EZIO

von GEORG FRIEDRICH HÄNDEL

Dramma per musica in drei Akten | Text nach Pietro Metastasio
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Eine Koproduktion mit den Schwetzinger Festspielen

 

Als „der letzte Römer“ ist der Feldherr und Konsul Ætius Flavius (um 390-454 ) in die Geschichtsschreibung
eingegangen. Dieser ultimative Vertreter der Spezies „antiker Held“ steht im Zentrum von Händels am
15. Januar 1732 in London uraufgeführter Oper. Sie basiert auf einem Libretto des damals noch ziemlich
unbekannten Pietro Metastasio (1698-1782) aus der Zeit, bevor er kaiserlicher Hofpoet in Wien wurde.
Es ist für den römischen Karneval 172 8 bestimmt gewesen und alles andere als ’monarchistisch korrekt’.
In diesem genialen Nachtstück der politischen Intrige ist der unerbittliche Niedergang eines aufrechten,
aber gesellschaftlich völlig unbedarften Haudegens auf höfischem Parkett in atemberaubendem Tempo
mitzuerleben. Händel greift vor allem den melancholischen Grundton des Stoffes auf und gibt den
Figuren ein „inneres“ Gesicht, eine „musikalische“ Seele. Die Handlung spielt 45 1 n. Chr., gleich nach
Ætius’ mythischem Sieg über die Hunnen Attilas. Angestachelt durch seinen Minister Maximus, macht
Kaiser Valentinianus III. Ætius die Braut streitig, bezichtigt ihn des Hochverrats, verurteilt ihn, begnadigt
ihn, beschließt seine Exekution ... Am Ende herrscht dennoch eitel Sonnenschein, jedoch nicht
dank kaiserlicher Milde, sondern aufgrund kaiserlicher Feigheit (oder soll man es „Diplomatie“ nennen?).
Ein Schluss, der nur als vorläufig angesehen werden kann, wusste das zeitgenössische Publikum
doch sehr wohl, dass alle antiken (historischen) Protagonisten innerhalb kürzester Zeit gewaltsam zu
Tode gekommen waren.

 

Günter Krämer inszenierte u.a. für die Salzburger Festspiele, an den Staatsopern Wien, München,
Hamburg und an der Dresdner Semperoper.

 

Sehen Sie die Kinderreporter über EZIO unter www.wdr.de/studio/bonn/index.html

Besetzung

Musikalische Leitung: Andrea Marchiol(28.11.) / Luigi di Bella (4.12.; 11.12.; 19.12.)
Inszenierung: Aldona Farrugia nach Günter Krämer
Bühne: Jürgen Bäckmann
Kostüme: Falk Bauer


Valentiniano: Mariselle Martinez
Fulvia: Julia Kamenik
Ezio: Yosemeh Adjei
Onoria: Susanne Blattert
Massimo: Giorgos Kanaris
Varo: Martin Tzonev


Beethoven Orchester Bonn


 


Änderungen vorbehalten.

Kritiken

Der grossartige Countertenor Yosemeh Adjei lässt Händels Arien blühen und leuchten, singt ganz unangestrengt die schönsten Koloraturen … Vor allem der junge Alte-Musik-Spezialist und Dirigent Andrea Marchiol feuerte die mittlerweile Händel-erprobten Musiker des Beethoven Orchesters am Premierenabend zu einer zweieinhalbstündigen Höchstleistung an … Krämers Inszenierung, die in Bonn durch Aldona Farrugia sehr präzise rekonstruiert und mit Leben gefüllt wurde, wirkt trotz des Panzers nicht monumental. Es ist hier ein Ensemblestück, ein Kammerspiel, bei dem fast alle Protagonisten immer auf der Bühne sind … Mariselle Martinez mit wunderbarer, äußerst wendiger und expressiver Stimme … Fulminant auch die Fulvia der Julia Kamenik … Am Ende gab es für alle jubelnden Beifall.

Bonner Generalanzeiger

 

Händels Oper wird zu einer Versuchsanordnung über Falschheit und Doppelgesichtigkeit, List und Intrige. Dieses künstliche Element der Aufführung entspricht immer besser der hochvirtuosen, ebenfalls völlig antinaturalistischen Musik. Die wird in Bonn ... sehr überzeugend umgesetzt. Der Countertenor Yosemeh Adjei in der Titelrolle und die Altistin Mariselle Martinez als Valentiniano liefern mit ihren Arien stilsichere Glanzstücke. An Intensität übertrifft sie noch Julia Kamenik, die die psychologisch diffenrenzierteste Rolle gestalten kann ... Das Beethoven Orchester spielt unter der Leitung des Barockspezialisten Andrea Marchiol hörbar historisch informiert: schlank und straff, kontrastreich und spannungsvoll.

WDR3, Scala

 

Günter Krämer hat EZIO inszeniert und Aldona Farrugia richtete seine Arbeit für Bonn ein. Krämers Handschrift ist erkennbar: Kaiser Valentinian doubelt er mit dem Tänzer Witalij Kühne ... Hier funktioniert das gut ... Andererseits spielt der Schluss mit den ausgelassenen Überlebenden Revue auf der großen Treppe, aus dem Bühnenhimmel regnet es Rosenblätter über weiße Fräcke. Händels Partitur - von Andrea Marchiol mit dem Orchester genau, aber leicht realisiert - lässt es zu. Yosemeh Adjei sang den Ezio, ein fabelhafter Countertenor von großer Leichtigkeit und schöner Intonation. Wie er wurde auch Mariselle Martinez für die großen Arien gefeiert. Julia Kamenik sang eine großartige Fulvia ... Auch das Bonner Enesemble stellte also tadellose Besetzungen mit Susanne Blattert und dem beweglichen, schön timbrierten Bass Martin Tzonev. Krämer spielt alle Unglaubwürdigkeit mit. Emotion und Anteilnahme scheibt er weg und inszeniert scharf und spannend.

Bonner Rundschau

 

Countertenor Yosemeh Adjei ist ein Glücksfall als Ezio: eher klein, mit Waschbrettbauch und einer variablen Stimme gesegnet. Genauso begeisterten Applaus wie er bekamen die Damen Kamenik und Martinez. in den stürmischen Schlussbeifall wurden Witalik Kühne, Susanne Blattert, Giorgos Kanaris, der vorzügliche Martin Tzonev und das Beethoven Orchester unter Andrea Marchiol mit einbezogen.

Bonner Express

 

Zu sehen, zu bedenken und auch zu genießen gibt es bei diesem EZIO viel.

Kölner Stadt-Anzeiger

 

Großartig dabei Julia Kamenik als Fulvia, die zwischen Zagen und Standhaftigkeit ihrer enormen stimmlichen Variationsbreite glaubhaft Ausdruck verleiht. Ebenso Yosemeh Adjei, der als Countertenor in der Rolle des Titelhelden stimmlich geradezu über sich hinauswächst bei seinem Einfordern höherer Gerechtigkeit.
Doch auch die „Bösewichte" der Handlung machen eine gute Figur. Allen voran Marielle Martinez als Kaiser Valentinian, der - entsprechend dem Countertenor Ezios - mit seiner Frauenstimme aus dem üblichen Rahmen fällt. Hervorragend auch Giorgos Kanaris als Massimo, dessen sich finster gebärdende Stimme die Abgründe von Boshaftigkeit und Verschlagenheit überzeugend zum Ausdruck bringt. Eine durchgehend beeindruckende sängerische Gesamtleistung, an der auch Susanne Blattert als Onoria und Martin Tzonev als Varo teilhaben.
Dabei werden die Sänger unterstützt und angefeuert von dem zupackend aufspielenden Beethoven Orchester Bonn unter der Leitung von Andrea Marchiol, dem es durchgehend gelingt, die menschlichen Ungeheuerlichkeiten im Handlungsverlauf musikalisch auszuloten. Insgesamt eine bemerkenswerte Aufführung, die vom Publikum mit enthusiastischem Beifall honoriert wird. Der Applaus gilt zugleich der gelungenen Kooperation der Oper Bonn mit den Schwetzinger Festspielen, in deren Rahmen sich die Bonner Inszenierung (Aldona Farrugia nach Günter Krämer) bereits bewährt hat. Weitere Aufführungen: 18. Oktober, 7.,12.,18. November, 4.,11.,19. Dezember 2009

Epoch Times

 

Fragen und Kommentare zum Stück

Frage/Kommentar:

Wow, was für einen fulminanten Händel-Abend durften wir gestern erleben! Was Andrea Marchiol aus dem Beethoven Orchester rausgeholt hat, war einfach fabelhaft: so macht Barockmusik Spass und ist auch alles andere als verstaubt und langweilig - und die Besetzung stand dem in nichts nach, war sogar bei einigen Rollen besser besetzt, als in Schwetzingen. Auch muss man den körperlichen Einsatz loben: Frau Martinez mit dem verletzten Fuss (die Idee mit dem Gehstock war genial - den sollte man auch einsetzen, wenn kein medizinischer Grund besteht!) und dann der Unfall von Frau Kamenik: sie stürzte und schlug mit dem Gesicht ganz böse gegen die Ballett-Stange... wir hoffen, dass sie sich nicht ernsthaft verletzt hat!! Ob's an dem Schreck lag: ihre Arie im Anschluss war einer der vielen Höhepunkte des Abends! Wir wünschen noch weitere, gut besuchte Vorstellungen und aus gegebenen Anlass: Gute Besserung! :o) A. Schneider & A. Azzurrini

Antwort:

Hallo und vielen Dank für Ihre positive Reaktion. Wir werden Ihre Geneseungswünsche weiterleiten. Danke und auf bald! THEATER BONN

Frage/Kommentar:

Wieso wurde die Partie des Massimo in Bonn eigentlich von einem Bariton gesungen, obwohl sie für einen Tenor geschrieben wurde?

Antwort:

Das Stimmfach "Bariton" gab es (ebenso wie die Bezeichnung "Mezzosopran") zu Händels Zeit noch nicht: es gab Tenöre (hohe und tiefe) und Bässe (leichtere und schwerere). Alles was somit keine ausgesprochene Basspartie war, wurde von Händel mit "tenore" bezeichnet.
Die Partie des Massimo ist sehr unterschiedlich und über weite Strecken so tief, dass sie ein heutiger "Tenor" - ohne einzelne Passagen zu transponieren (was oft gemacht wird!) - kaum singen kann. Sie ist vom Stimmumfang her für einen hohen Bariton jedoch perfekt geeignet.
Auch Attilio Cremonesi hat in den konzertanten Aufführungen des "Ezio" mit dem Baseler Kammerorchester in Herne, Wien und Paris diese Partie mit einem Bariton besetzt.

Mit besten Grüssen, THEATER BONN

Frage/Kommentar:

Sehr geehrte Frau Farrugia, am 19. September hat 3sat die Ezio Inszenierung von Günter Krämer ausgestrahlt. Wie stark orientiert sich die Bonner Aufführung an dieser Inszenierung? Erwartet auch den Bonner Zuschauer ein Panzer auf der Bühne? Mit bestem Dank für eine Orientierungshilfe und mit freundlichen Grüßen Dr. Victor Haag Kelkheim

Antwort:

Sehr geehrter Herr Dr. Kelkheim,

vielen Dank für Ihre Nachricht.

Das Bühnenbild EZIO entspricht dem von Schwetzingen. Was die Regie betrifft so folgt sie weitestgehed dem Konzept von Herrn Krämer. Mit Ausnahme des Countertenors Yosemeh Adjei ist die Besetzung komplett neu und glänzend disponiert. Wir würden uns freuen, wenn Sie eine der Vorstellungen besuchen würden.

Frage/Kommentar: