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Leoš Janáceks DIE SACHE MAKROPULOS feiert am 7. April im Opernhaus Premiere

300 Jahre länger möchte er leben, der habsburgische Kaiser Rudolf II. Deshalb beauftragt er seinen Leibarzt Hieronymos Makropulos einen Trank zu entwickeln, mit dem dieser Wunsch sich erfüllt. Um eine Vergiftung der Majestät auszuschließen, muss Elina, die Tochter des Arztes, als Versuchskaninchen herhalten – sie verliert das Bewusstsein, ihr Vater die Freiheit. Doch Elina erwacht nicht nur wieder aus dem Koma, sondern vermag auch nicht mehr zu sterben. Ein Leben der ewigen Wanderschaft beginnt...

Elina Makropulos, Ellian MacGregor, Ekaterina Myskin, Elsa Müller, Eugenia Montez – unter diesen Namen hat die alte junge Frau dieses Wanderinnenleben zugebracht und nunmehr fast ihre über dreihundertjährige Zusatzlebenszeit aufgebraucht. Wir begegnen ihr als Sängerin Emilia Marty, die in einen jahrzehntelangen Erbschaftsstreit eingreift – eben die „Sache Makropulos“ –, weil sie weiß, dass dem unauffindbaren Testament auch die Formel zur abermaligen Verlängerung ihres Lebens beigegeben ist.

Emilia/Elina wird zunehmend von ihrer Vergangenheit eingeholt. Regisseur Christopher Alden brachte in einem Programmheftartikel für die Premiere an der English National Opera in London 2006 seine Sicht auf das Werk deutlich auf den Punkt: „Die Makropulos-Formel ist eine kraftvolle Metapher für eine Fixierung… In dem Moment, in dem Elina sie trinkt, wird sie zum Gesetzlosen… Aber die Geschichte des Makropulos-Falls ist nicht einfach nur eine persönliche. Es erstreckt sich auf eine Vorstellung von der starren, kollektiven Destruktivität der Gesellschaft. Karel Capek und Leoš Janácek lebten in einer Zeit des quälenden Übergangs. Für sie verkörperte die 327-jährige E. M. die Unwilligkeit der Vergangenheit, der Gegenwart nachzugeben. Sie steht für eine Gesellschaft, die jenseits ihres Moments lebt.“

Und so ist es denn tatsächlich so: Auch wenn der Schriftsteller Karel Capek, dessen Schauspiel R.U.R. die Sprachen der Welt den Begriff „Roboter“ verdanken, sein 1922 in Prag uraufgeführtes Schauspiel VEC MAKROPULOS als Komödie bezeichnet, hat Janácek überhaupt gar nicht erst den Versuch unternommen, jenseits fantastisch-skurriler Elemente eine komische Oper zu schreiben. Viel sinnfälliger erscheint der Bezug zum noch nachwirkenden Ersten Weltkrieg: Janácek verarbeitet in DIE SACHE MAKROPULOS das große Sterben der Zeit mit dieser auf faszinierende Weise Klang gewordenen Grübelei über die Unsterblichkeit.

Andreas K. W. Meyer

Weitere Infos zum Stück finden Sie hier.

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