kommt fraglos immer irgendwie an, doch dem Werk widerfährt damit keine Gerechtigkeit. Auch Dietrich Hilsdorf stößt hier und da an Grenzen. Aber er ist so clever, auch so rücksichtsvoll, den Sängern bei Arien und anderen vokalen Kulminationsmomenten Entspanntheit und Ruhe zu gönnen, sie nicht in Bewegungshektik oder unsinnige Aktion zu treiben. Verlegene Stillstände ergeben sich dadurch nicht, denn der Regisseur versteht es seit jeher, eine vorgegebene Handlung bildlogisch und dramatisch stimmig aufzubauen. Eher tut er des Guten zu viel, wenn er beispielsweise die stumme Figur eines abgebrühten Militärseelsorgers mit einem individuellen Namen versieht (Pater Moll).
Man ist gut beraten, vor der Aufführung im Trovatore-Programmheft die Inhaltsangabe nachzulesen und später aufmerksam die modern-sprachlichen Übertitel zu verfolgen. Durch beides erschließt sich nachdrücklich, dass in dem romantisch-pathetischen Musikdrama mehr steckt als nur ein pittoreskes Handlungs-Tohuwabohu. Wie schon Götz Friedrich vor einigen Jahrzehnten in Berlin und Kopenhagen beruft sich Dietrich Hilsdorf, politisch präzisierend, auf den historischen Streit zwischen den Häusern Kastilien und Urgel um den Thron von Aragon, welcher die einander fremden Brüder Luna und Manrico auf der jeweils feindlichen Seite sieht. Diese Deutung präsentierte er vor längerem in Essen und behält sie jetzt in Bonn bei.
Dass seine kluge Konzeption als solche nicht auf Anhieb dringlich wird, liegt zu Teilen an seinem sonst immer so bewährten Ausstatter Dieter Richter. Die Entscheidung für eine Drehbühne hat zur Folge, dass die einzelnen Schauplätze eng gebaut sind und dadurch einen puppenstubenhaften Anstrich erhalten. Der essenzielle Konflikt des Sujets kommt freilich auch generell erst in den Bildern nach der Pause so richtig zum Tragen, wenn der inhumane Charakter des Grafen Luna und die Kriegskälte seiner Soldateska gesteigert deutlich wird. Grausamkeit mischt sich da makaber mit Frömmelei, besonders deutlich bei dem autoritären Vasallen Ferrando.
Das 5. Bild, mit „Die Hexenjäger“ übertitelt, treibt Fremdenhass auf eine nachgerade widerliche Spitze. Gefangene in engen Käfigen, ausgepeitschte Menschen, ein sadistischer Tanz mit der aufgegriffenen Azucena - das alles könnte man ins Heute fortdenken. Verdis Musik wird dabei alle Genüsslichkeit ausgetrieben. Um noch einige Grade beklemmender das Finale: die Zigeunerin geblendet, ihrem (vermeintlichen) Sohn Manrico (Troubadour = fahrender Sänger) eine Gitarre in die gebrochenen Finger gedrückt; zuletzt die an Gift sterbende Leonora. Und der stolze, geile Luna denkt auch hier nur an Rache und persönliche Befriedigung. Nur so radikal sollte man die Verdi-Oper heute spielen.
Online Musik Magazin, von Thomas Tillmann
Empörung über die Behandlung der Zigeuner
Verdis Troubadour scheint Dietrich Hilsdorf nicht loszulassen: 1991 hatte er sich am Aaltotheater diesem Werk zugewandt, das viele wegen des vermeintlich schwachen Librettos nicht ernst nehmen können, und vor allem wegen seiner plakativen, provozierenden Kirchenkritik einen veritablen Theaterskandal ausgelöst, 2001 gab es in Essen ein schwaches Remake davon. Manches von damals erkennt man auch in der Neuinszenierung von 2012 wieder, die auch an der Wiener Volksoper gezeigt werden wird, aber insgesamt ist Hilsdorfs Werksicht inzwischen doch gemäßigter, durchdachter, weniger dem äußeren Effekt verpflichtet, ja, im ersten Teil beinahe konventionell, wenn auch handwerklich gut gemacht (der Mann weiß, wie man Sänger zum Spielen bringt, wie man einen großen Chor führt), was ja seine meisten Produktionen auszeichnet.
Graf Luna (Mark Morouse) hält sich, auf einem Kruzifix liegend und mit einem schwarzem Tuch bedeckt, in der Kirche versteckt, in der Leonora in Kürze den Schleier nehmen will (Statisterie, Chor und Extrachor des Theater Bonn).
Noch immer und ja keineswegs zu Unrecht prangert er im Verbund mit seinem Regie-Partner Ralf Budde den ungezügelten Hass auf die Zigeuner an, lässt im Programmheft aus Stéphane Hessels "Empört euch!" zitieren, der die "Behandlung der Zuwanderer, der in die Illegalität Gestoßenen, der Sinti und Roma", zu den Themen zählt, für die Empörung sich auch im 21. Jahrhundert lohnt, deutet Verdis Oper wie Ulrich Schreiber in seinem "Opernführer für Fortgeschrittene" als "Parabel über die Unterdrückung von Minderheiten", kritisiert unbarmherzig die von der Kirche geduldete, wenn nicht geschürte Jagd auf vermeintliche Hexen. Das ganze Stück spielt in einem riesigen Sakralgebäude (ein großes Kompliment an Bühnenbildner Dieter Richter und die Bühnentechnik, während die Kostüme von Renate Schmitzer eher eine Nebenrolle spielen), in dem den Zigeunern nur ein heruntergekommener Bereich zugeteilt ist, ihre auf einer schlichten Tonne installierte, verstaubte Madonna sieht der Zuschauer sicher nicht zufällig nur von hinten. Luna, selbstherrlicher Repräsentant einer pervertierten herrschenden Schicht, lässt den Christus von der Kopie eines Kruzifixes von Benvenuto Cellini aus dem Escorial nehmen, um selber an der Stelle des Gekreuzigten auf den richtigen Moment zu warten, um Leonora davon abzuhalten, den Schleier zu nehmen - der Graf betrachtet Gott als einen Nebenbuhler, von dem er sich seine Geliebte nicht rauben lassen will. Als er sein Unterfangen von Manrico, dem Unterprivilegierten, dem Außenseiter in seinem Künstlertum und seiner scheinbaren Zugehörigkeit zu den Zigeunern, vereitelt sieht, drückt er sich gar die Dornenkrone auf den eigenen Kopf.
Deutlich brutaler wird es nach der Pause: Ungeniert leben Ferrandos Männer, angeführt von einem verlotterten Arzt und einem schäbigen Geistlichen, ihre Gewaltfantasien aus, natürlich darf da eine Vergewaltigung nicht fehlen, die Maske hatte zweifellos alle Hände voll zu tun, um die in Käfige gesperrte Zigeuner mit Blut und Brandmalen zu versehen. Ich muss sagen, dass mir dieses Übermaß an gezeigter Gewalt mit den Jahren immer unerträglicher wird. Besonders das Schlussbild hatte ich noch lange im Gedächtnis: Azucena, die Tochter einer "Seherin", hat man ihrer Augen beraubt, dem Laute spielenden Troubadour die Finger abgesägt, "beide verhöhnend als ihr eigenes Klischee ausgestattet", wie es im Programm beschrieben wird. Bei aller Schockwirkung, die von solchen Szenen ausgeht, ist das, was bleibt, der Eindruck, dass Hilsdorf eine ernst gemeinte Ehrenrettung eines viel gescholtenen Werkes gelingt, das eben mehr zu bieten hat als Verdis großartige Kantilenen und das eben doch nicht in den Konzertsaal verbannt gehört.
Irina Oknina verfügt über einen gar nicht kleinen, aber doch immer noch lyrischen Sopran, sie hat keine wirklichen Probleme mit der nicht einfachen Partie der Leonora, findet zu wunderbar verinnerlichten, berührenden Tönen im Kloster, aber an mancher Stelle fehlt es ihr einfach an Stimme, an Volumen und Durchschlagskraft (merkwürdigerweise nicht im "Miserere", das sie mit großer Entschlossenheit angeht), an Farbenreichtum etwa in der zweiten Arie, um wirklich überzeugen zu können (nicht zu Unrecht haben in vergangenen Jahrzehnten immer wieder dramatische Soprane diese Rolle übernommen, die dann freilich häufig mit dem schnelleren Teil der Auftrittsarie ihre liebe Mühe hatten), ihrem Singen das letzte Quentchen an Feinschliff und Phrasierungseleganz, das gute Leistungen von sehr guten unterscheidet. Chariklia Mavropoulous wuchtiger, kräftiger, herber Mezzosopran passt hervorragend zur Azucena, die Deutsch-Griechin setzt ihn schonungslos und mit wenigen Zwischentönen, aber sehr imponierend ein, nur einzelne Spitzentöne lassen erkennen, dass die Stimme hier ein wenig an Rundung verliert. Der erst 1974 geborene George Oniani war nichts weniger als eine hervorragende Besetzung für die gefürchtete Titelpartie, die Stimme des Georgiers hat die richtige dunkle Farbe, besitzt Nachdruck und Stamina und findet doch auch immer wieder zu sensiblen, zurückgenommenen Tönen, punktet aber vor allem mit einer ohne Anflug von Nervosität souverän gemeisterten Stretta (mit zwei Versen und fast ein wenig zu hoch angesetztem Schlusston). Mark Morouses kräftiger Bariton mag nicht das edelste Timbre aufweisen, der Höhenaufschwung im "Il balen" erfordert harte Arbeit und einigen Anlauf, zartes Piano ist nicht einfach nach mächtigen Forteentladungen, rhythmisch leistet der Amerikaner sich auch einige Freiheiten, stilistisch ist da noch das eine oder andere zu vervollkommnen, aber trotzdem ist sein Rollendebüt als Luna durchaus als gelungen zu bezeichnen, zumal der Sänger auch szenisch in den letzten Jahren deutlich an Präsenz hinzugewonnen hat. Ramaz Chikviladze sang den Ferrando mit klangvollem, imposanten, aber noch etwas ausdrucksarmen Bass, einen überraschend schwachen Eindruck hinterließ Susanne Blattert in den kurzen Passagen der Ines, Mark Rosenthal bleibt als Ruiz in Erinnerung, weil er wie schon damals der Kollege in Essen als Zigeunerin verkleidet erscheinen muss. Szenisch stark gefordert waren die Chöre, so dass die Damen und Herren sich musikalisch nicht ganz so einheitlich präsentierten wie an manch anderen Abenden (Einstudierung: Sibylle Wagner), nichtsdestotrotz gab es auch hier viele hervorragende Momente. Robin Engelen, Erster Kapellmeister am Theater Bonn, präsentiert einen spannenden, glutvoll-zupackenden, noch nicht immer ganz ausgewogenen und an einigen Stellen vielleicht etwas zu knallig tönenden Verdi.
FAZIT
Ein packender Theaterabend ist dieser konsequent und engagiert erzählte, ernst genommene Trovatore vor allem im zweiten Teil allemal, aber kein leicht verdaulicher - insofern ist es doch eine "echte" Hilsdorf-Inszenierung. Verdis Musik kommt trotz allem und in manchen Momenten auf hohem Niveau zu ihrem Recht.
















