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Die ultimative Gerechtigkeit

Lukas Linder zeigt in seinem neuen Stück SUPERGUTMAN, wie schwer es ist, ein Held zu sein.

Ein Held zu sein klingt verlockend. Für die Gerechtigkeit kämpfen, das Gute stets auf seiner Seite haben und für seine Taten geliebt und gefeiert werden. Davon träumt auch Parzival Pech, der Held in Lukas Linders neuestem Stück SUPERGUTMAN.

Parzival hat es sich selbst zur Aufgabe gemacht zu helfen. Allen, vor allem aber seinen Nachbarn – und denen kommt dies treffend zupass. Parzival ist immer für sie da, fängt entflohene Katzen ein, backt ihnen Brot oder repariert für sie kaputte Internetleitungen. Doch als Irma auftaucht, wird es kompliziert: Denn auch die junge Frau braucht Hilfe. Das Jugendamt hat ihr die Tochter genommen und Irma steht dem Verwaltungsapparat machtlos gegenüber. Kampfesmutig springt ihr Parzival zur Seite und stürzt sich für sie in den Behördenkampf.

Moral, Ideale und Wahnvorstellungen 

Gefeiert wird er dafür allerdings ganz und gar nicht. Im Gegenteil: Die gesamte Nachbarschaft ist zu tiefst bestürzt über die Aktionen des vermeintlichen Helden. Sein komplettes Umfeld steht Irma mehr als kritisch gegenüber, schließlich passt die alleinerziehende Mutter so gar nicht in deren festgefahrenen Vorstellungen von Sitte, Moral und gutem Ton. Als Parzival merkt, dass er für Irma alleine auf weiter Flur kämpft, greift er zu anderen Mitteln. Besessen von der Idee, auf der richtigen Seite zu stehen, wird er zum Rächer des Guten und der Gerechtigkeit, zu Supergutman.

Doch Parzival ahnt nicht, dass auch seine Nachbarn sich superheldengleich formieren, um wahnhaft gegen Unzucht und Unsitte anzukämpfen. Als alle über sich hinaus wachsen, eskaliert die Lage und es beginnt ein Kampf der Giganten, in dem jeder nur seinen eigenen Idealen hinterher jagt, stets in der festen Überzeugung, selbst das einzig Richtige zu tun.

Skrurril, lakonisch und absurd

Mit skurrilem Humor und lakonischer Absurdität erzählt das Stück von einer Gesellschaft voller Idealisten ohne Selbstreflexion, die nur ihre eigene Wahrheit kennen. Regisseurin Clara Weyde lässt dabei den vermeintlichen gesellschaftlichen Konsens mit der Einbildung der Figuren verschwimmen.

Wo diese selbsternannten Superhelden unserer Gesellschaft hingehören, scheint längst entschieden und die Bühne von Hanna Lenz unterstreicht diese Setzung: Für jeden der fünf Schauspieler gibt es eine identische Tür in einem halbrunden Komplex, der alles sein kann: Wohnsiedlung, Irrenanstalt, Altersheim. Hier, wo alles und nichts möglich ist, trifft man sich, führt nachbarschaftliche Gespräche– oder kämpft im ganz großen Stil für die eigene ultimative Gerechtigkeit.

In 10 Schritten zum Superhelden

In diesem Mikrokosmos ohne allgemeingültigen Moralkodex kann man nicht zum einzig wahren Superhelden werden, der von allen geliebt wird. Vielmehr wird deutlich, wie nah echtes Heldentum und wahnhafte Selbstjustiz beieinander liegen. Das wird spätestens dann klar, wenn mehrere vermeintliche Helden aufeinander treffen, die zwar alle das Gute ausrichten wollen – aber das Gute eben doch ihre subjektive Definitionssache ist.

Wie Sie selbst in zehn einfachen Schritten zum Superhelden werden, hat Autor Lukas Linder HIER für Sie zusammengefasst. Die Uraufführung von SUPERGUTMAN ist seit Wochen restlos ausverkauft. Weitere Aufführungstermine, Informationen und Eintrittskarten gibt es HIER

 

Text: Elisa Hempel

Foto: Thilo Beu

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