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Zwei Drittel Trittico

Traditionell begrüßt das THEATER BONN das neue Jahr mit einer konzertanten Aufführung an Neujahr. Mit Puccinis GIANNI SCHICCHI & IL TABARRO kommt die Premiere in dieser Saison halbszenisch daher. Operndirektor Andreas K. W. Meyer über "Zwei Drittel Trittico".

Beinahe zwei Jahrzehnte ging Giacomo Puccini seinem Plan nach, drei inhaltlich voneinander völlig unabhängige Kurzopern zu einem Triptychon zusammenzufassen und an einem Abend aufzuführen. Diesen Plan setzte er in die Tat um. Bei der Uraufführung am 14. Dezember 1918 an der New Yorker Metropolitan Opera gelangten schließlich drei Werke auf die Bühne, die auf den ersten Blick beinahe provozierend unterschiedlich wirken, in ihrer auf die Spitze getriebenen äußersten Verdichtung jedoch einen ganz eigenen, faszinierenden Blick auf das Schaffen Puccinis erlauben: IL TABARRO, ein sozialkritisches Drama im Milieu der Pariser Seine-Schiffer, SUOR ANGELICA, die tragische Geschichte einer Nonne, sowie die meisterhafte Komödie GlANNI SCHICCHI, in deren Mittelpunkt eine sehr sehr freie Umdeutung einer Episode aus Dantes Inferno steht.

Im Verlauf der Aufführungsgeschichte von Puccinis IL TRITTICO wurden die Werke allerdings immer wieder auch in anderen Kombinationen realisiert. Und es ist zumindest in Deutschland auch quasi normal geworden, das streckenweise als gewöhnungsbedürftig rührselig empfundene Klosterstück fehlen zu lassen.

So wird also auch im Rahmen der Bonner Reihe mit konzertanten Opern die Schelmenkomödie um die betrogenen Möchtegernbetrüger und der verknappte Eifersuchtskrimi um den alternden Schiffseigner und seine junge Ehefrau insbesondere in der idealen Zweierkombination zu erleben sein, diesmal freilich in der besonderen Fassung als semikonzertante bzw. halbszenische Aufführung, die in der Regie von Mark Daniel Hirsch, der zum Beispiel schon dem inszenierenden Komponisten Silvano Bussotti bei dessen TRITTICO-Deutung am Teatro alla Scala di Milano assistiert hat, einmal mehr Wege aus dem Dilemma der blanken Konzertsituation hinausweist. Im Gespräch verweist Hirsch auf den Gedanken, die Sänger gewissermaßen über die Form zu den jeweils gesungenen Figuren zu führen. Die Nähe zum Publikum spielt dabei die große Rolle, gerade bei GIANNI SCHICCHI verlangt der Zuschauerraum danach, quasi mitzuspielen.

Wie schon in seiner BUTTERFLY-Inszenierung ist es dem Regisseur ein Bedürfnis, dem Komponisten ein eigenes Mitwirkungsforum zu bieten: Die Idee des Todes spielt hinein, der Gedanke ans Altern auch – vergessen wir nicht, dass Puccini zum Zeitpunkt der Uraufführung nurmehr sechs Jahre zu leben hatte, dass also der alternde Schiffer Michele, der seine jüngere Frau an einen jüngeren Mann verliert, bestimmt für ihn eine Art Identifikationsfigur war. Die halbszenische Form verlangt zur Verdeutlichung deshalb danach, die essentiellen Beziehungen der Menschen untereinander stärker noch als in einer „kompletten“ Produktion herauszuarbeiten.

GIANNI SCHICCHI verlangt nach einer Darstellungsform, die die Geschichte nimmt, wie die Geschichte eben ist, turbulent, augenzwinkernd, menschliche Falschheit innerhalb eines Beziehungsgeflechts sezierend, das den eigentlichen Missetäter letztlich ausdrücklich zum Sympathieträger werden lässt. Der Tristesse und Traurigkeit der beinahe schon impressionistischen Milieustudie des TABARRO geht die Feier der List und Pfiffigkeit voran. Für die Kombination freilich gilt ohnedies in Abwandlung der Schlussworte des Schicchi, die Bitte, dass, sollte das Publikum sich animiert gefühlt haben, es gewiss auch mildernde Umstände für die Auslassung des letzten Drittels gewährt.

 

Premiere von GIANNI SCHICCHI & IL TABARRO ist an Neujahr am THEATER BONN. Eintrittskarten, weitere Informationen und zusätzliche Aufführungstermine gibt es HIER.

 

Bild: puccini-pics

Text: Andreas K. W. Meyer

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