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Drei Fragen an Dirk Kaftan

Generalmusikdirektor Dirk Kaftan im Gespräch mit Operndirektor Andreas K. W. Meyer vor der ersten Oper der Saison: PENTHESILEA.

Andreas K. W. Meyer: „Normalerweise, wenn ein GMD neu ist, macht er DIE MEISTERSINGER VON NÜRNBERG oder ein anderes vermeintliches Prunk- und Prangstück dieser Kategorie. Nun ist PENTHESILEA des Schweizers Othmar Schoeck nach Kleists Drama ein eher unbekanntes Werk eines nicht ganz so geläufigen Komponisten. Wie sehr repräsentiert dies deine musikalische Philosophie?“

Dirk Kaftan: „Das Wort ‚repräsentativ‘ ist eines, das mich nicht sonderlich interessiert – und das natürlich auch nicht besonders an dieser Arbeit interessiert. Es geht ja erst einmal darum, Musiktheater für Menschen zu machen und Menschen damit zu berühren, zu bewegen, vielleicht zu verändern. Da gibt es für mich diese Begrifflichkeit nicht so. Klar gibt es die typischen Chefstücke, aber gerade PENTHESILEA mit Peter Konwitschny, mit dem ich ja auch an meiner letzten Station in Graz schon gearbeitet habe, ist eine Produktion, die mich sehr interessiert, wo man viel Außergewöhnliches erzählen kann. Gerade aus diesem Trott-Repertoire muss man doch herauskommen: ‚Wir machen jetzt eine Wagner-Oper oder eine andere Riesennummer, wenn jetzt der neue Chef kommt.‘ Das kann und sollte man auch ganz klar durchbrechen. Ich glaube, das ist auch ganz egal. Es hätte auch WEST SIDE STORY sein können. Wenn wir da eine gute Idee gehabt hätten, hätte ich damit auch beginnen können."

Andreas K. W. Meyer: „Ganz klar eine Absage an die repräsentative Idee des GMD-Daseins! Musik für die Stadt ist das erklärte Ziel von Dirk Kaftan.“

Dirk Kaftan: „Und das ist dann ja auch schon wieder repräsentativ, wenn man so will. Wir versuchen mit der Arbeit nicht nur an der Oper, sondern auch im Konzert möglichst viele Menschen wirklich zu berühren, und ich glaube, das schafft man heute nicht mehr, wenn man das produziert, was alle gewohnt sind. Die Menschen, die sich ohnehin für Musik interessieren, muss man pflegen. Im Idealfall läuft es auf eine Art Bürgerbewegung Musiktheater hinaus. Ich glaube, dass man da heute ständig wach bleiben und experimentieren muss. PENTHESILEA hier in Bonn in Konwitschnys Inszenierung und Johannes Leiackers Bühnenbild kommt mit einem ungewöhnlichen Konzept und einer ungewöhnlichen Aufstellung. Das lockt vielleicht den einen oder anderen hinein, der erstmal von Opern Abstand nimmt oder nur ins Schauspiel geht. Grenzen überschreiten!“

Andreas K. W. Meyer: „Ist Grenzüberschreitung etwas, das dich besonders reizt?“

Dirk Kaftan: „Grenzüberschreitung ist doch gerade wichtig, wenn man den Namen Beethoven im Namen trägt, der vor allem durch die Inhalte lebt. Beethoven ist eine Idee, eine Kraft, die im Idealfall Menschen zusammen bringt oder eben auch Politisches, Kritisches hinterfragt, unangenehme Fragen stellt – und ich hoffe sehr, dass es uns gelingt, dieses Grenzüberschreitende durchaus auch in unbequemeren Sinne, wie bei PENTHESILEA auf die Bühne zu bringen. Es gehört auch zu unserer Arbeit, unbequem zu sein. Bei Stücken wie IL PRIGIONIERO von Dallapiccola, den wir Mitte September konzertant in der Kreuzkirche im Rahmen des Beethovenfestes gespielt haben, oder halt PENTHESILEA, schauen wir, dass wir den ‚Kosmos Beethoven‘ breit fassen. Wir haben da auch bestimmte Reihen entwickelt, die natürlich schon auf 2020 hinauslaufen. Das ist die Grenzenlos- Reihe, in deren Rahmen wir mit anderen Kulturen zusammenkommen: Türkische Musiker oder jüdische Musiker, mit denen wir eine Konzertreihe machen. Das ist alles letztendlich unser Verständnis von Beethoven im weitesten Sinne und ich glaube, das muss zur Identität der Stadt werden, die sich mit dem Namen Beethoven identifiziert.“

PENTHESILEA feiert am Sonntag, 15. Oktober, Premiere in der Oper des THEATER BONN. Mehr Informationen, weitere Aufführungstermine und Eintrittskarten gibt es HIER.

 

 

Noch mehr Informationen rund um die Inszenierungen in Oper und Schauspiel finden Sie nicht nur online, sondern auch in unserer TheaterZeitung, die an den Kassen und bei den Vorstellungen kostenlos ausliegt.

 

Foto: Thilo Beu

 

10. Oktober 2017