Oper

50 Jahre Opernhaus

Im Mai 1965 wurde das Opernhaus Bonn als Spielstätte des Bonner Stadttheaters feierlich eröffnet. Im Jubiläumsjahr 2015 entstand nun im Foyer in Zusammenarbeit von THEATER BONN und dem Stadtarchiv Bonn eine Ausstellung zur wechselvollen Geschichte des Hauses, die von Dorothee van Rey und Andrea Schmitt vom Stadtarchiv Bonn kuratiert wurde. Mit Unterstützung des LVR-Landesmuseum Bonn sowie der Numismatischen Gesellschaft Bonner Münzfreunde e.V. entstand eine vielseitige Rückschau auf die verschiedenen Intendanzen und auf Geschichten, Inszenierungen, Künstlerpersönlichkeiten und Skandale der vergangenen 50 Jahre.

Ab dem 4. Oktober 2015 ist die Ausstellung immer an den Vorstellungstagen für die Besucher geöffnet. Der Eintritt ist frei. Interessierte Besucher ohne Theaterticket wenden sich bitte an das Einlasspersonal.

Des Weiteren bietet das THEATER BONN Führungen durch die Ausstellung am 1. und 23. Juni, jeweils um 17 Uhr an. Die Führungen dauern ca. 1 Stunde und sind auf 15 Personen begrenzt. Verbindliche Anmeldung bis jeweils zwei Tage vorher unter: dorothee.vanrey(at)bonn.de

Das THEATER BONN möchte dieses Jubiläum ebenso zum Anlass nehmen, den unzähligen Besuchern der letzten fünf Jahrzehnte die Möglichkeit zu bieten, ihre persönlichen Geschichten und Erinnerungen, die an dieses Haus geknüpft sind, mit einem breiten Publikum zu teilen.

Wenn auch Sie Geschichten, Erinnerungen, Fotos oder sonstige Dinge teilen möchten, so freuen wir uns auch nach der Eröffnung noch über vielfältige persönliche und/oder originelle Zuschriften an:

Theater Bonn
Öffentlichkeitsarbeit
Am Boeselagerhof 1
53111 Bonn

oder per E-Mail an: theatermagazin(at)bonn.de

Ich stürmte zur Tür meines Elternhauses hinein und rief: „Mama, bis de ferdich? De Papa steht at für de Dür? Me sen spät dran. Me mösse noch ene Parkplatz söcke an der Oper.“ Ich öffnete die Küchentür und Mama kreischte. „Huch! Ich bin noch net angezochre.“ Sie hielt sich das Handtuch vor den Körper. Pflichtschuldigt drehte ich mich um und zeigte Mama meinen Rücken. „Soll ich de helpe?“ „Nä!“ Früher als ich noch zu Hause wohnte, da musste ich meiner Mutter das Korsett zuschnüren. An den Seiten hatte das Teil Stäbchen und unter der Brust auch. Der Stoff fühlte sich scheußlich an und trotzdem zwängte Mama sich jedes Mal in dieses Teil und ich musste dann die Schnüre am Rücken fest anziehen. Sie rief mich aber immer erst, wenn sie es sich umgelegt hatte. Unbekleidet durfte ich meine Mutter nicht sehen. Jetzt hörte ich Stoff rascheln. „Jlich bin ich ferdich.“ „Mama, mach wigge.“ Ich drehte mich um und zerrte Mama zur Tür. Sie griff sich ihre Handtasche, schlüpfte in ihre Schuhe. Papa war schon ins Auto eingestiegen und Mama ging so schnell sie konnte zum Auto und wir stiegen ein. Werner gab Gas. Papa meinte: „Ich freu mich ob die Oper. Danke, dat ihr uns die Kaate geschenkt hat und dann noch ming Lieblingsoper.“ Die Karten waren unser Geburtstagsgeschenk für meinen Vater.  Meine Eltern waren noch nie in der Bonner Oper gewesen und heute im September 1975 spielte die Oper „Hoffmanns Erzählungen“. Es war und ist eine meiner Lieblingsopern. Früher hatte ich mit Papa die Opern auf Schallplatten gehört. Gleich würden wir sie live erleben. Wir fanden einen Parkplatz und rannten fast zur Oper. Papa hätte sich gerne noch umgesehen, aber da ertönte schon das Zeichen, dass wir unsere Plätze aufsuchen sollten. Wir schauten nach der Nummer unserer Sitzreihe und dann gingen wir durch die Reihe. Papa flüsterte: „Kind, immer dat Jesech de Lück zeje, wenn man ob sinje Platz will.“ Wir saßen in der Mitte der Reihe. Das Licht erlosch und der Vorhang hob sich. Mich nahm die Musik und die Handlung sogleich gefangen. Ich schaute zu Papa. Ein Lächeln lag in seinem Gesicht. Mama dagegen. Ich wusste nicht was sie hatte. Ich wandte mich wieder dem Geschehen auf der Bühne zu. Mama begann auf ihrem Sitz hin und her zu rutschen. Sie machte mich nervös. Ich wusste, dass sie Operetten lieber sieht, habe aber gedacht, eine Oper macht ihr bestimmt auch Freude. Mama zupfte mich am Ärmel und ich neigte ihr meinen Kopf zu. Sie flüstere: „Kind, me is et so heß.“ „He. eset doch net heß drin.” Mama rutschte weiter hin und her. Ich sehnte die Pause herbei und dann ging endlich das Licht an. „Vroni, ich gong net eh rus.“ „Wiesu, Mama?“ Papa drängte nach Draußen. Er strahlte. Mama schaute verlegen um sich. „Vroni, ich hang, ich moss dir jet sache. Ich han zwei Röck an.“ „Wat häst de?“ „Zwei Röck an!“ Mama stand auf und da sah ich es. Der andere Rock schaute ein Stück weit hervor. „Ich han, als du kommst, me de Rock över de Koop gezoche und dann vergessen, der andere unge erus zu trecke. Deshalb is et me och eh su wärm“ Leise gluckste ich los. „Ich gong net eh rus.“ „Doch Mama. Du gehst met mir ob die Clou und do tricks de de Rock us und ich jäfen an de Garderob ab. Jetzt mach wiege, sonst is de Paus vorbei.“ Ich zupfte Papa am Ärmel. „Ich gong met de Mama ob de Clou. “ Mama zierte sich. Ich nahm sie bei der Hand. „Wenn du net obstehst dann sach ich ganz laut, dat du zwei Röck an häst und dat nur, weil ich dich net im Unjerrock sehn darf. Wenn du de Rock us häst, dann ist et dir och net me so wärm.“ Endlich stand Mama auf und wir strebten der Toilette zu. Anschließend gingen wir ins Foyer und ich erzählte Werner und Papa das Mama zwei Röcke an gehabt hatte. Wir kicherten los und Mama war beleidigt. Der Gong ertönte und wir nahmen unsere Plätze ein. Die Musik erklang und selbst Mama war jetzt von der Oper gefesselt.

Monika J. Mannel       

Wer kennt die Namen, nennt die Orte… 

Wenn ich auch nicht auf 50 Jahre Opernbesuche im „Großen Haus am Boeselagerhof“ zurückblicken kann, so bin ich doch seit nunmehr fast 30 Jahren mehr oder weniger regelmäßiger Besucher meines Heimathauses.

1986 war ich zum ersten Mal in der Bonner Oper. Es waren die Jahre, in denen Jean-Claude Riber die Geschicke des Hauses lenkte, mit dem damaligen Anspruch, durch Gelder des Bundes gut ausgestattet „hauptstädtisches“ Theater zu bieten.

Es sind viele Erlebnisse aus diesen Jahren, die mich in meiner Liebe zur Oper wesentlich geprägt haben. War es doch zum damaligen Zeitpunkt selbstverständlich, in Abonnementvorstellungen so gut wie alle Sängerinnen und Sänger am Bonner Haus zu erleben, die sonst eher an der Scala, der Met, in Covent Garden oder in Wien Erfolge feierten.

Schon der erste Besuch hat mich restlos begeistert: „Don Giovanni“ – es sangen unter anderem Feruccio Furlanetto, Carol Vaness und Gösta Winbergh.

Es wundert mich noch heute, wen ich alles in Bonn erleben durfte – nachdem ich mir ein Schülerabonnement gesichert hatte, war in der ersten Abo-Vorstellung ein „Don Carlo“ zu sehen und zu hören, der u.a. mit Giacomo Aragall, Martti Talvela und Katia Ricciarelli absolute Stars der damaligen Opernwelt auf die Bühne brachte; eine Inszenierung der „Meistersinger“ ließ Bernd Weikl mit Donald McIntyre und René Kollo mit Peter Hofmann alternieren.

Der Inszenierungsstil des Hauses gab sich eher konservativ, allerdings arbeiteten auch immer wieder Regisseure am Haus, die zu den eher progressiven Kräften des Regietheaters zählten.

Willy Decker inszenierte mehrmals in Bonn, und wenn ich einen Abend beschreiben sollte, den ich als den Opernabend schlechthin bezeichnen sollte, so ist es sicher seine Inszenierung von Glucks „Orfeo“ mit Hanna Schwarz. Dies war eine Oper, die ich auch beim dritten Besuch immer noch als neu, aufregend und gleichzeitig verstörend empfand. Ganz in der Bildwelt von René Magritte angesiedelt, zeigte er die Geschichte des Sängers als Reise ins Ich, durch eine Doppelung der Bühne mit einfachsten Mitteln eine grandiose Wirkung erzielend.

Natürlich gab es auch eher dekoratives Theater, vor allem wenn der Hausherr selber Regie führte. Man erinnere sich an den Skandal Mitte der 80er Jahre, als der damalige Generalmusikdirektor Gustav Kuhn im Spiegel von „Stimmporno“ sprach, was seinen Vertrag mit der Stadt Bonn doch relativ schnell beendete.

Auf diese Ära folgte Giancarlo del Monaco, der ebenso quirlig wie angriffig dennoch eine Kontinuität zum Teil großartiger Inszenierungen auf die Bühne brachte. In meiner Erinnerung ist dies ein grandioser Doppelabend aus „Cavalleria Rusticana“ und „Bajazzo“, der immer wieder aufs Neue fesselte, Werner Schröter mit einem auch herrlich gesungenen „Werther“, eine „Salome“ von Ken Russell, die zwar weder die Gegenliebe vom Publikum noch von der Presse fand, aber dennoch durch eine witzige Neudeutung des Stoffes als viktorianisches Sittenbild schlichtweg genial dargeboten wurde.

Schon in del Monacos eher turbulenter Zeit wurde das Geld knapper am Rhein; hatte dieser schon weniger auf Stars setzen können als sein Vorgänger, so war es in den Jahren der Intendanz Norbert Beilharz eher ein klug aufgebautes Ensemble, welches in der musikalischen Qualität doch weiterhin großartige Erlebnisse bot.

Ich erinnere mich an einen spontanen Besuch in der Oper zu einer Aufführung von Mozarts „Entführung", in der eine zu diesem Zeitpunkt noch völlig unbekannte Sängerin namens Simone Kermes eine Konstanze von Weltklasse bot. Anja Harteros hatte ihr erstes Engagement in Bonn.

Ich gebe zu, meine Besuche wurden dann etwas sporadischer, dennoch kann ich auch in der aktuelleren Periode auf viele tolle Erlebnisse zurückschauen, ohne nostalgisch auf frühere Zeiten zu blicken – eine „Tristan“-Aufführung im Wagnerjahr, die mich ebenso begeistert hat wie ganz aktuell die ungemein witzige, originell inszenierte und herrlich gesungene Inszenierung des „Hoffmann“ in der Spielzeit 2014/15. Wenn ich so über die Jahre in Bonn nachdenke, so war es doch auch der sehr eigenwillige Raum des Theaters, der durch seine Nähe eine Unmittelbarkeit erzeugt, die man in weitaus größeren Theatern nicht unbedingt findet.

Wenn jetzt das Haus so langsam in die Jahre kommt und eine Generalsanierung dringend überfällig wird, so kann man nur wünschen, dass es in Bonn gelingt, die Tradition des Musiktheaters zu erhalten und endlich der städtischen Kultur wieder die Ausstattung zu geben, die einer Stadt mit fast 300.000 Einwohnern zukommen sollte: ein Theater, das sich als kultureller Mittelpunkt begreift und auch die Chance hat, dies immer wieder zu beweisen. Leider ist in der aktuellen Diskussion davon wenig zu bemerken.

Auf weitere große Abende am Boeselagerhof,
Ingo Scharrenbroich

Anfang der 1960er Jahre fotografierte ich die Vorderansicht des Opernhausbaus im morgentlichen Nebel.

Meine Frau und ich sind begeisterte Anhänger der Bonner Oper und versäumen keine Vorstellung. Immer wieder erfreuen wir uns an den phantastischen Bühnenbildern.

Wir hoffen stark, dass uns das Haus erhalten bleibt.

P. Springer

Mit dem Opernhaus verbinde ich fast mein gesamtes Leben. Grund dafür war sicher die Tatsache, dass mein Vater 32 Jahre als Produktionsleiter am Haus gearbeitet hat und mir so der Zugang zu Theater natürlich leicht gemacht worden ist.

Der erste Besuch im Großen Haus (so hieß das damals noch) war das in den 1970ern noch übliche Märchen zur Weihnachtszeit (was die Herren Eschberg und Riber später abgeschafft haben): "Die Wawuschels mit den grünen Haaren" nach Irina Korschunow. Gefolgt von einer wunderbaren Produktion von "Die verzauberten Brüder" (Jewgeny Schwarz), "Pinocchio" (da war auch das Ballett mit involviert) und "Der goldene Brunnen" (Otfried Preussler). Später kamen dann anstelle der Märchen die klassischen Handlungsballette, die Peter van Dyk inszenierte, hinzu; damals selbstverständlich mit dem eigenen Orchester (der Beethovenhalle) bzw. der Philharmonica Hungarica: "Romeo und Julia" (Prokofiev – mein erstes Ballett überhaupt), "Dornröschen" (Tschaikowski), "Cinderella" (Prokofiev). Das größte neben dem Besuch der Aufführungen war für mich der Blick hinter die Kulissen nach der Vorstellung, denn ich bekniete meinen Vater immer, mit uns (meine ältere Schwester war auch mit dabei) hinter die Bühne zu gehen, wo damals auch sämtliche Werkstätten untergebracht waren. Aus der Perspektive eines Kindes war das Magazin riesig und ich erinnere mich noch an eine enorm große Statue, die damals für eine "Fidelo"-Produktion verwendet wurde.

Zu meiner ersten Oper gibt es eine nette kleine Anekdote: ich weilte übers Wochenende zu Besuch bei meiner Patentante in Bonn; mein Vater rief mich dort an und fragte, ob wir am Abend die Generalprobe einer Oper besuchen wollten – damals fanden diese immer am Freitagabend statt. Zuerst war ich von der Idee nicht so begeistert, eine Oper war für mich etwas neues, doch ich war natürlich auch neugierig.

Bei der Generalprobe handelte es sich um Jean-Claude Ribers Inszenierung von "La Damnation de Faust" von Hector Berlioz. Das genaue Datum weiß ich leider nicht mehr, es muss Anfang der 1980er Jahre gewesen sein. Vor dem Opernbesuch lud mich meine Patentante noch in eines der damals schwer angesagten neuen Burger-Restaurants ein und spendierte mir dabei eine große Cola – was sich später leider rächen sollte, denn die Oper hatte keine Pause und schon nach der ersten halben Stunde meldete sich meine Blase. Selbst die aufwendige Produktion der Oper (mit Feuer, Nebel, riesigen Gemälden, Ballett, sich öffnenden Gräbern etc.) konnte nicht verhindern, dass mir die Tränen in die Augen stiegen und meine Tante das Rumgerutsche auf dem Sitz bemerkte. Wir mussten die Aufführung also vor dem Ende verlassen – und da damals nach dem Beginn der Generalprobe kein Schließer mehr im Foyer war (und die Türklinken von außen überall abgeschraubt waren) konnten wir auch nicht wieder in den Zuschauerraum gelangen. So verpasste ich das fulminante Finale, das mein Vater mir vorher schon verraten hatte: Laser-Effekte und ein kleines Pferdekarussell, das effektvoll zerstört wird.

Viele Jahre später sollte ich allerdings die Chance erhalten, die Produktion noch einmal zu sehen: als Neueinstudierung stand sie wieder auf der Bühne. Da ich damals Besitzer eines Videorekorders war, hatte ich im Vorfeld schon die Chance, mir das Produktionsvideo von "La Damnation de Faust" von eben jener Generalprobe anzuschauen, denn mein Vater musste das Band sichten, um abzuklären, ob alle Bühnenbildelemente noch vorhanden waren – und was neu gebaut werden musste. Das Laserfinale war allerdings nicht zu sehen, denn aus Angst, die Videokamera könnte von den Laserstrahlen beschädigt werden, hatte der Kameramann die Blende geschlossen.

Die Aufführung erlebte ich dann erst live in kompletter Form – diesmal bis zum Ende und mit allen Effekten. Alle Teile der Dekoration konnten allerdings nicht mehr aufgetrieben werden, so fehlte zum Beispiel der riesige Billardtisch, der bei den Szenen in "Auerbachs Keller" als Fußboden diente und noch einige andere Details. Aber immerhin konnte ich meinen ersten Opernbesuch endlich zu Ende bringen – dabei hatte mich der "Opernvirus" trotz des mir unendlich peinlichen Vorfalls sofort gepackt.

Der Generalprobenbesuch von Opern und Balletten wurde für mich schon sehr früh essentiell – und war ein beliebtes Erpressungswerkzeug meiner Eltern: gute Noten = Eintrittskarte. Ich verheimlichte miese Ergebnisse von Klassenarbeiten oft mehrere Tage, um in den Genuss einer Generalprobe zu kommen.

Die Liste der Aufführungen, die ich in meinen 42 Jahren bislang gesehen habe, ist endlos. Denn ich blieb dem Haus auch nach dem Ausscheiden meines Vaters im Jahr 2003 treu. Für mich ist das Bonner Opernhaus eine Art Wohnzimmer geworden; ein Opernbesuch ist so selbstverständlich, wie für viele Leute ein Besuch im Kino. Das Opernhaus ist eine markante Erscheinung im Stadtbild, seine im Licht glänzende Aluminiumverkleidung ist zeitlos. Die Wuchtigkeit wird durch die prominente Lage am Rheinufer ein wenig gemildert. Leider wird das Haus Abends nicht mehr farbenfroh illuminiert wie es vor einigen Jahren üblich war – denn so war das Gebäude selbst an vorstellungsfreien Abenden ein Hingucker und wurde auch von Bürgerinnen und Bürgern wahrgenommen, die das Haus nicht betreten. Eine Sanierung (gerade der Außenfassaden) ist mehr als überfällig und es ist ein weiterer trauriger Beweis, wie die Stadt Bonn ihre prominenten Bauwerke verrotten lässt.

Dabei hat das Bonner Opernhaus durchaus internationale Strahlkraft: als ich mit meiner Familie im Sommer 1983 einen Urlaub an der Adria in Italien verbrachte, besuchten wir dort den Themenpark "Italia in Miniatura" in Rimini. Neben den berühmten Bauwerken Italiens gab es auch einen Abschnitt mit Attraktionen der europäischen Hauptstädte. Bonn war natürlich als damalige Hauptstadt auch vertreten: mit dem (schlecht recherchierten) Modell des Beethovenhauses - und dem Opernhaus am Rhein!

A.J.S.

Im Herbst 1986 bin ich als Neunjähriger zum ersten Mal in die Oper Bonn gegangen – "Don Giovanni" stand auf dem Spielplan. Allerdings war mir doch etwas mulmig vor der Friedhofszene mit der sprechenden Statue des Komturs, sodass ich während dieser Szene die Augen fest geschlossen hielt! Die Aufführung als Ganzes hat mich tief beeindruckt und meine Leidenschaft für die Oper geweckt. Seither habe ich geschätzt mindestens 120 verschiedene Produktionen im Bonner Opernhaus erlebt.

Ich wünsche der Oper Bonn, dass sie die Spardiskussionen und Anfeindungen auch in Zukunft übersteht und weiterhin ein so vielfältiges und qualitativ hochwertiges Angebot machen kann, wie das bis heute der Fall ist.

Ernst Maresch

Gestern habe ich „Salome“ genossen und mir das Theatermagazin gleich mit heimgenommen. 50 Jahre Theater Bonn – für mich hat es das Theater – gefühlt – immer schon gegeben. Es begleitet mich wirklich bereits seit Kindertagen. „Rumpelstilzchen“, Senfpralinen und „Der Fliegende Holländer“ – Weihnachten ohne Märchenvorstellung, das war einfach undenkbar, doch muss es das tatsächlich gegeben haben, denn mittlerweile bin ich 56, das Theater 50. Gab es diese 6 Jahre ohne die Vorfreude, das „Schickmachen“ und die Aufregung in der Vorweihnachtszeit? Die Mutter kleidete sich und duftete ganz besonders, sie ging während der Kindervorstellung irgendwo einen Kaffee trinken, während ich mit meiner besten Freundin im Zuschauerraum darauf wartete, dass die Lichter langsam dunkler wurden. Diese Lichter gibt es immer noch und ich genieße es nach wie vor, wenn sie langsam dämmriger werden und den Beginn der Vorstellung markieren.

Besonders ist mir das „Rumpelstilzchen“ in Erinnerung geblieben. Wie war ich fasziniert, als aus dem Stroh Gold wurde! Nur wenn man ganz genau hinschaute, konnte man im Dämmern sehen, wie sich eine kleine Plattform drehte und das Wunder vollbrachte …

Jahre später hatten wir dann ein Abonnement, Schauspiel und Oper. Da wir kein Auto besaßen, war diese organisierte Fahrt der Abonnement-Teilnehmer mit einem großen Bus von Uedorf nach Bonn eine praktische Sache. Und wen traf man da alles? Alt und Jung, Bekannte und Unbekannte, fanden sich zu dem gemeinsamen Erlebnis ein. Einen regeren Austausch zu den Vorstellungen, welcher auf der Rückfahrt dann stattfand, hat es wohl selten gegeben. Und wenn man dann den einen oder anderen späterhin auf der Straße traf, hatte man gemeinsame Themen, auch wenn einer 70 war und der andere erst 15. Theater verbindet! Ich erinnere mich, dass eine meiner Lehrerinnen (Englisch und Erdkunde) auch dabei war. Das Verhältnis zu ihr war fortan viel gelöster, man hatte sich als Menschen außerhalb des Schulbetriebes kennen gelernt – und das hat gut getan.

Damals war ich Teenager, hatte viel Unsinn im Kopf und  die Theaterbesuche hatten auch ihre Bedeutung im Hinblick auf das Miteinander mit Gleichaltrigen. Einige der Jugendlichen aus dem Dorf gingen mit ins Theater, wie schön, wenn man da nebeneinander saß! Auf die Vorstellung wurde (leider) oft nicht so viel geachtet, es wurde gekichert und auch geschäkert. Einmal hatte ich Pralinen präpariert (mit Senf- und Pfefferfüllung) die man an die anderen großzügig verteilte. Dass die „gepfefferten Theaterbesucher“ die Vorstellung überstanden haben, war sicherlich eine große Prüfung zur Selbstdisziplin. Wir anderen hatten unseren  Spaß – heute würde ich sagen: einfach gemein!

Und dann kam irgendwann der „Fliegende Holländer“! Meine beste Freundin war nicht dabei, und so konnte ich meine Aufmerksamkeit endlich einfach nur auf die Vorstellung richten – was für ein Glück! Oper, eigentlich nichts für mich, hatte man mir doch in der Schule immer wieder gesagt, ich sei nicht musikalisch. Doch diese eine Aufführung hat mich geprägt bis heute. Ich war so fasziniert! Noch heute sehe ich diesen Männerchor vor mir und meine, den unvergleichlichen Gesang zu vernehmen. Einfach unbeschreiblich! Da wusste ich, ich liebe die Oper als musikalische Gattung des Theaters. Für diesen „Fliegenden Holländer“ bin ich dankbar. Und dankbar bin ich auch meiner Mutter, die es mir ermöglichte, meine Erfahrungen mit Kunst im Allgemeinen und Theater im Speziellen zu machen. Dazu gehörte für mich auch das pubertäre Herumalbern als Zwischenstation – so leid mir das heute tut.

Es sind viele Jahre vergangen. Mittlerweile lebe ich in der Nähe von Koblenz, die Kinder sind aus dem Haus und eigene Interessen rücken wieder mehr in den Vordergrund. Und nun habe ich die Oper Bonn wiederentdeckt! Mit „Turandot“ fing der neue Abschnitt an, der an Früheres anknüpft. In jeder Saison bin ich fünf- bis sechsmal im Opernhaus in Bonn und genieße die Stunden dort. Ich empfinde die Aufführungen als Geschenke, die das Leben für mich bereithält. Die Fahrt in das (von meinem jetzigen Wohnort) 70 km entfernte Bonn lege ich gerne und nun mit dem Auto zurück. Die Zeit der Busgemeinschaft ist ein Relikt von früher – für mich zumindest –, doch jemanden zum Reden, zur Vorfreude und zum Austausch habe ich immer dabei! Und dann sitze ich wieder –  demnächst im Mai – im Zuschauerraum und schaue gebannt hinauf auf die Lichter, die langsam dunkler werden …

So oft habe ich meinem Partner schon von früher erzählt, von den Märchenvorstellungen und all den Erinnerungen. So vieles ist mir vertraut aus Kindertagen. Sicherlich ist das Theater auch ein Teil meiner eigenen Geschichte, so dass ich heute sagen möchte: Seht zu, dass es uns allen erhalten bleibt!

Dorothea Konertz

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