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Von Träumen und Albträumen

Mit SUNSET BOULEVARD eröffnen wir die Musiktheater-Saison. Andrew Lloyd Webbers Musical gilt als Klassiker und stellvertretend für die Geschichten an einer der berühmtesten Straßen der Welt.

Eigentlich sind es nur 35 Kilometer Asphalt. Der Sunset Boulevard ist eine der Hauptverkehrsadern an der amerikanischen Westküste. Während der Rush Hour staut sich hier der Verkehr in Downtown Los Angeles, bevor die Straße die Stadtteile Silver Lake und Echo Park durchkreuzt. Doch dann führt sie in den wohl berühmtesten Vorort von L.A.: Hollywood.

Sunset Boulevard als Geburtsstätte Hollywoods

Die Geschichte der Straße ist schnell erzählt. Neben billigem Bauland gab es hier vor knapp 100 Jahren mit vielen Bergen, dem Meer und den weiten Landschaften hervorragende Drehorte. Der Hauptgrund, warum sich nach 1911 immer mehr Studios, deren Namen mit der Glanzzeit des amerikanischen Kinos eng verbunden sind, am Sunset Boulevard ansiedelten.

MGM, Universal, Warner Bros. oder auch Paramount. Viele Sonnentage garantierten zudem eine Kostenersparnis bei der Beleuchtung der Sets. Und durch die Nähe zu Mexiko wurden Produzenten in Zeiten, in denen Patentrechte noch nicht eindeutig geklärt waren, bessere Möglichkeiten als zum Beispiel in New York geboten. So wuchsen die Häuser entlang der Straße, wie die Stadt und die Bedeutung von Los Angeles.

Norma Desmond bewegt die Welt

Mit der Straße wuchsen auch die Geschichten um die Menschen, die an dem Boulevard arbeiteten. Doch während die Straße über die Glanzzeiten Hollywoods hinweg immer mehr an Bedeutung gewann, verblassten viele der schimmernden Stars, die dort groß wurden, nur allzu schnell. Eine dieser Geschichten ist die von Norma Desmond, der Hauptfigur aus SUNSET BOULEVARD: Die Schauspielerin hatte ihre große Zeit, als die Bilder zwar schon laufen, aber noch nicht sprechen konnten.

Dass die Ära des Stummfilms aber schon längst der Vergangenheit angehört, will die exzentrische Diva einfach nicht wahrhaben. In ihrer luxuriösen Villa am berühmten Sunset Boulevard schafft sie sich ihre eigene Realität und wartet auf eine günstige Gelegenheit für ihr Comeback. Als der junge Drehbuchautor Joe Gillis zufällig auf ihr verwildertes Anwesen gelangt, gerät dieser in den Sog ihrer faszinierenden Persönlichkeit – mit tödlichem Ausgang.

Andrew Lloyd Webbers Klassiker auf der Bonner Opernbühne

Billy Wilder, selbst Drehbuchautor von Paramount Pictures, zeichnete in seinem Film von 1950 mit zynischem Humor ein schonungsloses Bild der Traumfabrik Hollywood: Aufstieg und Fall der Stars, die Käuflichkeit der Kunst, Undankbarkeit und zerstörte Illusionen. Erst knapp 50 Jahre später machte Andrew Lloyd Webber daraus ein Musical, das inzwischen selbst zum Klassiker geworden ist.

Lloyd Webber hielt sich dabei eng an die Filmvorlage und schrieb kein typisches Musical. SUNSET BOULEVARD folgte nicht deren üblichen Dramaturgien mit aufwändigen Show-Nummern. Die Lieder sollten sich natürlich aus der Handlung selbst entwickeln, einem Kammerspiel zwischen vier Personen.

Während andere Musical-Profis damals befürchteten, dass die Figuren für das Genre zu wenig Sympathieträger seien, war dies für Lloyd Webber kein Thema: „Die Musik wird das übernehmen. Sie kehrt das Innerste der Figuren nach außen“, sagte er in den 90ern über das Stück.

Stars der Musical-Szene auf der Bonner Bühne

In Kooperation mit dem Theater Dortmund kommt SUNSET BOULEVARD nun an den Rhein. Auf der Bühne hört man Stimmen, die Musical-Fans in ganz Deutschland lieben: Stars wie Pia Douwes, Oliver Arno oder Wietske van Tongeren sind dabei. Regie führt Gil Mehmert, der erst in der vergangenen Spielzeit den Kassenschlager EVITA am THEATER BONN inszenierte.

SUNSET BOULEVARD liegt ihm besonders am Herzen: „Für mich ist das Altern in Würde ein großes Thema des Stücks. Denn das steht, gerade in unse